Ab dem 1. März hat die Natur wieder Vorrang – bis zum 30. September ist das Fällen von Bäumen dann grundsätzlich verboten. Für vier Bäume an den alten Speichern im Osnabrücker Hafen könnte diese Regelung aus dem Bundesnaturschutzgesetz das vorläufige Überleben bedeuten. 

Doch damit die Bäume diesen Sommer wieder ein wenig Grün in das Industriegebiet bringen können, sind noch knapp 9 Tage zu überstehen.

Am Wochenende wurde eine Unterschriftensammlung gestartet. Am Montag erläuterte ein Sprecher der Stadtwerke Osnabrück die Hintergründe und das Bemühen des Unternehmens, wenigstens einen Baum zu erhalten. HASEPOST berichtete bereits.

Grüne setzen auf Neuanpflanzung nach Fällaktion

Von Seiten der Politik ist wenig Hilfe zu erwarten. Der Fraktionsvorsitzende der Osnabrücker Grünen, Volker Bajus, auf den die Anlieger aus dem benachbarten Proberaumzentrum im alten Speicher und vom Kulturverein K.A.F.F. viel Hoffnung gesetzt haben, erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass es sich“ökologisch gesehen lohnt, sich für jeden Baum einzusetzen. Zugleich ist aber die KV-Anlage als wichtige Infrastruktureinrichtung auch langfristig eine sinnvolle Investition“. Die „KV-Anlage“ ist der Containerumschlagplatz, der zukünftig auf dem alten Kasernengelände erweitert werden soll. Dazu Bajus weiter: „Hier muss abgewogen werden. Das wurde verantwortungsvoll gemacht. Zudem werden die geschützten Bäume durch Neuanpflanzungen kompensiert.“


Baumschützer hält Nachtwache an den Bäumen

In der Nacht zu Montag hielt Baumschützer Ralf Florian Nachtwache um notfalls eingreifen zu können, wenn die Arbeiter erneut mit den Kettensägen kommen. Tatsächlich kam in den Morgenstunden ein Bagger und entfernte einige Büsche, damit die Fällarbeiter leichter ihr Werk an den Bäumen vollenden können. Bei der Gelegenheit wurden mit der Baggerschaufel bereits absichtlich Teile der Äste eines Baums gekappt.

Ein Bagger kappt Äste mit seiner Baggerschaufel
Ein Bagger kappt Äste mit seiner Baggerschaufel, Screenshot: Facebook/Ralf Florian

Hoffnung keimte auf, als der Bagger wieder abgezogen wurde. Gegen 11 Uhr soll ein Mitarbeiter des Umweltamts, so Ralf Florian in einem auf Facebook veröffentlichten Video, versichert haben, dass die Bäume geschützt seien und bleiben dürfen. Doch gegen Mittag wurde ihm telefonisch erklärt, dass die Rechtslage eine andere sei. „Der Kampf geht weiter“, gibt sich Florian kämpferisch. Schaffen es die Bäume bis in den März, ist zumindest diese „Schlacht“ gewonnen.

Bei Protest kommt die Kettensäge auch zu ungewöhnlichen Zeiten

Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass von Seiten der Stadtverwaltung auch zu ungewöhnlichen Zeiten oder sehr kurzfristig gefällt wird, sobald Proteste der Bürger drohen.
So wurden für das „Baulos 2“ zwei Bäume am Neumarkt kurz nach Mitternacht gefällt, ein weiterer Baum, der dem Ausbau der Bramscher Straße für den Busverkehr im Wege stand, wurde umgehend nach Bekanntgabe der Kettensägen-Pläne „auf Vorrat“ gefällt.

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