Kolumne Mösers Meinung: Ich möchte gerne Nachtbürgermeister werden

Mösers Meinung: Ich möchte gerne Nachtbürgermeister werden

Kolumne

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Guten Abend,

New York hat ihn schon, Amsterdam, Zürich und London auch. Selbst das beschauliche Mannheim gönnt sich den Luxus – für schlappe 1.200 € im Monat. Die Rede ist natürlich vom Nachtbürgermeister, welcher ein Bindeglied zwischen Clubbesitzern, Feierwütigen, Politik, Verwaltung und betroffenen Anwohnern sein soll. Monatliche Arbeitszeit (zumindest in Mannheim) 50 Stunden, was einen Stundenlohn von immerhin 24 € bedeutet und damit fast 200% über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.

In Mannheim hat der Nachtbürgermeister in seinem ersten Amtsjahr angeregt, in der Nähe von Gaststätten sogenannte Pfandkörbe aufzustellen, damit die Leute ihre leeren Bier- und Schnapsflaschen nicht einfach auf die Straße schmeißen und unnötig Scherben produzieren. Ob sein Vorschlag umgesetzt wurde, ist mir leider nicht bekannt. Ansonsten hatte er nicht viel vorzuweisen, was ich etwas bedauerlich finde. Für ein jährliches Salär von 14.400 € würde ich die Osnabrücker Nachtszene so richtig schön aufmischen. Pfandkörbe wären mir mehr oder weniger egal, weil ich nicht glaube, daß angetrunkene Menschen sich viele Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns machen. Ich würde die Bürger vor allem auffordern, mal wieder zu später Stunde vor die Tür zu gehen und die Sau rauszulassen. Denn außer an den einschlägigen Orten wie Redlinger- und Hasestraße sowie rund um den alten Güterbahnhof ist in Osnabrück doch gar nichts los.

Um für meine Daseinsberechtigung zu sorgen, sollte auch in der Woche öfter Party gemacht werden, koste es, was es wolle. Der Bürger darf die Straße nicht nur den Autofahrern und Klimademonstranten überlassen, er muss sich seinen öffentlichen Raum durch exzessives Feiern bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zurückerobern. Und wenn er meiner Anordnung nicht unverzüglich Folge leistet, dann werde ich kraft meines Amtes die notwendigen Anordnungen erlassen, um notfalls per Gesetz für ordentlich Stimmung zu sorgen. Man muss die Leute manchmal eben zu ihrem Glück zwingen. Und ich möchte mir am Ende meiner Amtszeit nicht nachsagen lassen, daß ich ein schlechter Nachtbürgermeister gewesen wäre. Da die Osnabrücker Sozialdemokraten die unverzügliche Einführung eben dieses Amtes in der Hasemetropole gefordert haben, möchte ich mich auf diesem Wege für den Job des Nachtbürgermeisters bewerben. Von notwendigen Qualifikationen war in der Forderung nicht die Rede, und so mache ich mir durchaus berechtigte Hoffnungen auf meine baldige Ernennung. Eine meiner ersten Amtshandlungen wäre die sofortige Abschaffung des Ordnungsamtes. Deren Arbeit würde ich gerne übernehmen, die ehemaligen Mitarbeiter wären dann meine Lakaien und Claqeure. Niemand müsste auf der Straße landen und das Ausstellen von Strafzetteln für falsches Parken würde bald schon als Relikt einer fernen dunklen Vergangenheit gelten. Das Leben könnte so schön sein. Fast gerate ich in Versuchung, auf meine alten Tage wieder Sozialdemokrat zu werden. Obwohl ich finde, daß die Sozialdemokratie wichtigeres zu tun hat, als einen Nachtbürgermeister zu fordern. Zum Beispiel den Alltag der Menschen zu verbessern. 

Ich wünsche allen HASEPOST-LESERN einen Sonntagabend, an dem es nichts zu mösern gibt.

Ihr

Justus Möser

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Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Wem er hier bei uns die Feder führt? Das verraten wir nicht. Nur so viel: Es ist jemand, der sonst nicht für uns schreibt und vielen in der Stadt in ganz anderer Weise bekannt sein dürfte.

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