Mit dem Heger Tor, das eigentlich ja Waterloo-Tor heißt, der Sedanstraße und dem Straßburger Platz, findet der Bundestagsabgeordnete Dr. Mathias Middelberg einen guten Einstieg in ein nicht immer leichtes Thema.

Mathias Middelberg, der seit 2009 Osnabrück im Bundestag vertritt, schafft es mit den Namen einiger bekannter Osnabrücker Straßen und Plätze einen Bezug herzustellen, zu einer Zeit, in der die Partnerschaft zwischen einer Osnabrücker Schule und einer Schule in Frankreich, alles andere als normal war.

Das Gymnasium in der Wüste pflegt sogar gleich zwei entsprechende Freundschaften mit französischen Schulen, erklärt Schulleiter Jürgen Westphal. Doch einige Orte in Osnabrück, benannt nach Schlachten und Schlachtfeldern, erinnern noch immer daran, dass vor gar nicht langer Zeit noch die Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich die Normalität war.

Dr. Mathias Middelberg, Gymnasium in der Wüste
Statt im Bundestag heute vor Schülern in der Wüste.

Ein Politiker beweisst: Geschichte muss nicht langweilig sein

Der studierte Jurist Middelberg schafft es die etwa 150 Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs nicht in einer aufkommenden Langeweile versinken zu lassen. Dieser Teil der Geschichte scheint doch so fern.
Aber schnell werden der erste und der zweite Weltkrieg abgehakt, die nur möglich waren weil in Europa so viel offene Feindschaft herrschte, und die Geschichte ist in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelangt.

Middelberg erklärt, wie die Montan-Union ein erster Schritt war, um über die Kohleförderung und die Schwerindustrie rüstungspolitische Alleingänge zu verhindern. Binnen weniger Jahrzehnte wurde daraus die Europäische Union, mit freiem Handel, offenen Grenzen und gemeinsamen Werten.

Middelberg zeigt sich als Verfechter der europäischen Idee

Angesichts einer zunehmenden Resignation über Europa, und vor dem Hintergrund des drohenden Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der EU, ist der CDU-Bundestagsabgeordnete der Meinung: „Alles Hinschmeissen ist langfristig nicht die bessere Lösung“, selbst wenn einem im Detail vieles nicht passen mag, was in Brüssel entschieden wird.

Dr. Mathias Middelberg, Gymnasium in der Wüste
Politik und Europa müssen nicht langweilig sein, wenn Praktiker in die Schule kommen.

Schüler kennen die Punkte an den die EU derzeit krankt

Die Schüler gehen in der anschliessenden Fragerunde zur Sache: „Droht womöglich ein 3. Weltkrieg“, lautet gleich die erste besorgte Frage einer Schülerin. Middelberg geht auf das heikle Thema ein und erkennt durchaus ein Risiko, dass es zu neuen Konflikten mit Gruppierungen kommen kann, die von der Politik noch vor wenigen Jahren nicht vorhergesehen wurden. Aber auch wenn jetzt der IS, die Taliban oder in Afrika Boko Haram dem geeinten Europa feindlich gegenüber stehen würden, wird gerade die Einheit Europas dafür sorgen, dass neue Kriege nicht eskalieren.
Der Besuch der Kanzlerin in der Türkei, die Flüchtlingsfrage und die Haltung der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Schmähgedicht von Jan Böhmermann kommen an diesem Vormittag noch zur Sprache. Zwei Unterrichtsstunden mit einem Polit-Praktiker zeigen wie komplex das Thema Europa ist, und wie eng alles mit unserer Geschichte verbunden ist.