Als einzige „Modellregion“ wird Osnabrück unter dem Projektnamen „Wirtschaftsförderung 4.0“ zum lebendigen Labor. In Kooperation mit dem Wuppertal Institut für Klima möchte die Stadt Osnabrück regionale Wirtschaftsformen stärker unterstützen und setzt dabei auf strategische Steuerung zur lokalen Unternehmensförderung.

Regionale Wertschöpfung ist das Stichwort

Beim Thema Wirtschaft denken die Menschen üblicherweise an den Handel mit Geld. Aber „Wirtschaft ist nicht nur Geldwirtschaft, sondern kann auch den Handel von Ware gegen Dienstleistungen, oder Unternehmensförderung bedeuten“, erklärt Dr. Michael Kopatz, Projektleiter beim Wuppertal Institut sowie Mitglied im Stadtrat Osnabrück (Grüne). Durch die Stärkung regionaler Initiativen und Betriebe wird das Profil Osnabrücks als Wirtschaftsstandort verbessert, was ein Teil des Ziels des Projekts Wirtschaftsförderung 4.0 darstellt. Kopatz, der das Projekt entwickelt hat und als gebürtiger Osnabrücker sichtlich hoffnungsfroh über den ausgewählten Standort ist, sieht darüber hinaus durch das Programm eine Möglichkeit regionale Konsumenten und Anbieter miteinander in Verbindung zu bringen und in einem weiteren Schritt die Wertschöpfung auch in der Region zu behalten.

Förderung von lokalen Initiativen und Unternehmen

Das Pilotprojekt in Osnabrück ist bis 2019 komplett finanziert und erhält 150.000 Euro Fördermittel. Christine Rother, Projektleitung von Wf4.0 im Referat für strategische Steuerung und Rat, lenkt die Entwicklung des lebendigen Labors im neuen Projektbüro im Rathaus. Dabei wird die Forschung des Wuppertal Instituts von Rother direkt auf Osnabrück übersetzt: „Viele lokale Initiativen tragen zur wirtschaftlichen Stabilität bei. Wir erproben im Rahmen des Projekts nicht nur auf welche Weise die Unterstützung am meisten Früchte trägt, sondern wie wir lokale Tätigkeitsfelder erweitern können.“ Dabei wird Rother den Unternehmen nicht dauerhaft unter die Arme greifen, sondern für die Impulsgebung verantwortlich sein, die innovative und kreative Entwicklungsstrategien fördern soll.

Weiterentwicklung von bestehendem Potenzial

Das Projektbüro des Wf4.0 lenkt im Verlauf des Forschungszeitraums die Netzwerkbildung und verknüpft damit verschiedene Kooperationspartner. So sollen im Verlauf der Erfahrungsaustausch angeregt und erfolgreiche Beispiele ermittelt werden, die für noch kleine Initiativen eine große Inspiration sein könnten. Ein bekanntes Beispiel für die Weiterentwicklung regionaler und kooperativer Wirtschaftsformen sind dabei das „Car Sharing“, welches durch die Unterstützung der Stadtwerke ein Wachstum verzeichnen konnte. Ähnlich könnten auch die bereits bestehenden Reparaturwerkstätten gefördert werden, die aktuell sogar mehr „reparierende Hände“ als Kunden verzeichnen. Weitere Initiativen, die im lebendigen Labor unterstützt werden sind die Stärkung des lokalen Einzelhandels und der Ausbau der solidarischen Landwirtschaft (Beispiele: CSA-Hof in Pente mit und „Tara-Unverpackt-Laden“ in Osnabrück).

Regionale Produkte wie Quinoa, Gin, Seife oder Deo: Viele Menschen wissen gar nicht, was in der Region und am Standort Osnabrück produziert wird.

Pluspunkte des Pilotprojekts

Neben dem Ziel der regionalen Wertschöpfung und der Verbesserung bestehender Angebote, werden durch die Förderung auch regionale Arbeitsplätze geschaffen und neue Tätigkeitsbereiche eröffnet. Ein weiterer Pluspunkt, den Kopatz und Rother in der Umsetzung sehen, ist die Stärkung des sozialen Miteinanders. Mit der Anregung des Austausches zwischen regionalen Konsumenten und Produzenten, würde auch die Verbundenheit zur Region gestärkt und ein größeres Bewusstsein für die Produkte entstehen. Im Zusammenspiel würden diese Einzelziele die Stabilisierung der lokalen Wirtschaft vorantreiben und im lebendigen Labor Osnabrück aufzeigen, welche Strategien zur Umsetzung den größten Erfolg versprechen. Langfristig soll das Pilotprojekt als gutes Beispiel für andere Städte vorangehen und, wie Kopatz sich sein ambitioniertes Ziel ausmalt, nicht nur stadtweit, sondern bundesweit umgesetzt werden.