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Offener Brief an Jens Spahn: Zentrale Corona-App ist zum Scheitern verurteilt

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Ein gemeinsamer offener Brief netzpolitischer Organisationen, darunter der Chaos Computer Club (CCC) und die Gesellschaft für Informatik (GI), fordert die Bundesregierung auf, das von ihr präferierte Konzept für eine Tracing-App gegen die Corona-Pandemie aufzugeben. Verfolgt sie es weiter, so die Unterzeichner, kann kein Vertrauen bei den Nutzern aufkommen, und ein Scheitern wäre unausweichlich.

Selbst Apple und Google verfolgen anderen Ansatz als Bundesregierung

Die Bundesregierung zieht ein Konzept für die geplante „Contact Tracing“-App vor, das eine zentrale Instanz beinhaltet. Damit ist sie auf dem Holzweg. Denn es herrscht internationale Einigkeit unter Experten und Wissenschaftlern, dass der dezentrale Ansatz der bessere ist. Selbst Apple und Google haben das eingesehen und ihn implementiert, obwohl sie sonst nicht gerade scheu sind, Daten ihrer Nutzer zu sammeln.

Daher wenden sich heute netzpolitische Organisationen, darunter der Chaos Computer Club (CCC), mit einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtsminister Helge Braun.

Blickt man realistisch auf das Ziel, so die Unterzeichner, dass nämlich die App massenhaft genutzt werden soll, dann ist der zentrale Ansatz schon deswegen hinfällig, weil sich die beiden großen Anbieter mobiler Betriebssysteme bereits dagegen entschieden haben. Da kann sich die Bundesregierung noch so verrenken, damit ist der zentrale Ansatz weit entfernt von jeder Möglichkeit zur Realisierung. Gesundheitsminister Jens Spahn kann einen nationalen Alleingang gar nicht durchsetzen, wenn er nun auf den zentralen Ansatz pocht.

Zentrales Verfolgen der Aufenthalte aller Bürger ist ein Horror-Szenario

Die Corona-Tracing-App bringt ein hohes Risiko mit sich, da die anfallenden Daten hochsensibel und besonders zu schützen sind. Je mehr Daten verarbeitet werden, desto größer ist das Risiko einer De-Anonymisierung – auch durch Dritte, vor denen die Daten geschützt werden müssen. Gesundheitsdaten gehören per Definition zu den intimsten Daten von Menschen. Das lückenlose zentrale Verfolgen der Aufenthalte aller Bürger ist das Horror-Szenario schlechthin. Andere Beispiele von sorglos hingeschluderten Corona-Apps haben gezeigt, dass die anfallenden sensiblen Datenhalden nicht angemessen geschützt werden und von Innen- und Außentätern missbraucht werden könnten.

Dies wissen auch technische Laien inzwischen und werden daher die Finger von einer solchen App lassen, selbst wenn sie grundsätzlich zur Hilfeleistung bereit wären, meinen die Unterzeichner. Dass auch Minister Spahn das weiß, darauf deutet die Peitsche hin, die er mit der App-Pflicht hinter dem Rücken versteckt hält. Dass eine solche Pflicht in Hinsicht auf die Millionen von Bürgern ohne Smartphone technisch hanebüchen ist, setzt der Posse nur die Krone auf.

Siehe auch hier: Morgen-Kommentar zum Thema Tracking-App

Unterzeichnet wurde der offene Brief, der hier im Original als PDF-Dokument heruntergeladen werden kann, von:

  • D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e. V.
  • Chaos Computer Club e. V. (CCC)
  • LOAD e. V.
  • Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e. V.
  • Gesellschaft für Informatik (GI) e. V.
  • Stiftung Datenschutz
Redaktion Hasepost
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