Mösers Meinung: Über den Wirtschaftsstandort Osnabrück

Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit inzwischen deutlich mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.

Guten Abend,

der Nordwesten Deutschlands ist geografisch gesehen eine 1a-Lage, sozusagen ein Sahnestück, nach dem man sich die Finger leckt. Allein die Autobahnverbindungen suchen europaweit ihresgleichen, mit der A1, der A30, der A31 und der A33 sind schnelle Verbindungen in alle Himmelsrichtungen geschaffen worden. Der Flughafen Münster-Osnabrück ist die Kirsche auf der Torte, die Grenznähe zu den Niederlanden tut ihr übriges. Beste Voraussetzungen also für erfolgreiches Wirtschaften in einer globalisierten Welt. Das bedeutendste Oberzentrum in dieser Region ist die alte Hanse- und Friedensstadt Osnabrück, 780 von Karl dem Großen gegründet, an der Landesgrenze zum bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen gelegen und als Pforte zur Norddeutschen Tiefebene quasi der Eingang zu Niedersachsen. Mehr Attraktivität geht kaum, aber im Rat der Stadt Osnabrück scheint der politische Wille zu fehlen, diese gewinnbringend zu vermarkten. Hier ist man zwar Universitätsstandort und Heimat des traditionsreichen Fußballvereins VfL Osnabrück, schafft es aber nicht einmal, die überschaubare Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer funktional zu gestalten und setzt stattdessen voll und ganz auf eine langfristige Positionierung als Fahrradstadt. Das mag für Beamte und Studenten, die nur zwischen Amtsstube, Hörsaal und Wohnung pendeln, sinnvoll erscheinen. Für viele andere Berufsgruppen, die oft weite Wege zu ihren Arbeitsplätzen zurücklegen müssen, kann das aber keine Lösung sein. Zudem schadet man mit der Fokussierung auf das Fahrrad als Allheilmittel für alle Verkehrsprobleme dem innerstädtischen Einzelhandel massiv.

In Osnabrück haben Grüne und SPD im Stadtrat die politische Mehrheit. In den Programmen dieser Parteien steht die Förderung der heimischen Wirtschaft nicht an erster Stelle. Sie ist aber unerlässlich, um das Leben der Bürger dieser Stadt auch in Zukunft erträglich zu gestalten. Wohlstand kommt nicht durch Fördergelder und die Verschwendung von Steuermitteln zustande. Wohlstand muß täglich neu erarbeitet werden. Osnabrück ist schon seit langem keine wohlhabende Stadt mehr. Der Schuldenstand ist bedenklich hoch, und es ist absehbar, daß er bei der aktuellen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Osnabrücks sehr schnell weiter steigen wird. Deshalb wäre es gut, wenn sich die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung wieder mehr um die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Osnabrück kümmern würden, anstatt ohnehin nicht vorhandenes Geld für Luxusfahrradwege und die Schaffung von sog. Sommerstraßen, in denen der Autoverkehr ausgesperrt wird, zu verjubeln. Die Bürger werden es ihnen danken.

Ihr

Justus Möser

Diese Kolumne erschien erstmals in der gedruckten Ausgabe der HASEPOST, Juli/2025.

Hier gibt es alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

 



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Justus Möser
Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?
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