KolumneMösers Meinung: Die Infantilisierung der Gesellschaft

Mösers Meinung: Die Infantilisierung der Gesellschaft

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Unser ältester Kollege meldet sich wieder zu Wort. Exakt 100 „Meinungen“ hat unser Kolumnist Justus seit 2015 für die HASEPOST geschrieben – hier ist Nummer 101. Wie immer mit Bezug zu aktuellen Geschehnissen in Osnabrück, Deutschland und ein wenig auch der Welt.

Hallöchen zusammen,

am Vorabend des Pfingstfestes ist mir so gar nicht nach feiern zumute. Auch glaube ich nicht, daß dieses Jahr der heilige Geist über die Menschheit kommen wird, um uns von allem Übel und Unheil zu erlösen. Ich entdecke vielmehr eine Beklommenheit in den Gedanken vieler Zeitgenossen, die mich darauf schließen lässt, daß sie der Überzeugung sind, das Ende der Welt stünde unmittelbar bevor. Was natürlich totaler Blödsinn ist. Eine sogenannte Klimakrise wird eilfertig und unbedacht herbeigeredet, etwas, was es in dieser Form eigentlich niemals geben kann. Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist. Als ich vor 300 Jahren auf die Welt kam, ging grade mal wieder eine kleine Eiszeit zu Ende und alle Welt freute sich darüber, daß es generell ein wenig wärmer wurde. Heute wird jeder Regenschauer als Vorbote nahenden Unheils angesehen und bei jedem Gewitter erreichen die Einträge bei Facebook Rekordzahlen. Mich erinnert diese Geisteshaltung an meine Kindheit, als mich meine Mutter bei Blitz und Donner ebenfalls immer beruhigen musste und mir mit einer Engelsgeduld versicherte, daß auch das größte Unwetter irgendwann ganz einfach vorbei geht. Diese simple Weisheit scheint heutzutage irgendwie aus der Mode gekommen zu sein; stattdessen werden Dank multipler medialer Unterstützung Weltuntergangsszenarien in unser Bewusstsein projiziert, die jeglicher Grundlage entbehren und einem Katastrophenblockbuster aus Hollywood zur Ehre gereichen würden. 

Was mich bei der ganzen Angelegenheit besonders wütend macht, sind die Trittbrettfahrer der herbeigeschwafelten Apokalypse, zum Beispiel der Baudezernent meiner Heimatstadt. Er nutzt die bundesweite Hysterie, um seinen persönlichen Fahrrad-Fetisch zu befriedigen. Wenn ich die dubiose Fahrradzählmaschine an der Schlachthofstraße sehe, dann bekomme ich doch erhebliche Zweifel ob der Geeignetheit und charakterlichen Reife des Osnabrücker Baudezernenten für dieses wichtige und sicherlich auch komplizierte Amt. Mit welch kindlicher Freude hat Frank Otte diese völlig sinnfreie Zählmaschine eingeweiht, mit infantilem Stolz durfte er sich dort als Nummer 1 verewigen [Anmerkung der Redaktion: Die bereits Wochen zuvor aufgestellte Anlage wurde dafür extra auf „0“ zurückgesetzt]. In einem Bereich unserer Stadt, in dem sich das Fahrradaufkommen nachweislich eher in Grenzen hält und in dem man das Steueraufkommen weitaus sinnvoller für die bessere Erreichbarkeit der KME-Zufahrt verwendet hätte, statt es mit kindlichem Vergnügen zu verprassen.

Aber hier wie dort sind diese zahlreichen unüberlegten Verhaltensweisen lediglich die Bestätigungen der fortschreitenden Infantilisierung unserer Gesellschaft. Ob Klimakrise oder Dämonisierung des Autoverkehrs: Wenn es dem Esel zu wohl wird, dann geht er auf’s Eis. Hoffentlich kommt er dort auch noch rechtzeitig runter, bevor er endgültig einbricht. In diesem Sinne wünsche ich allen HASEPOST-Lesern ein schönes Pfingstwochenende, an dem es nichts zu mösern gibt.

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

 

Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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