Aktuell Mösers Meinung - zum Thema "Strafe"

Mösers Meinung – zum Thema „Strafe“

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Guten Abend,

ich hoffe, alles ist gut! Strafe muß sein. Ich habe falsch geparkt, gedankenverloren im vorweihnachtlichen Trubel. In der Johannisstraße hat man mich erwischt. Ich wollte nur schnell etwas erledigen, aber in meinem Alter ist „schnell“ eine eher vage Größe, etwas Unberechenbares, mehr Hoffnung als Gewißheit. Und dann war es passiert. Ich war wohl wieder mal zu langsam, ich hätte einen Parkschein lösen müssen, ich hätte nicht einfach mein Auto sorglos abstellen dürfen, egal wie eilig ich es auch hatte. Ich habe eine Ordnungswidrigkeit begangen. Und die Strafe folgte auf dem Fuß. Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde das Osnabrücker Ordnungsamt, speziell die Abteilung für den ruhenden Verkehr, heute noch Sonderschichten einlegen und fleißig Strafzettel verteilen, damit bloß niemand auf die Idee kommt, er könnte einfach mal so wilde Sau spielen und parken, wie er es für richtig hält. Ich habe gedacht, daß die Jungs und Mädels vom OS-Team vielleicht mal ein Auge zudrücken, wenn sie einen alten Mann sehen, der unter Zeitdruck steht und die Kontrolle über sein Leben, über die gesellschaftlichen Spielregeln, über seine Vorbildfunktion als leuchtendes Beispiel für die Menschheit verliert. Leider haben sie das nicht getan. 20 € soll der Spaß kosten, dieser Moment der Unkonzentriertheit, dieser offensichtliche Regelbruch, dieses fast schon revolutionäre Aufbegehren gegen die Allmacht des Staates. Das kann, darf und will das OS-Team natürlich nicht dulden. Ich habe Verständnis dafür und akzeptiere schweren Herzens die Strafe. Nun wird in der Weihnachtszeit meine ohnehin schon karge Rente noch ein wenig dürftiger ausfallen. Ich habe es nicht anders verdient. Strafe muß sein!

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Moeser

Was ich nicht so recht verstehen und akzeptieren kann, das ist der Umgang der ARD, diese so sehr um das Staatswohl bemühten öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, mit dem Sänger Xavier Naidoo. Wofür hat man ihn denn jetzt abgestraft? Erst wurde er mit großem Tamtam und Getöse als die neue Hoffnung für Deutschland beim Eurovision Song Contest angekündigt, dann ließen ihn die Verantwortlichen beim NDR wie eine heiße Kartoffel fallen. Was hat er bloß angestellt? Hat er zu oft falsch geparkt? Hat er einen Journalisten verprügelt? Kokain genommen oder Sex mit Prostituierten gehabt? Nein, er hat etwas viel Schlimmeres getan. Er hat etwas Falsches gesagt. Etwas, daß anderen Menschen nicht gepaßt hat. Er hat über die USA geschimpft, er hat Deutschland als einen Staat bezeichnet, der nicht souverän ist. Er hat sich bei einer Gruppierung auf die Bühne gestellt, die in der Öffentlichkeit zwar völlig unbekannt ist, die aber plötzlich zu einer Gefahr für die Demokratie hochstilisiert wird. Seien wir ehrlich, wem von uns sind denn diese ominösen „Reichsbürger“ ein Begriff?! Mag sein, daß Xavier Naidoo Blödsinn geredet hat. Aber das ist nicht verboten und passiert in diesem Land täglich viele Millionen mal. Kann auch gut sein, daß er sich die falschen Freunde ausgesucht hat. Aber letzlich hat er nichts anderes getan, als seine Meinung zu äußern. Er hat von einem der wichtigsten Grundrechte in diesem Land Gebrauch gemacht. Er hat niemanden beleidigt, diskriminiert oder verletzt. Er hat nur seine Meinung gesagt. Nicht mehr und nicht weniger.

Doch das hat ausgereicht, um ihn als Kandidaten für den ESC unmöglich zu machen. Man mag ja über den nach Bekanntgabe der Nominierung Naidoos für den ESC einsetzenden Shitstorm im Internet denken, was man will. Man mag den Kopf schütteln über die Begeisterung, mit der Leute, die des Lesens und Schreibens kaum mächtig sind, kübelweise Mist über einen wirklich guten Sänger ausschütten. Aber daß eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die irgendwie auch unseren Staat repräsentiert, aufgrund von Haßtiraden und haltlosen Vorwürfen einen Menschen einfach so fallen läßt und zum Abschuß freigibt, das macht mich fassungslos. Wovor hat der NDR Angst? Was ist das für ein Land geworden, in dem man Menschen in Nullkommanichts fertigmachen kann, in dem man sie der Lächerlichkeit preisgibt, sie unmöglich macht und sich anschließend auch noch darüber freut? Wie weit ist es mit uns gekommen? Ich werde zu Xavier Naidoo halten. Schon aus Gründen des Selbstschutzes. Denn vielleicht bin ich ja der Nächste, der auf der Abschussliste landet. Und vielleicht ist dann niemand mehr da, der ein gutes Wort für mich einlegt. Weil alle glauben, das wird schon so seine Richtigkeit haben. Strafe muß sein. Mir wird kalt! 

Ich wünsche allen Hasepost-Lesern ein schönes Wochenende und einen friedlichen ersten Advent.

Ihr

Justus Möser

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Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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