Osnabrück Marburger Bund schlägt Alarm: Niedersachsens Ärtze sind am Limit!

Marburger Bund schlägt Alarm: Niedersachsens Ärtze sind am Limit!

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Der Marburger Bund warnt: Niedersachsens Ärzte sind überlastet, die Situation in vielen Kliniken gefährdet die Patientenversorgung. 17 Prozent der Mediziner sind so unzufrieden, dass sie erwägen ihren Beruf aufzugeben!

Wie sieht die aktuelle Arbeits- und Gesundheitssituation der angestellten Ärztinnen und Ärzte in unserem Bundesland aus? Der Marburger Bund Niedersachsen wollte es genau wissen und hat erstmals im Zuge der bundesweiten Mitgliederbefragung MB-Monitor 2019 auch eine Auswertung speziell für Niedersachsen beim Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) in Auftrag gegeben. An der Online-Befragung beteiligten sich im Herbst 2019 rund 6.500 angestellte Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland. Mehr als 1200 der Rückmeldungen kamen aus Niedersachsen, so viele wie aus keinem anderen Bundesland. Die gewonnenen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache:

Enorme Arbeisbelastung

Fast jeder Sechste der Befragten (59 %) arbeitet pro Woche 49 Stunden und mehr. An den Universitätskliniken leistet mehr als jeder Vierte (27 %) sogar über 60 Stunden die Woche. Die Diskrepanz zwischen tatsächlicher (durchschnittlich rund 51 Stunden) und präferierter (rund 39 Stunden) Arbeitszeit ist groß. In jeder vierten Klinik in Niedersachsen (25 %) findet kein Ausgleich der Überstunden statt, jede dritte Klinik (31 %) erfasst keine Arbeitszeiten. Die Arbeitsbelastung ist alarmierend: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 %) fühlt sich häufig bis ständig überlastet. Am stärksten betroffen: Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung (62 %). Lediglich jeder vierte Befragte aller beruflichen Positionen (27 %) gibt an, genügend auf die eigene Gesundheit zu achten. Ob Teilzeit oder Vollzeit macht hinsichtlich der empfundenen Belastung keinen relevanten Unterschied – diese wird als nahezu identisch wahrgenommen (empfundene Überlastung in Teilzeit: 50 %, in Vollzeit: 57 %). Ein Fünftel der Befragten (21 %) hat schon einmal eine Überlastungsanzeige gestellt, bei 88 Prozent hat sich daraufhin jedoch nichts verändert, beziehungsweise die Bedingungen wurden sogar schlimmer. Über 70 Prozent (71 %) bestätigen eine Beeinträchtigung der Gesundheit, so hinkt beispielsweise die Schlafqualität bei 60 Prozent.

7 von 10 Ärzten mit Arbeitsbedingungen unzufrieden

Berge an Überstunden, fehlende Pausen (62 % verzichten mehrmals die Woche darauf), zu wenig Zeit und Energie für das Privat- und Familienleben (dieses leidet bei 72 %) – die Unzufriedenheit ist groß: Sieben von zehn Ärztinnen und Ärzten (69 %) sind mit ihren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden, jeder Fünfte beurteilt sie sogar als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. 84 Prozent der Chefärzte sind unzufrieden. Knapp jeder Fünfte (17 %) erwägt, die ärztliche Tätigkeit ganz aufzugeben. „Es herrschen Arbeitsbedingungen, die diejenigen krank machen, die für andere da sein wollen. Das darf nicht sein. Hier besteht akuter Handlungsbedarf, es muss schnellstens etwas passieren. Wir brauchen dringend attraktivere Arbeitsbedingungen in Niedersachsens Krankenhäusern“, fordert der Landesvorsitzende Hans Martin Wollenberg, und ergänzt: „Landesweit fehlen mindestens 700 Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken – und hier sprechen wir nicht nur vom Mangel in ländlichen Regionen.“

Die Situation in Niedersachsens Kliniken gefährdet die Patientenversorgung.

In den einzelnen (!) Abteilungen sind bei rund 60 Prozent (59 %) der Befragten mindestens zwei Stellen im ärztlichen Dienst nicht besetzt. Bei fast 20 Prozent (17 %) sind sogar vier oder mehr Stellen offen. Ähnlich wie bei den Pflegekräften herrscht auch bei der Ärzteschaft massiver Personalmangel. In Niedersachsen mussten bereitsVersorgungsangebote eingeschränkt werden, Betten und Stationen zeitweise schließen. Überlastete Ärztinnen und Ärzte und zu wenig Zeit für zu viele Patienten bedeutetweniger Behandlungszeit. Oberflächlicheres Behandeln bzw. Abstriche bei der Arbeitsqualität drohen. „Würden Sie sich von einem Chirurgen operieren lassen, der bereits 16 Stunden durchgearbeitet hat? Ich würde das nicht tun,“ veranschaulicht der Vize-Vorsitzende Andreas Hammerschmidt die derzeitige Realität in den Kliniken. Aus dem Berateralltag der Juristinnen und Juristen im Landesverband berichtet er: „Unsere Spitzenreiter in Sachen Überstunden sind ein Oberarzt an einer Universitätsklinik mit 2000 Überstunden und eine Oberärztin ebenfalls an einer Universitätsklinik mit 1300 Überstunden. Die Liste ließe sich erschreckend lange fortführen.“

Zeitfresser Bürokratie: Die Patientinnen und Patienten kommen zu kurz.

Verschärft wird die ohnehin pikante Lage durch den Zeitaufwand für Verwaltungstätigkeiten und Organisation. Dieser ist laut dem MB-Monitor 2019 immens: Über die Hälfte der befragten Mitgliederinnen und Mitglieder (58 %) verbraucht hierfür mindestens 3 Stunden täglich, mehr als jeder Zehnte (13 %) 5 Stunden und mehr – Zeit, die „am Patienten“ fehlt. Über 60 Prozent (61 %) der Chefärztinnen und -ärzte sind jeden Tag vier oder mehr Stunden mit Verwaltung beschäftigt. „Wir fordern Entlastung, beispielsweise durch Personal, das Schreibarbeiten übernimmt, und eine breit angelegte Digitalisierungsstrategie. Unsere Ärztinnen und Ärzte brauchen Zeit für ihre ärztlichen Aufgaben! Und diese Zeit darf nicht mehr von der Bürokratie verschluckt werden.“, erläutert Wollenberg. Erfolgt derzeit ausreichend Entlastung durch nichtärztliches Fachpersonal? Über 70 Prozent (71 %) sagen „nein“. Drei von vier Ärztinnen und Ärzten (72 %) wünschen sich mehr Unterstützung durch Verwaltung/Sekretariat.


PM
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