Osnabrück Lebensraumverlust und Pestizide: Viele Schmetterlingsarten vom Aussterben bedroht

Lebensraumverlust und Pestizide: Viele Schmetterlingsarten vom Aussterben bedroht

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Schmetterlinge gehören zu jedem Frühlings- und Sommertag dazu wie Eis und Wasser – und doch werden immer weniger Falter in Niedersachsen gesichtet. Viele Schmetterlingsarten werden mittlerweile als gefährdet eingestuft und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

„Mein Nachbar hat so viele schöne Schmetterlinge in meinem Garten. Bei uns tut sich gar nichts. Was kann ich nur tun?“ Solche Fragen erreichen den NABU jedes Jahr zu Tausenden. Und sie nehmen in der Anzahl zu: Ein Ausdruck des dramatischen Rückgangs von Tag- und Nachtfaltern auch in Niedersachsen. „Noch nie waren so viele Schmetterlingsarten gefährdet“, sagt Rüdiger Wohlers vom NABU Niedersachsen, „und die Menschen nehmen wahr, dass wesentlich weniger bunte Gaukler unterwegs sind.“

Rückgang der Vielfalt

Die Roten Listen der gefährdeten Arten werden von Jahr zu Jahr länger – auch für die Schmetterlinge zwischen Borkum und Eichsfeld, zwischen der Elbmarsch und der Grafschaft Bentheim. Die Gründe sind vielfältig: Flächenverlust durch galoppierende Überbauung, übermäßiger Pestizid- und Düngereinsatz in der Landwirtschaft, übermäßige UV-starke Beleuchtung, die die Tiere an Erschöpfung sterben lässt, sowie die Ausräumung der Landschaft mit dem Verlust von Wegrainen, Brachen und Feldgehölzen, Uniformierung von Gärten und auch der Klimawandel, der einigen Arten unsere Breiten offenbar zu warm werden lässt. Hinzu kommt der Verlust spezieller und besonders fragiler Lebensräume, in denen hochspezialisierte, oft ausschließlich an diesen Lebensraum angepasste Arten vorkommen, wie Moore, Heiden und Trockenrasen sowie Auwälder. „Hier sieht es für diese Spezialisten ganz besonders düster aus“, fürchtet NABU-Mitarbeiter Rüdiger Wohlers. „Es ist klar, dass in Gärten solche Spezialisten nicht zu retten sein werden“, wirft er auch ein Schlaglicht auf das, was begeisterte Garten- und Schmetterlingsliebhaber zu Hause oder im Kleingarten für die bunten Gaukler tun können, „aber sie können dazu beitragen, ein wenig die Verluste abzumildern, die durch Lebensraumverluste in der Landschaft entstehen, jeder naturnahe Quadratmeter zählt heute.“

Aktiv werden für Schmetterlinge

Entscheidend ist, im Garten oder Kleingarten rund ums Jahr „die Natur einzuladen“, wie Rüdiger Wohlers formuliert: „Je mehr einheimische Pflanzen statt oder Exoten im Garten stehen, desto mehr wird Schmetterlingen, aber auch vielen anderen Tierarten, für die diese stellvertretend stehen, geholfen. Das gilt sowohl für nektarreiche, ungefüllte Blütenpflanzen als Nahrungsquellen, die oft auch zusätzlich für die Falter-Entwicklungsstadien Ei, Raupe und Puppe genutzt werden, als auch für einheimische Bäume und Sträucher. Den meisten Menschen fallen Schmetterlinge ohnehin nur als erwachsenes Tier auf; viele ahnen nicht, wie wichtig herabgefallenes Laub oder hohle Stängel von Herbst bis Frühjahr sind, damit darin die jeweiligen Entwicklungsstadien vieler Schmetterlingsarten überwintern können! Und zumeist wird nur auf vermeintlich besonders ‚attraktive‘ Pflanzen geschaut, aber zum Beispiel übersehen, dass etwa Salweide oder Faulbaum von größter Bedeutung für Schmetterlinge sind“, ergänzt der Naturschützer. Auch an die Aussaat von nektarreichen nachtblühenden Pflanzen für Nachtfalter solle gedacht werden.

Wasser ist essentiell

„Wasser im Garten wie kleine Insektentränken, naturnahe Teiche und Wasserläufe bieten Schmetterlingen die Möglichkeit, im Garten Wasser aufzunehmen.“ Zudem können ein Gemüsegarten und Kräuterbeete oder -spiralen, Pflanzkübel mit Stauden oder ein Blumenrasen den Schmetterlingen und anderen Insekten einen reich gedeckten Tisch bieten. „Der Fantasie und den Gestaltungsmöglichkeiten, auch in kleinen Gärten und sogar auf Balkonen und Dachterrassen, sind hier keine Grenzen gesetzt“, berichtet der NABU-Mitarbeiter.

PM
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