# Musical „Priscilla“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg ist wie ein schillerndes Roadmovie Datum: 23.06.2025 12:16 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/musical-priscilla-bei-den-freilichtspielen-tecklenburg-ist-wie-ein-schillerndes-roadmovie-607249/ --- Was braucht es für einen unvergesslichen Musicalabend? Herz, Humor, große Stimmen – und manchmal eben auch einen Bus, der durch die australische Wüste rollt. Die Freilichtspiele Tecklenburg haben sich mit ihrer Sommerproduktion „Priscilla – Königin der Wüste“ ein wahres Spektakel vorgenommen. Und sie liefern – mit Stil, mit Seele und mit einer Botschaft, die aktueller nicht sein könnte. ## Vom Kultfilm auf die Musicalbühne Basierend auf Stephan Elliotts gleichnamigem Kultfilm, erzählt das Musical die Reise dreier Drag-Performer auf der Suche nach Zugehörigkeit, Identität und einem Ort, an dem sie einfach sie selbst sein dürfen. Regisseur Ulrich Wiggers gelingt es, diese Reise nicht einfach als grelles Show-Feuerwerk zu inszenieren, sondern als zutiefst menschliche Geschichte über Mut, Freundschaft und Selbstannahme. Im Zentrum stehen drei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die dennoch auf magische Weise zusammenfinden. Adrian Becker zeigt als Tick/Mitzi die Zerreißprobe zwischen Vaterrolle und Selbstverwirklichung mit starker stimmlicher Präsenz. Tobias Bieri besticht als Adam/Felicia mit frechem Charme und explosiver Energie, berührt aber ebenso in den stillen Momenten. Und dann ist da Gerben Grimmius als Bernadette – eine darstellerische Entdeckung. Mit Würde und Witz führt er das Publikum durch Schmerz und Stolz einer queeren Lebensgeschichte. Tobias Bieri als bunt gefiederter Adam. / Foto: kulturfeder.de ### Emotionale Ehrlichkeit Dass Wiggers nicht auf plumpe Effekte setzt, sondern seine Inszenierung in emotionale Ehrlichkeit taucht, zeigt sich etwa in der originellen Darstellung der Diven: Sie erscheinen als glamouröse innere Stimmen der Protagonisten – nicht nur musikalisch ein Genuss, sondern auch ein cleveres Regiekonzept. Auch die australischen Tierfiguren, die als Kulissenschieber durch die Szenen wandern, tragen zur besonderen Erzählweise bei. Musikalisch unter der Leitung von Giorgio Radoja zündet „Priscilla“ ein mitreißendes Hit-Feuerwerk von „It’s raining Men“ bis „I will survive“. Doch auch hier geht es nicht um bloße Revue. Francesc Abós‘ Choreografie erzählt mit jedem Schritt, jeder Pose eine Geschichte – manchmal melancholisch, immer präzise. Starke Leistung: Gerben Grimmius als Bernadette. / Foto: kulturfeder.de ### Herausragende Ausstattung Ein weiteres Highlight ist die Ausstattung: Das Bühnenbild von Jens Janke mit seiner abstrakten Wüstenlandschaft und Anleihen an Pop-Art und Aborigine-Kunst schafft Raum für Poesie und Kontraste. Der Bus – halboffen, fahrbar, wandelbar – wird zum Herzstück der Inszenierung. Die Kostüme von Fabienne Ank schließlich sind mehr als glitzernde Verkleidung: Sie sind Statements, Erzählungen, kleine Kunstwerke, die Identität feiern. Auch die Nebenrollen tragen entscheidend zur Inszenierung bei: Benjamin Eberling überzeugt als warmherziger Bob, Gülfidan Söylemez (aus Georgsmarienhütte!) bringt als Marion Bodenhaftung ins Glitzerreich, Esther Larissa Lach reißt das Publikum als Shirley mit ihrer starken Stimme mit. Am Ende bleibt der Applaus lange stehen. Und mit ihm die Erkenntnis: „Priscilla“ ist nicht nur bunt, laut und voller Lebensfreude – es ist wie ein schillerndes Roadmovie und ein bewegendes Plädoyer für Toleranz, Vielfalt und das Recht, anders zu sein. Sehenswert! --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück