# Mehr Platz für Menschen: Warum Osnabrück den Fußverkehr neu denken muss Datum: 14.01.2026 06:30 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/mehr-platz-fuer-menschen-warum-osnabrueck-den-fussverkehr-neu-denken-muss-675646/ --- Gehen ist die ursprünglichste und zugleich klimafreundlichste Form der Mobilität. Trotzdem spielt der Fußverkehr in der kommunalen Verkehrspolitik oft nur eine Nebenrolle. Das soll sich in Osnabrück ändern. Mit einem umfassenden Forderungskatalog wenden sich Initiativen wie „zuFuß!“ und Engagierte nun an die politischen Parteien sowie an die Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat und die Oberbürgermeisterwahl im September 2026. Ziel ist es, dem Fußverkehr in den kommenden Jahren deutlich mehr Gewicht zu verleihen. ## Fußverkehr als politische Aufgabe Die Empfehlungen richten sich bewusst an die Kommunalpolitik. Sie sollen aufzeigen, wo aus Sicht der Initiatoren dringender Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen notwendig sind, um Osnabrück fußgängerfreundlicher zu machen. Der Appell ist klar: Der Fußverkehr braucht eine eigene, stadtweite Strategie, die nicht nur punktuelle Verbesserungen vorsieht, sondern langfristig gedacht ist. Dazu gehören auch klare Zuständigkeiten und entsprechende Fachkompetenzen innerhalb der Stadtverwaltung. ### Sichere Wege und barrierefreie Querungen Ein zentrales Anliegen ist ein durchgängiges, sicheres und attraktives Wegenetz für Zufußgehende. Gehwege sollen barrierefrei sein und einen problemlosen Umstieg auf Bus und Bahn ermöglichen. Querungen müssen übersichtlich gestaltet und in kurzen Abständen vorhanden sein. Besonders Ampelanlagen stehen in der Kritik: Sie müssen so geschaltet sein, dass Kinder, ältere Menschen und mobilitätseingeschränkte Personen ausreichend Zeit zum Überqueren der Straße haben. Bettelampeln gelten dabei als rückständig, da sie den Fußverkehr benachteiligen und zugleich Lärm- und Schadstoffbelastungen erhöhen. ### Öffentlicher Raum braucht Grün und Aufenthaltsqualität Neben der Sicherheit spielt auch die Aufenthaltsqualität eine wichtige Rolle. Gefordert werden sogenannte Grüne Finger in allen Straßen – also mehr Bäume, Entsiegelung und Begrünung. Diese sollen nicht nur das Stadtbild verbessern, sondern auch für kühlere Temperaturen und bessere Luft sorgen. Gerade in Zeiten zunehmender Hitze seien solche Maßnahmen Voraussetzung für einen gesunden Aufenthalt im öffentlichen Raum. ### Konflikte mit Rad- und Scooterverkehr entschärfen Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen ist die zunehmende Belastung von Gehwegen durch Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder und E-Scooter. Diese Entwicklung gefährde immer häufiger Fußgängerinnen und Fußgänger, insbesondere Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen. Die Initiatoren warnen zudem vor einer weiteren Verschärfung der Situation, sollte es zur geplanten Gleichstellung von E-Scootern mit Fahrrädern kommen. Die Lösung sehen sie in einer klaren Trennung der Verkehrsarten. Gemeinsame Geh- und Radwege sowie das Zusatzzeichen Radverkehr frei auf Gehwegen und in Fußgängerzonen sollen grundsätzlich vermieden werden. Alte Radwege auf Gehwegen, die heutigen Standards nicht mehr entsprechen, sollen wieder ausschließlich dem Fußverkehr vorbehalten sein. Für neue Planungen gilt aus ihrer Sicht ein klarer Grundsatz: Rad- und Scooterverkehr gehören auf die Fahrbahn. ### Feste Stationen und mehr Aufklärung Auch für gewerblich angebotene Leih-E-Scooter gibt es konkrete Forderungen. Statt willkürlich abgestellter Fahrzeuge im öffentlichen Raum sollen feste Sharing-Stationen eingerichtet werden. Ergänzend dazu wird eine stadtweite Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagne gefordert. Diese soll Radfahrende und E-Scooter-Nutzende stärker für Rücksichtnahme sensibilisieren und über ihre rechtlichen Pflichten informieren. ### Bewusstseinswandel dringend nötig Hintergrund der Forderungen ist eine Entwicklung, die über Jahre gewachsen ist. Die lange Duldung der Nutzung von Gehwegen und Aufenthaltsflächen durch Fahrräder und E-Scooter habe dazu geführt, dass ein Unrechtsbewusstsein weitgehend fehle. Häufig mangelt es an Verständnis für die Gefahren schnellen Fahrens, schwerer Fahrzeuge und hoher Geschwindigkeiten. Zufußgehende würden nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmende wahrgenommen, sondern als Hindernis. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück