Foto (v.l.n.r.): Dieter Przygoder, Susanne Reinberg, Raul Reinberg, Iris Sowada, Ronny Reinberg und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert

Mit den sechs neuen Steinen gibt es in Osnabrück jetzt schon 290 Stolpersteine. Ins Leben gerufen wurde das Projekt „Stolpersteine“ bereits Mitte der 1990er vom Kölner Künstler Gunter Demnig. Mittlerweile erinnern die Steine europaweit an die Opfer des Nationalsozialismus.

Mit den heutigen (22. August) Verlegungen wird an sechs Opfer in Osnabrück erinnert. Am Wulfekamp 17 wurde ein Stolperstein für Annette Garnerus verlegt. Garnerus wurde im Sommer 1941 in der Psychiatrieeinrichtung und Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Die Patenschaft für diesen Stein übernehmen Giesela Brandes-Steggewentz und Heidi Reichinnek. Für den als „homosexuell“ stigmatisierten Wilhelm Franz Niemann wurde ein Stein an der Marienstraße 11 verlegt. Niemann wurde am 7. Juli 1944 in der Gaskammer von Hartheim ermordet. Pate des Steins ist der Verein Schlau Osnabrück.

Angehörige reisten für Verlegung der Stolpersteine aus Israel an

In Anwesenheit von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert wurden an der Krahnstraße 1 – 2 vier Stolpersteine für die jüdische Familie Meyer verlegt. Angestoßen wurde die Verlegung der Steine für Familie Meyer von den Angehörigen, die auch zur Verlegung aus Israel anreisten. „Es ist immer wichtig daran zu erinnern, dass einzelne Schicksale von Familien hinter den Stolpersteinen stecken“, erklärt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. „Durch die Anwesenheit der Familie bekommen die Steine Gesichter.“

Stolpersteine
Die Stolpersteine für Familie Meyer

Flucht nach Argentinien

Nachdem seine vorherige Arbeitsstätte „arisiert“ wurde und auch sein ehemaliger Arbeitgeber sich ins Ausland absetzte, floh Carl Meyer 1936 zunächst alleine nach Argentinien. Seine Frau Clara Meyer und die beiden Töchter Ingeborg und Helga sind ihm 1937 gefolgt. Raul Reinberg, Sohn von Helga Meyer, verfasste einen Text über seine Mutter, den sein Sohn Ronny Reinberg vortrug.

Sehnsucht nach der Heimat der Kindheit

„Meine Mutter vermisste Deutschland und macht nie den deutschen Bürgern einen Vorwurf, sondern nur der Regierung“ heißt es darin. „Helga war die beste Mutter und die beste Großmutter die unsere Familie hätte haben können“, ergänzt Susanne Reinberg, Ehefrau von Raul Reinberg. Die Patenschaft für die Stolpersteine der Familie Meyer übernahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Digitalredaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung, Matthias Lauxtermann, Jessica Wienecke und Axel van Lil.