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Man darf auch mal verlieren: Der VfL Osnabrück holt sich gegen den 1. FC Nürnberg eine bittere 1:4-Klatsche

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In einem Spiel, das man möglichst schnell vergessen sollte, holt sich der VfL gegen eine stark aufspielende Nürnberger Elf eine 1:4-Klatsche. Das Ärgerliche daran: Die Niederlage ist verdient, denn die Lila-Weißen boten ihre bislang schlechteste Saisonleistung und können nun am kommenden Freitag beim FC St. Pauli beweisen, dass der sechste Platz kein Zufall ist.

Erste Halbzeitgedanken schon vor dem Spiel …

… denn im Vorfeld der heutigen Partie glänzt die Violet Crew wie schon die beiden Jahre zuvor mit ihrer Weihnachtsspendenaktion und beweist einmal mehr, dass soziales Engagement fester Bestandteil ihres Verständnisses von gelebter Fankultur ist.

Spendenaktion 2020

Über den Fortschritt der Aktion werden wir weiter berichten.

Vor dem Spiel …

ist nur noch der VfL in der 2. Bundesliga ungeschlagen. Im gestrigen Sportclub gab es ein schönes Interview mit Daniel Thioune, der trotz momentaner Wachstumsschwierigkeiten gewohnt souverän und sympathisch Rede und Antwort stand.
Der VfL rutschte zwar nach den Partien am Wochenende auf den fünften Platz zurück, kann aber durch einen Sieg heute bis auf einen Punkt seinem alten Trainer auf die Pelle rücken.
Trainer Grote sprach auf der virtuellen Pressekonferenz am Freitag von einem starken Gegner, der über viel Tempo und individuelle Qualität verfüge und ein sehr gutes Umschaltspiel habe. Ansonsten wolle man natürlich gerne selbst Akzente setzen.
„Wir haben richtig Bock auf Nürnberg und sind sehr gut vorbereitet“, meinte Bryan Henning. Für allgemeine Erheiterung sorgte Susanne Fetter von der NOZ, als sie den Mittelfeldspieler treffend als „Duracell-Hasen“ des VfL-Spiels bezeichnete. Er scheint seine Batterien während der freien Tage und Länderspielpause jedenfalls wieder aufgeladen zu haben: Zwei Wochen Quarantäne und drei Spiele innerhalb von einer Woche danach hätten schon an den Kräften gezehrt, wobei sie auch während der Quarantäne gut beschäftigt gewesen seien. Dann fügte er hinzu: „Wir sind sehr gut vorbereitet.“
Das dürfte auch notwendig sein, denn die Bilanz gegen die Nürnberger sieht alles andere als rosig aus: Umso lieber erinnern wir uns an das Montagsspiel vom 16. April 2001, wo der VfL gegen den Tabellenführer und zukünftigen Meister Nürnberg durch ein Tor von „Sexmachine“ Wolle Schütte in der 90. Minute mit 2:1 gewann. In der 30. Minute flog damals Torwart Andy Köpke nach Handspiel außerhalb des 16er vom Platz. Sein Sohn Pascal steht heute in der Startelf der Clubberer.

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Beginn

Die Aufstellung bietet schon wegen des Fehlens von Christian Santos und Marc Heider nicht allzu viele Alternativen. Dass Multhaup für Ihorst in der Startelf steht, ist vielleicht nicht ganz erwartet.
Bei den Nürnbergern beginnen gegenüber dem 1:1 gegen Düsseldorf Hack für Dovedan und Geis für Nürnberger (der heißt nun mal wirklich so) in der Startelf.
Christian Santos tippte gerade ein 3:1 für den VfL.
Bei Temperaturen um 2 Grad haben die ganz in Lila spielenden Osnabrücker, die zunächst auf die Ostkurve zuspielen, wo ein großes Banner hinter dem Tor verkündet: „Für einen fairen Wettbewerb – TV-Gelder gerecht verteilen!“ Dem muss man nichts mehr hinzufügen.

Maurice Multhaupt im Zweikampf mit Fabian Nürnberger ( FC Nürnberg), Foto: imago images / Eibner
Maurice Multhaupt im Zweikampf mit Fabian Nürnberger ( FC Nürnberg), Foto: imago images / Eibner

Der VfL gerät früh unter Druck

Die erste Gelegenheit haben die Nürnberger schon in der 4. Minute, als Köpke wenige Meter vor Kühn auftaucht, doch der Osnabrücker Keeper verkürzt den Winkel und kann klären. Nur eine Minute später eine Flanke von Handwerker und Schäffler versenkt den Ball im Netz, stand aber recht klar im Abseits. Nürnberg ist in diesen Anfangsminuten die aktivere Mannschaft, bis der VfL in der neunten Minute mit einem 18-Meter-Schiuss von Ajdini ein erstes Zeichen setzt, der allerdings über das Tor geht. Kurz darauf muss Köpke ohne Fremdeinwirkung wegen einer Verletzung ausgewechselt werden und Nürnberger übernimmt seine Position.

