Glaubt man den Bekundungen der Osnabrücker Regenbogenpolitiker, dann wären am Neumarkt längst die Bagger angerückt. Nein, eigentlich hätte das von einem französischen Konzern immer wieder versprochene aber bislang nicht einmal im Ansatz in Angriff genommene Einkaufszentrum „Oskar“, schon längst seine Türen geöffnet.

Dass am Donnerstagabend nur wenige Politiker und kein führender Verwaltungsmitarbeiter unter den mehr als 100 Besuchern einer Veranstaltung in den Räumen der Neuen Osnabrücker Zeitung auszumachen waren, darf angesichts der Vorgeschichte wohl als gutes Zeichen gewertet werden.

Architekt Bernd Dälken, der zusammen mit seinem Standeskollegen Stephan Zech, eine Alternativplanung für Osnabrücks Problemplatz vorstellte, brachte die Initiative auf den Punkt, sie sei ein „Plädoyer gegen den Stillstand“.
Ähnlich argumentierte auch Reinhard Richter, um den sich eine Gruppe von 40 Freiwilligen gefunden hat, die einen „Plan B“ entwickelten, der nicht mehr auf großflächigen Einzelhandel setzt, sondern auf eine Durchmischen von Wohnen, Arbeiten, Gastronomie, Lehre und (eher kleinteiligen) Einzelhandel.

Wohnen, Lernen, Arbeiten, Einkaufen

Insgesamt drei Konzepte wurden von der „Richter-Initiative“ an dem Abend präsentiert, die aber alle einer Prämisse folgten: Wenn das ehemalige Kachelhaus und das Wöhrl-Haus fallen, soll dort neues urbanes Leben entstehen und kein Shoppingcenter, das auf Kosten anderer Stadtteile existiert und nach Ladenschluss seine Funktion verliert. Vielmehr sollen in unterschiedlichen Gebäuden in den oberen Stockwerken rund 200 Wohnungen entstehen. Während auf der Erdgeschossebene kleine Läden auch für neue Konzepte und Jungunternehmen offen sind. Neben Dienstleistungsbetrieben sollen in den Büroflächen auch Arztpraxen zentrumsnah eine Heimat finden, und durchaus auch mit dem Auto erreicht werden. Ein Parkhaus wird ausdrücklich eingeplant, sollte aber – so die Planer – so geplant werden, dass es nachträglich auch zu Büro- oder Wohnflächen umgebaut werden kann.

Eine „Neue Bibliothek“ und die Karmann-Sammlung

Mit der Universität könnte ein Nutzer Einzug in das neue Quartier finden, der für qualitativ hochwertige Frequenz sorgt. Aber auch dem Bürger würde ein neues Angebot gemacht werden. Gedacht ist an eine „Neue Stadtbibliothek“, die mehr sein soll als eine Aufbewahrungsstation für Leihbücher. Hier soll es Platz für kulturellen Austausch und gemeinsames Lernen geben.
Schließlich könnte auch die ehemalige Karmann-Autosammlung [was noch davon vorhanden ist, Anmerkung der Redaktion] in der Innenstadt eine neue Heimat finden und zur Attraktivität des Standorts beitragen.

Den Status Quo der Verkehrsplanung wollte man ausdrücklich nicht neu planen oder bewerten, betonte Reinhard-Richter, doch mit Thomas Polewsky holte man einen rührigen Streiter auf die Bühne. Polewsky schaffte es kurzzeitig mit seiner bekannten Forderung nach einer Stadtbahn und einem Monolog über das Abgasverhalten moderner PKW, den Pfad der zielführenden Diskussion zu verlassen und provozierte Gegenreden aus dem Publikum.

Finanzierung noch offen

Wie das alles finanziert werden soll, vor allem aber, wie man den auf Tauchstation gegangenen Investor Unibail-Rodamco entweder begeistern oder für einen Verkauf seiner Schrottimmobilien bewegen könnte, bleibt weiterhin offen.
Mit einem lediglich gemittelten Quadratmeter-Mietpreis von 19 Euro in der Kalkulation und der von keinem aktuellen Bebauungsplan gestützten Idee, mehr vermarktbare Fläche durch mehr Geschossflächen zu schaffen, sind offenbar noch einige Feinplanungen offen, die auch politisch noch für viel Arbeit sorgen werden.
Sollte der französische Investor tatsächlich den Weg frei machen für den Plan B, stehen noch große Aufgaben bevor.