Aktuell Mösers Meinung: Es gibt keine Freiheit auf Abruf

Mösers Meinung: Es gibt keine Freiheit auf Abruf

Kolumne

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Guten Abend,

ich war dieser Tage zu Gast in einem Osnabrücker Schnellrestaurant. Am Nebentisch saßen zwei offensichtlich befreundete Ehepaare im fortgeschrittenen Alter. Sie warteten auf ihr Essen und unterhielten sich währenddessen angeregt über die aktuelle Lage in Deutschland. Die Quintessenz des lebhaften Gesprächs war, daß wir alle doch in den vergangenen Monaten reichlich Glück gehabt hätten, dank der diversen regierungsamtlichen Maßnahmen ziemlich unbeschadet aus der Corona-Pandemie herausgekommen zu sein. Zudem seien alle Leute, die heuer in den Urlaub fahren, nichts anderes als verantwortungslose Egoisten. Und zu guter Letzt wurde besonders von den anwesenden Damen die besonnene und kluge Führungsweise der amtierenden Bundeskanzlerin gelobt. Dann kam das Essen und die, ich möchte es vornehm ausdrücken, eher gutbürgerliche Unterhaltung fand ein jähes Ende.

Mir war mittlerweile der Appetit vergangen. Zum einen finde ich Loblieder auf eine amtierende Regierung von Seiten der Bürger immer ein wenig befremdlich. Die Beurteilung von Politikern sollte man generell den Historikern überlassen, ansonsten ist im Umgang mit den Verantwortlichen für die Gestaltung unserer Lebensumstände eher konstruktive Kritik anstelle von gedankenlosen Jubelorgien angebracht. Dafür gibt es schließlich die Tagesschau. Zum anderen steht es niemanden zu, seine Mitmenschen aufgrund ihrer Sehnsucht nach Urlaub und ein wenig Normalität zu verurteilen. Aber dieses unfreiwillig mitgehörte Gespräch von wahrscheinlich durch die deutsche Rentenkasse alimentierten älteren Leuten ist bezeichnend für die allgemeine Stimmung in diesem Land. Jedes Abweichen von dem von Merkel, Spahn und Konsorten vorgegebenen gewünschten Verhalten der Bevölkerung wird als fast schon asozial gebrandmarkt, als gefährliches Abweichen von einer angeblich existierenden gesellschaftlichen Norm, als Ausbruch aus dem Konsens der vernünftigen Menschen, die nach Ansicht der Regierung in diesem Land selbstredend die große Mehrheit stellen, in letzter Konsequenz als Gefährdung von Menschenleben. Da wird der ganz große Holzhammer herausgeholt, um Maßnahmen zu rechtfertigen, die seit einem halben Jahr unseren gewohnten Alltag brutal verändert haben. Die Grundlagen unseres Wohlstands wurden dabei mit wohlgesetzten Worten vernichtet, ohne die Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft zu bedenken. Unverzeihlich finde ich in diesem Zusammenhang den Frontalangriff auf die Freiheit des einzelnen, die Deutschland gerade nach den Erfahrungen im Nationalsozialismus wieder zu einem lebens- und liebenswerten Land gemacht haben. Politiker und die ihnen zuarbeitenden Beamten haben sich bei der Bekämpfung des Corona-Virus vor allem an den Maßnahmen in China orientiert, an einem Land, das seine Bürger massiv unterdrückt, in dem der Kommunismus in seiner ganzen unmenschlichen Ausprägung nach wie vor Staatsdoktrin ist und in dem jegliche Opposition rigoros unterbunden wird. Freiheit ist in China ein völliges Fremdwort. Wir sollten uns Gedanken machen, ob sich der chinesische Weg mit unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung verträgt. Freiheit ist ein viel zu wertvolles Gut, als das man es mal eben mit fadenscheinigen Begründungen außer Kraft setzt. Freiheit ist das größte Opfer, das die Menschen in der Corona-Pandemie gebracht haben. Hoffentlich holen wir sie uns zu gegebener Zeit zurück. Denn es gibt keine Freiheit auf Abruf.
Wenn die Freiheit einmal verschwunden ist, dann müssen wir sie uns neu erkämpfen. Unermüdlich und mit der ganzen Leidenschaft und Hingabe, die unser Menschsein auszeichnet.
Wir sollten schnellstmöglich damit anfangen!

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern einen Sonntagabend, an dem es nichts zu mösern gibt.

Ihr

Justus Möser

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Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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