Doppelschlag der Nürnberger mit Nachschlag

Nach gut 20 Minuten ist das Spiel zwar recht ausgeglichen, doch sind die Aktionen der Nürnberger zwingender. In der 25. Minute wird Valentini von Mühl mit einem langen Pass auf rechts eingesetzt, der flankt ungehindert in den Strafraum und dort steht dieses Mal Schäffler nicht im Abseits und kann zum 0:1 verwandeln.
In der 29. Minute dann das 0:2. Ajdini will den Ball zum Torwart zurückspielen, doch Nürnberger geht dazwischen und schiebt das Leder am machtlosen Kühn vorbei. Danach scheint Nürnberg einen Gang zurückzuschalten, aber der VfL findet einfach keinen Spielrhythmus.
In der 44. Minute dann sogar als Nachschlag das 0:3. Der VfL verliert den Ball an der Mittellinie. Geis schlägt einen langen Pass auf Schäffler, der direkt auf Lohkemper weiterleitet, der den Ball an Kühn vorbei ins Tor schiebt.

Etienne Amenyido verfolgt von Enrico Valentini (FC Nürnberg), Foto: imago images / foto2press
Etienne Amenyido verfolgt von Enrico Valentini (FC Nürnberg), Foto: imago images / foto2press

Halbzeitfazit

Die Führung der Nürnberger ist berechtigt, vielleicht ein Tor zu hoch. Der VfL kam bislang nie richtig ins Spiel und ließ sich von einer guten Nürnberger Mannschaft gnadenlos vorführen. Die Nürnberger sind schlicht und ergreifend das aktivere und bessere Team und verfügen mit Schäffler über den immer wieder vielbeschworenen Unterschiedsspieler, der vor zwei Wochen beim VfL noch Kerk hieß.

Tipp: Die Halbzeitgedanken sind eine Melange aus Hintergrundinformationen und Kommentaren, die von Spiel zu Spiel mit dem jeweiligen Gegner aktualisiert werden. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:
Der 1. FC Nürnberg wurde am 4. Mai 1900 gegründet, hat heute fast 24.000 Mitglieder und blickt auf eine bewegte 120-jährige Geschichte zurück.
Seine größten Erfolge feierte der Club in den 20er Jahren, während der fünf von insgesamt neun deutschen Meistertitel geholt wurden.
Bis in die 60er Jahre hinein gehörte der Verein ohne Abstriche zu den großen Clubs des deutschen Fußballs, was sich mit dem erstmaligen Abstieg aus der Bundesliga 1969 schlagartig änderte. Es folgte ein jahrzehntelanges Tief, das 1996 mit dem Abstieg in die Drittklassigkeit gipfelte.
Erst im neuen Jahrtausend fand der Verein zumindest ein wenig zu alter Stärke zurück und gewann 2007 sogar den DFB-Pokal. Danach ging es bis heute zwischen erster und zweiter Bundesliga ständig auf und ab.
Nürnberg hat 520.000 Einwohner und seit 1945 stellt die SPD – bis auf eine vierjährige Unterbrechung von 1998 bis 2002 – den Oberbürgermeister.

Nicht ganz abwegige Halbzeitgedanken:
Ja ja, das mit der letzten Fußballmeisterschaft der “Cluberer” ist schon lange her. Zum letzten Mal wurde der FCN 1968 unter Trainer Max Merkl deutscher Meister, in diesem kurzen Film überreicht der damalige Osnabrücker DFB-Präsident Herrmann Gösmann, der von 1934 bis 1951 bereits Präsident des VfL Osnabrück gewesen war, die Meisterschale.
Nun hatte Gösmann eine ähnlich zwiespältige Vergangenheit wie Nürnberg selbst, denn er war eher ein Früh-33er als ein Spät-68er, auch dazu findet man im Internet hinreichend Quellen. “Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande”, schrieb einst Ludwig Thoma 1901 vorausahnend im Simplicissimus.
Max Merkl, der gerne verbal austeilte, musste viel Wiener Schmäh über sich ergehen lassen, als er ein Jahr nach der deutschen Meisterschaft sang- und klanglos mit dem FCN aus der Bundesliga abstieg.

