Mehr als 50 junge Europäer sind seit dem 16. August zu Gast in der Friedensstadt Osnabrück. Sie sind Teilnehmer des internationalen Projektes Labor Europa. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert begrüßte die jungen Erwachsenen bei einem Empfang im Friedenssaal.

Während ihres zehntägigen Aufenthalts werden sie sich intensiv mit Europa beschäftigen, dessen Zustand gegenwärtig häufiger als krisenhaft beschrieben wird, als das er mit Begriffen wie Frieden, demokratischen Werten, Kultur und auch Wohlstand in Verbindung gebracht wird.

Labor Europa als Austauschmöglichkeit

Das Labor Europa setzt dieser Krisenstimmung zehn Tage mit Begegnung und intensivem Austausch zwischen jungen Europäerinnen und Europäern entgegen. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert: „Es ist macht Lust auf Europa, ist eine Begegnung auf Augenhöhe, gepaart mit einer großen Portion Neugier darauf, was den jeweils anderen ausmacht und welche Erfahrungen er mitbringt.“

Das Beteiligungsprojekt wurde vom städtischen Büro für Friedenskultur organisiert und ist Teil des gemeinsamen Projektes „Frieden.Europa“, das die Städte Münster und Osnabrück gemeinsam im Europäischen Jahr des kulturellen Erbes 2018 durchführen. „Sharing Heritage“, das „Erbe teilen“ ist der Titel des Themenjahres in Deutschland.

Wurzeln und Werte Europas erforschen

Die Städte des Westfälischen Friedens nehmen das Jahr zum Anlass, um diesem Erbe, den Wurzeln und Werten Europas nachzuspüren. Worauf ist Europa aufgebaut? Wo liegen seine Grenzen und wo seine Zukunft? Welche Voraussetzungen braucht der Frieden in Europa?

Das durch die Bundesministerin für Kultur und Medien, die Felicitas und Werner Egerland-Stiftung und das Land Niedersachen geförderte Osnabrücker Projekt versucht Antworten zu finden auf diese aktuellen drängenden Fragen. Dabei wird die Atmosphäre eines Labors nachempfunden, in dem experimentiert und geforscht wird, in dem sich etwas teilt und Kulturen wachsen.

Labor Europa
Oberbürgermeister Wolfgang Griesert empfängt die jungen Europäer im Friedenssaal. Foto: Stadt Osnabrück, Silke Brickwedde

Ausstellungen und Konzerte in der Kulturnacht

In fünf Laboren unterschiedlicher Themen und kultureller Bereiche – Kunst, digitale Medien und Games, Geschichte, Performance sowie Musik – werden die Teilnehmer ihre durch die nationale Herkunft und persönliche Einstellungen geprägte jeweilige Perspektive einbringen. Diese werden auch die Ergebnisse der Laborarbeit prägen, die in der Osnabrücker Kulturnacht am 25. August der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die einzelnen Labore werden durch zahlreiche Kooperationspartner geleitet.

Das Labor Kunst, das die Gesellschaft für zeitgenössische Kunst anbietet, fragt unter dem Titel „Safety first“ danach, wie junge Kunstschaffende aus Europa angesichts der großen Debatten um Fluchtbewegungen und Abschottung über Fragen der nationalen oder individuellen Sicherheit denken. Die entstehenden Skulpturen, Malerei, Installationen, Fotografien oder Videofilme werden in einer Abschlussausstellung im Kunstraum hase29 präsentiert.

Europa in verschiedenen Facetten

Hier werden auch die Ergebnisses des durch das European Media Art Festival und die Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Film betreute Labor Medien und Games gezeigt. Geschichten, Reportagen und Fiktionen werden unter dem Thema „Being European“ in eine abschließende Mediencollage Eingang finden.

Europas wechselvolle Geschichte, die vor allem im 20. Jahrhundert durch Krieg und Frieden geprägt war, wird das Thema des Labors Geschichte sein, das durch das Kulturgeschichtliche Museum und die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht geleitet wird. Von den Teilnehmern mitgebrachte Gegenstände, die für das Thema Krieg und Frieden stehen, werden in die Abschlussausstellung im Museumsquartier an der Lotter Straße integriert.

Performance und Musik

Die Kunsthalle Osnabrück und das Theater Osnabrück bieten in Zusammenarbeit mit dem Künstler Ernesto Pujol im Friedenssaal des Rathauses das „Labor Performance“ mit dem Thema „The Listeners“ an. Das Publikum erfährt in der partizipativen Performance die Bedeutung des Zuhörens für eine friedvolle Verständigung zwischen den Kulturen.

Und schließlich erarbeiten junge Musiker in dem durch das Institut für Musik der Hochschule Osnabrück angebotenen „Labor Musik“ Lieder, die vom Überlebenswillen der Menschen aus ganz Europa in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten zeugen. Unter der Leitung des Sängers und Cellistin Simon Wallfisch, werden in einem abschließenden Konzert im Felix-Nussbaum-Haus Kompositionen aus dem KZ Theresienstadt zu Gehör gebracht.

Live dabei im Labor Europa

Nicht nur die Ergebnisse des Projektes werden mit Spannung von den Organisatoren des Projektes erwartet. Ebenso spannend wird es sein, die Teilnehmer kennen zu lernen und die Entwicklung der Arbeit in den Laboren zu beobachten. Dies wird vor allem in der kommenden Woche durch die Klasse 12 SA der Fachoberschule Gesundheit und Soziales des Berufsschulzentrums am Westerberg gewährleitest. In Kleingruppen werden die Schüler mit Kamera und Aufnahmegerät in den verschiedenen Laboren im Einsatz sein, über die Teilnehmer und aus der laufenden Arbeit in den Sozialen Medien Facebook und Instagram berichten.