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Mitbewohner im Drogenrausch erstochen – Landgericht Osnabrück verurteilt 33-Jährigen zu vier Jahre und sechs Monate Haft

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Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück verkündete am Donnerstag, dem 23. Juli 2020, ihr Urteil im Verfahren gegen einen 33 Jahre alten Mann. Ihm wurde vorgeworfen, im November 2019 seinen Mitbewohner im Zustand der Schuldunfähigkeit ermordet zu haben. Die Kammer verurteilte den Mann nun wegen Vollrauschs zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

Nach den Feststellungen der Kammer im heutigen Urteil konsumierte der Angeklagte am Tag der Tat, dem 14. November 2019, größere Mengen Drogen. Hierdurch geriet er in einen psychotischen Zustand, der zum Ausschluss der Einsichtsfähigkeit und damit zur Schuldunfähigkeit führte. In diesem Zustand tötete der damals 32-jährige Angeklagte grundlos seinen 41-jährigen Mitbewohner in der gemeinsamen Wohnung in Hasbergen mit zahlreichen Messerstichen.

Durch Drogenkonsum schuldunfähig

Aufgrund der Schuldunfähigkeit, die unter anderem durch ein psychiatrisches Gutachten festgestellten wurde, konnte der Angeklagte nach dem Gesetz für die Tötung des Mitbewohners nicht bestraft werden. Begeht jemand jedoch eine Straftat im Zustand der Schuldunfähigkeit, weil er zuvor Drogen oder Alkohol konsumiert hat, kann er für den Konsum der berauschenden Mittel mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Voraussetzung ist dabei, dass der Täter durch den Konsum der Rauschmittel den Zustand der Schuldunfähigkeit vorsätzlich oder fahrlässig herbeiführte. Das sah die Kammer in diesem Fall als gegeben an. Indem er Drogen in entsprechenden Mengen zu sich nahm, führte der Angeklagte den Vollrausch vorsätzlich herbei. Mit Blick insbesondere auf die Folgen des Rauschzustandes ist dafür eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren – und damit nur wenig unterhalb der gesetzlichen Höchststrafe von fünf Jahren – angemessen.

Unterbringung in Entziehungsanstalt

Neben der Haftstrafe ordnete die Kammer die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Nicht angeordnet wurde dagegen von der Kammer die ursprünglich in dem Verfahren geprüfte dauerhafte Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Einrichtung. Voraussetzung hierfür wäre, dass von einem Täter aufgrund einer dauerhaften psychischen Beeinträchtigung weitere erhebliche Straftaten zu erwarten sind. Dies verneinte ein psychiatrischer Gutachter in Bezug auf den Angeklagten. Der Sachverständige legte dar, dass der Angeklagte nicht generell psychisch erkrankt sei. Erst der Drogenkonsum hat eine temporäre psychische Störung ausgelöst. Es bildet somit die Drogenabhängigkeit des Angeklagten, nicht eine psychische Störung, den Grund für die Straffälligkeit. Diese sei in einer Entziehungsanstalt, nicht in einem psychiatrischen Krankenhaus zu behandeln. Dem folgte die Kammer im heutigen Urteil.

Urteil ist rechtskräftig

Mit ihrem Urteil entsprach die Kammer weitgehend den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Beide hatten eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gefordert. Die Verteidigung hatte ebenfalls die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gefordert, jedoch eine niedrigere Haftstrafe. Das Urteil ist rechtskräftig. Alle Beteiligten haben auf Rechtsmittel verzichtet.

PM
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