Bittere Nachgedanken:
Neben den Nürnberger Lebkuchen, Spielwaren, dem Christkindl-Markt und all den anderen schönen Dingen, die man heute mit Nürnberg in Verbindung bringt, begannen vor 75 Jahren und drei Tagen die Nürnberger Prozesse, die nicht ohne Grund in der „Stadt der Reichsparteitage stattfanden, einem der wichtigsten Zentren nationalsozialistischer Propaganda, von Leni Riefenstahl immer wieder germanisch-martialisch gruselig in Szene gesetzt.
Die Nürnberger Rassegesetze wurden am 15. September 1935 vom Reichstag auf dem 7. Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg beschlossen. 85 Jahre später sei an dieser Stelle noch einmal an die berührende Initiative der jüdischen Kantoristin Avitall Garstetter erinnert.
Und angesichts der aktuellen Entwicklung in Deutschland auch daran, dass die NSDAP 1928 gerade einmal 2,6 Prozent der Wählerstimmen hatte, die AfD heute schon ein Vielfaches davon, egal in welchem Bundesland.

Bittere Quergedanken:
Und nun fühlen sich einige querdenkende Egomanen und Wohlstandsinvaliden tatsächlich ans dritte Reich erinnert, labern vom Ermächtigungsgesetz, tragen Judensterne und vergleichen ihr grausames Schicksal, keine Party feiern zu dürfen, mit dem von Sophie Scholl oder Anne Frank. All das klingt völlig unglaublich und abscheulich, doch Sarah Bosetti hat selbst für diese historisch wie histrionisch gestörten Persönlichkeiten ein paar grundsätzliche wie gruselige Lebenstipps parat. Unbedingt ansehen, sehr empfehlenswert!

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Der VfL wechselt zur zweiten Hälfte

Gleich drei Wechsel beim VfL: Wolze kommt für Reichel, Ihorst für Multhaup und Schmidt für Henning. Offenbar will sich Trainer Grote noch nicht geschlagen geben und mit diesen Auswechslungen ein Zeichen setzen. Tatsächlich kommt der VfL nun etwas besser ins Spiel, das in dieser Phase allerdings nicht sehr attraktiv ist, aber wen stört das schon bei diesem Spielstand?

Nach einer Stunde Spielzeit …

… kommt Blacha für Reis aufs Feld. Der VfL ist zwar stets bemüht, aber die Aktionen der Nürnberger wirken konsequenter. Mitte der zweiten Halbzeit gab es auf beiden Seiten bislang keine zwingende Torchance. In der 70. Minute zieht Geis einen Freistoß in den Strafraum, Schäffler köpft auf Lohkemper, der flankt den Ball in den Fünfmeterraum und dort steht wieder Schäffler bereit, um einzunetzen. Das Spiel ist gelaufen. In der 90. Minute gibt es zwar einen Elfmeter für den VfL, weil Mathenia Blacha gelegt haben soll, doch ändert das im Grunde nur noch etwas am Ergebnis,  denn Kerk verwandelt in gewohnt routinierter Manier.

Fazit

Der VfL verliert verdient gegen eine starke Nürnberger Mannschaft. Solche Spiele sollte man rasch vergessen, denn tatsächlich steht der VfL nach dieser Niederlage immerhin auf dem sechsten Platz und kann nun am kommenden Freitag beim FC St. Pauli beweisen, dass das kein Zufall ist.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer wie immer: keine, bis auf ein paar “Offizielle” und Medienvertreter

Tore:
0:1 Schäffler (25.)
0:2 Nürnberger (29.)
0:3 Lohkemper (43.)
0:4 Schäffler (71.)
1:4 Kerk (90. – Foulelfmeter)

Gelbe Karten:
(45.) Trapp
(55.) Amenyido
(55.) Sörensen
(75.) Krauß

VfL Osnabrück:
Kühn – Ajdini, Beermann, Trapp, Reichel (46. Wolze) – Taffertshofer – Reis (59. Blacha), Kerk, Henning (46. Schmidt) – Multhaup (46. Ihorst), Amenyido (76. Köhler)
Trainer: 
Marco Grote

FCN:
Mathenia – Valentini (82. Sorg), Mühl, Sörensen, Handwerker – Lohkemper (72. Schleusener), Krauß (82. Behrens), Geis, Hack – Köpke (12. Nürnberger), Schäffler (82. Dovedan)
Trainer: Robert Klauß

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Statistik: Insgesamt trafen die beiden Clubs nun dreizehnmal aufeinander, neunmal in der 2. Bundesliga und viermal im Pokal.
Dabei gab es nur zwei Siege für den VfL und ein Unentschieden. Hier geht es wie immer zur kompletten Statistik von “fussballdaten.de“.

Tabellarisches

Vor diesem Spiel stand der VfL mit einer Durchschnittsnote von 3,04 zurecht auf dem zweiten Platz der Kicker-Formtabelle, die Nürnberger mit 3,63 auf dem Platz 14. Tatsächlich spielte der VfL als Zweiter des siebten Spieltags gegen den Drittletzten aus Nürnberg.

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Die aktuelle Tabelle:

Titelfoto: Philipp Kühn nach 0:3 Gegentreffer, Foto: imago images / foto2press

 


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Kalla saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war.
Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär.
Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit “Der VfL in der Saison 2019/20” hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Buchautor sowie als Kabarettist und Musiker.


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