Osnabrück Mithelfen durch Zupacken - Agrar-Gewerkschaft IG BAU fordert zum...

Mithelfen durch Zupacken – Agrar-Gewerkschaft IG BAU fordert zum Ernten und Säen auf

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Erntehelfer dürfen einreisen, aber nur unter strengen Auflagen. Sie müssen nach ihrer Ankunft 14 Tage in Quarantäne verbingen und auch die Anzahl wurde reduziert; für April und Mai werde ein Kontingent von jeweils 40.000 Saisonarbeitern erlaubt. Nach Ansicht der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) brauchen regionale Bauern trotzdem Unterstützung.

Was auf den heimischen Feldern wächst, ist gefragte Ware in Osnabrück: „Regionale Produkte stehen ohnehin hoch im Kurs. Dazu kommt noch, dass während der Corona-Pandemie frisches Obst und Gemüse sowieso gut gehen – als Alternative zu den auf Vorrat gekauften Raviolidosen und Tütensuppen. Und natürlich als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie“, sagt Friedrich Pfohl von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Allerdings haben viele Landwirte in der Region ein Problem, das sich durch die Corona-Pandemie nochmals massiv verschärft: Es fehlen Helfer auf den Höfen. Saisonkräfte dürfen wegen der Corona-Pandemie nur unter bestimmten Voraussetzungen einreisen – zu wenige, um eine reibungslose Ernte zu garantieren. „Jetzt geht es darum, ein neues Wort zu entdecken: ‚Ernte-Solidarität‘. Wer aus Osnabrück zupacken kann, sollte das jetzt tun. Es ist eine Chance, nebenbei Geld zu verdienen und Zeit sinnvoll zu investieren. Spargel, Spinat, Porree – das April-Gemüse wartet nicht“, so Pfohl.

Von Osnabrückern für Osnabrücker

Dabei geht es nicht nur um die Ernte. Auch die Zeit für Pflanzen und Säen ist gekommen: Unter anderem Karotten, Blumenkohl, Radieschen, Zwiebeln, Kopfsalat, und Kohlrabi müssten jetzt auf die Felder. Im Mai nimmt die Arbeit für Pflanz- und Erntehelfer dann noch einmal zu. „Durch die Corona-Krise ist die Landwirtschaft auf etwas angewiesen, was es schon lange nicht mehr gab: Darauf, dass alle vor Ort mit anpacken. Auf ein ‚Pflanzen und Ernten – zu (fast) 100 Prozent made by Osnabrück‘“, sagt Pfohl von der IG BAU Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Allerdings dürfe das nicht um jeden Preis geschehen, warnt die Agrar-Gewerkschaft: Lohn und vor allem auch Hygienestandards seien wichtig. „Wer Schüler, Studenten oder Flüchtlinge für die Arbeit auf dem Feld anheuert, der muss sie auch fair bezahlen“, verlangt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Auch in der Landwirtschaft gelte der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde.

Geduld muss mitgebracht werden

Viele würden zunächst ohne Vorkenntnisse kommen, was die Arbeit in der Landwirtschaft angeht: „Laien werden die professionellen Handgriffe erst lernen müssen“, so der Gewerkschafter. Hier brauchten beide etwas Geduld – die Helfer, aber auch die Landwirte. „Schulen, Fachhochschulen und Unis, die geschlossen haben. Menschen in Kurzarbeit oder im Vorruhestand, die sich etwas hinzuverdienen wollen. Oder Beschäftigte, die schon ihre Kündigung bekommen haben. Und auch Geflüchtete, die ihre Chance sehen, an Arbeit zu kommen. – Die aktuelle Situation darf nicht dazu führen, dass Menschen bei der Erntearbeit auf den Feldern über den Tisch gezogen werden“, sagt Pfohl.

Wasser im Mobil-WC und Einzelzimmer zur Unterbringung

Neben der Bezahlung ist auch die Hygiene bei der Arbeit auf den Feldern wichtig – sogar das A und O: Es kommt darauf an, auch draußen regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren sicherzustellen. „Das bedeutet, dass die Toilette am Feldrand einen Wasseranschluss braucht. Das sonst übliche Mobil-WC reicht hier nicht. Denn ohne Wasser – kein Händewaschen“, macht Friedrich Pfohl deutlich. Wenn Pflanz- und Erntehelfer in Unterkünften untergebracht werden, dann seien dabei Einzelzimmer notwendig. „Die Corona-Pandemie bedeutet das Aus der sonst üblichen Sammelunterkünfte. Denn dort gilt das gleiche wie auf den Feldern: Der Abstand von mindestens 1,5 Metern ist Pflicht. Besser ist eine ganze Zollstocklänge: also 2 Meter Abstand vom Nebenmann“, erklärt der IG BAU-Bezirksvorsitzende. Zudem müssten Sozial- und Sanitärräume alle zwei Tage fachmännisch gereinigt werden.

Erntehelfer sollten am besten alleine zum Feld kommen

„Was auch tabu ist: die Sammelfahrt von Feld zu Feld. Neun-Mann-Bullis dürfen nicht mehr voll besetzt zum Einsatz kommen“, sagt Pfohl. Erntehelfer sollten möglichst alleine und mit dem eigenen Pkw, Motorroller oder Fahrrad zur Feldarbeit fahren. Dafür müsse ihnen der Landwirt eine Entschädigung bezahlen. „Die Corona-Gefahr lauert überall. Pflanz- und Erntehelfer dürfen das bei ihrem Einsatz unter freiem Himmel nicht vergessen. Es ist die Pflicht der Arbeitgeber, die Arbeitsplätze und Unterkünfte so einzurichten, dass die Hygienestandards einfach einzuhalten sind. Wer Fragen und Probleme hat, sollte sich an die IG BAU oder an das örtliche Gesundheitsamt wenden“, so Friedrich Pfohl. Wer sich aus Osnabrück als Pflanz- oder Erntehelfer bewerben möchte, findet Jobs und weitere Infos unter www.agrarjobboerse.de. Stellenangebote gibt es auch auf dem Portal „Das Land hilft“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium: www.das-land-hilft.de.


PM
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