Guten Abend,

ich möchte Ihnen, geehrte HASEPOST-Leserinnen und -Leser, gerne freie Weihnachten wünschen. Ein paar festliche Tage frei von Ängsten und Sorgen, von finanziellen Nöten, frei von aller Bedrängnis durch Banken, Finanzämter und Gerichtsvollzieher. Frei von jeglichen Süchten, die uns den Alltag oft leichter und einfacher erscheinen lassen und ihn doch nur noch komplizierter und unerträglicher machen, als er ohnehin schon ist, frei von allen Verpflichtungen, die uns oft in den wichtigen und bedeutsamen Entscheidungen einengen und doch unser Leben bestimmen. Ich wünsche Ihnen zu Weihnachten ganz viel Freiheit. Freiheit in all ihren Nuancen, in all ihren schönen Farben und Erscheinungsformen. Nehmen Sie sich bitte soviel Freiheit, wie sie können, denn wer kann schon genau sagen, wie lange es sie noch gibt.

Ich habe mir die Freiheit genommen, an einem verregneten Dezemberabend mit meinem Hund einen ausgedehnten Spaziergang durch die Gartlage zu unternehmen. Wir wollten ein frisch fertiggestelltes Teilstück des Radschnellweges zwischen Osnabrück und Belm bestaunen, dieses Jahrhundertbauwerks der neuen Mobilitätsoffensive, dieser steingewordenen Werbung für den Umstieg vom Gas- auf das Tretpedal. Leider goß es in Strömen und so mussten mein Hund und ich verwundert feststellen, daß es sich in Osnabrück wohl noch nicht herumgesprochen hat, wie leicht der Verzicht aufs Auto den hiesigen Bürgern mittlerweile gemacht wird. Kein einziges Fahrrad kreuzte unseren Weg, wie verwaist lag die gesamte Schlachthofstraße vor uns, nur ein motorisierter Transporter mit einem Werbeanhänger des Weihnachtscircus Roncalli kam uns in einem Zeitraum von immerhin mehr als einer Stunde entgegen. So konnten wir zwei uns die Freiheit nehmen, die frisch fertiggestellte Straße mit dem überdimensionierten Radweg nach vieljähriger Bauzeit ausgiebig unter die Lupe zu nehmen. Fazit: Sie macht einen guten Eindruck, die beauftragten Baufirmen haben ganze Arbeit geleistet. Jetzt fehlen nur noch die Radfahrer. Vielleicht tauchen sie ja im Sommer auf, wenn das Wetter schöner wird.

Vielleicht waren wir in Deutschland nie freier als in den ersten Wochen des zu Ende gehenden Jahres, als sich abzeichnete, daß es bis hin zur Bildung einer arbeitsfähigen Bundesregierung wohl noch ein Weilchen dauern würde. Ich habe seinerzeit niemanden getroffen, der darüber wirklich traurig war, auch wenn die damals geschäftsführend tätigen Politiker unter reger Zuhilfenahme der selbsternannten Leitmedien immer wieder darauf hinwiesen, wie wichtig eine stabile Regierung doch für dieses Land und die darin lebenden Menschen wären. Erinnern Sie sich noch an diese Zeit, als wir alle lediglich kommisarisch regiert wurden. Ein Hauch von Freiheit wehte durch die staatlichen Institutionen, der sich aber mit der Bildung einer weiteren sogenannten großen Koalition pünktlich zum Frühjahrsbeginn in Luft auflöste. Ich habe das damals sehr bedauert und mir gewünscht, daß die Regierungsbildung ewig dauern würde. Möglicherweise hätte sich dann in diesem Land wirklich einmal etwas geändert. Aber so wurde uns wieder einmal nur der sprichwörtliche alte Wein in neuen Schläuchen vorgesetzt und mit der Freiheit war es im wahrsten Sinne des Wortes Essig.


Und jetzt geht wieder ein Jahr in den Endspurt, jetzt beginnen die stillen Tage, die Zeit der Besinnlichkeit, das Fest der Liebe, Familie, Nähe, Geborgenheit. Und dann kommt Silvester und Neujahr und alles geht wieder von vorne los. Ich wünsche Ihnen deshalb nicht nur freie Weihnachten, sondern vor allem auch ein freies neues Jahr. Lassen Sie sich nicht mehr ein X für ein U vormachen, von niemandem, schon gar nicht von den amtlich bestellten Besserwissern. Und von denen scheint es in diesen Zeiten immer mehr zu geben. Na ja, es muss halt jeder sehen, wo er bleibt. Aber bitte nicht auf Kosten unserer Freiheit.

Bleiben Sie deshalb wachsam und stark und nehmen Sie ihr Schicksal ruhig mal selber in die Hand. Es wird Zeit!

Ihr
Justus Möser

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