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Offiziell: 99 Gründe, was bei der Bahn alles schieflaufen kann

Offiziell bestätigt: Es gibt jetzt 99 Gründe, warum bei der Deutschen Bahn irgendetwas schieflaufen kann – und die Bahn listet sie selbst ganz offen im Netz auf.

Eine Glosse von Heiko Pohlmann

Eigentlich leben Bahnreisende in der naiven Erwartung, dass Pünktlichkeit der Normalfall und Verspätung die seltene Ausnahme sein sollte – warum sonst sollte man sich eine Bahnfahrt antun? Die Betonung liegt insbesonders bei Pünktlichkeit eindeutig auf sollte. Wer nur einmal quer durchs Land oder auch nur bis Quakenbrück fährt, wird hart in der Realität aufprallen: Die Wirklichkeit der Bahn ist eine andere.

Womit die Bahn selbst rechnet, wass alles schiefgehen kann, erfährt der naive Bahnfahrgast, wenn er sich die Liste anschaut, die die Bahntochter InfraGO online veröffentlicht. Eigentlich wohl nur für internen Bahngebrauch gedacht, findet man eine komplette Übersicht aller Gründe, die für Verspätungen und Qualitätsmängel im Reisendeninformationssystem der Bahn hinterlegt werden können. Und diese Liste ist ein kleiner Schatz – oder ein tiefer Blick in die düstere deutsche Eisenbahnseele, die ganz offensichtlich davor kapituliert hat pünktlich und möglichst ohne Mängel anzubieten, wofür sie beim Kunden immerhin in diesem Jahr erstmals seit 10 Jahren keine Fahrpreiserhöhung durchführte.

Einige Highlights aus der offiziellen Mängel-Liste der Bahn

Gleich vorne dabei in der Liste: „Keine Verspätungsbegründung“ (Code: 0) – warum auch begründen, was der Normalfall ist: Wir sind die Bahn, unser Fahrplan ist eine unverbindliche Empfehlung!

Bald darauf folgt in der Liste: „Unwetter“ – wie war das doch gleich vor fast 60 Jahren? „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ war der Titel einer viel beachteten Werbekampagne der damaligen Deutschen Bundesbahn aus dem Jahr 1966. Übrigens gefolgt von dem Satz: Wir fahren immer“. Das müsen noch Zeiten gewesen sein!
Der Slogan gilt nicht mehr – hat aber immerhin einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Die Bahn heute bleibt gerne mal stehen, wenn es regnet, es schneit, die Sonne scheint oder vielleicht auch bei Dunkelheit: Unwetter halt!
Ach übrigens, für „Schnee und Eis“, einen dramatischen „Erdrutsch“ und natürlich „Hochwasser“ gibt es eigene Codes!

Dann wäre da noch der Klassiker: „Unbefugtes Ziehen der Notbremse“. Eine Geste, die in Filmen dramatisch wirkt, in der Realität aber selten hilft – außer dem Verspätungszähler. Das ist übrigens eine Straftat und kostet pauschal 200 Euro!
Nicht fehlen darf: „Tiere auf der Strecke“. Im Einzelfall tragisch, im Alltag aber oft ein Achselzucken: War’s diesmal ein Reh? Eine Kuh? Oder doch wieder die „Gans von Gleis 6“?

Ganz weit vorne in der Kategorie „Das glaubt uns doch niemand“ findet sich offiziell der Grund: „Warten auf ein verspätetes Schiff“. Ein Bahn-Problem, das irgendwie nach einem norddeutschen Running Gag klingt, aber fest im Katalog steht.
Und wer es besonders handfest mag: „Beschädigung einer Brücke“ (durch das Schiff, das deswegen verspätet ist?).

Zwei nachvollziehbare Störungs-Codes gibt es nicht mehr

Da wünscht man sich fast, dass es bei „Herbstlaub“ und „Weichenstörung“ geblieben wäre.
Man glaubt es kaum: Genau diese beiden Störungscodes gibt es offiziell nicht mehr bei der Bahn. Vermutlich weil die fallenden Blätter zwischen September und November dann als Dauer-Ausrede herhalten müssten und die richtigen Weichen im Management der Bahn schon lange nicht mehr gestellt werden?

Optimismus: Die Bahn plant (nur) zweistellig bei den Qualitätsmängeln

Die Liste umfasst genau 99 mögliche Gründe – und das ist keine zufällige Zahl. Das System sieht nämlich nur ein- und zweistellige Codes vor. Mit anderen Worten: Die Bahn hofft offenbar, dass das Universum der Probleme begrenzt bleibt. Zumindest auf zwei Ziffern.
Ein paar Codes sind übrigens noch reserviert. Wofür? Da lässt DB InfraGO Raum für Spekulationen: Vielleicht für „Der Hund hat den Fahrplan gefressen“, „Der ICE wurde von jemandem geghostet“ oder „Die Lok hat heute einfach keinen Bock“.

Bis dahin bleibt es bei den offiziellen 99. Wenn also demnächst ein Zug ausfällt, verspätet ist oder in die Gegenrichtung fährt – keine Sorge: Es gibt bestimmt einen Code dafür.

durch KI bearbeitet


 
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11
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