# Kunsthalle Osnabrück zeigt „wahre Größe“ – HA Schult kommentiert Kaufhof-Verhüllung von Ibrahim Mahama Datum: 09.07.2023 18:13 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/kunsthalle-osnabrueck-zeigt-wahre-groesse-ha-schult-kommentiert-kaufhof-verhuellung-von-ibrahim-mahama-383237/ --- Es ist 25 Jahre her, da wurde in Osnabrück bereits einmal ein großes Gebäude verhüllt: Der Objekt- und Aktionskünstler HA Schult hatte auf Einladung der Spedition Hellmann auf deren Betriebsgelände im Stadthafen ein altes Speichergebäude zum „Friedensspeicher“ gemacht. Hintergrund damals wie heute bei der Verhüllung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes in der Osnabrücker Innenstadt: die Jubiläumsfeierlichkeiten für das Friedensjahr 1648. Während in der öffentlichen Diskussion um das aktuelle Verhüllungswerk des aus Ghana stammenden Künstlers Ibrahim Mahama vielfach Kritik geäußert wird, wie denn ausgediente Jutesäcke und eigens in Afrika gewebter leicht entflammbarer Stoff zum Friedensschluss vor inzwischen 375 Jahren passen sollen, war die Deutung beim Friedensspeicher vor 25 Jahren auch für weniger kunstinteressierte Betrachter einfacher. HA Schult hatte seinerzeit für die Verhüllung 15.000 besonders imprägnierte Kartons verwendet, auf denen in allen Sprachen und Schriften der Welt das Wort „Frieden“ zu lesen war. Im aktuellen Statement von HA Schult (siehe unten) betont der Künstler, dass er seine Kunst „immer selbst finanziert“ hat. Spektakulär aber auch umstritten: das von Ibrahim Mahama verhüllte ehemalige Kaufhof-Gebäude in Osnabrück / Foto: Pohlmann ### Vor 25 Jahren kamen Bundeskanzler, Präsidenten, Könige und Königinnen nach Osnabrück Der spektakuläre Anblick des zusätzlich nachts beleuchteten Friedensspeichers brachte Osnabrück im damaligen Friedensjahr viel Aufmerksamkeit. Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich vor dem Friedensspeicher wie auch der inzwischen weltberühmte Architekt Daniel Libeskind, dem Osnabrück das Nussbaum-Museum zu verdanken hat. Zum Ende des Friedensjahres 1998, in dem Osnabrück als weiteren Höhepunkt vier Könige, fünf Königinnen, zwei Fürsten und acht Präsidenten zu Gast hatte, musste der Friedensspeicher sehr zum Bedauern vieler Osnabrückerinnen und Osnabrücker wieder abgebaut werden, die Kartons waren vom Regenwasser durchweicht. Inzwischen finden sich Teile des alten Lagerhallen-Gebäudes in die Architektur eines neuen Verwaltungsgebäudes der Spedition Hellmann integriert. ### Friedensspeicher-Kartons gelegentlich noch bei eBay zu finden Gelegentlich findet man etwa auf eBay oder in Kleinanzeigenportalen noch einzelne Kartons, die inzwischen als Sammlerstück gehandelt werden. HA Schult vor seiner Installation „Wertgigant“ in Düsseldorf, 26.10.2021. / Foto: IMAGO NurPhoto, Ying Tang Unsere Redaktion bat den in Köln lebenden Künstler HA Schult um ein Statement zu der aktuellen Installation, die dieses Friedensjahr begleitet. Wir veröffentlichen das Statement in voller Länge und in der von HA Schult gewählten Form: Die Freiheit einer Gesellschaft ist so gross, wie die Freiheit ihrer Kunst. Daher bekommen in einer unfreien Gesellschaft zuerst die Künstler eins aufs Dach und dann die Bürger. Noch 1989 liess Deng Xiaoping, nach Vorstellung meines Projekts “Berg der Höchsten Harmonie“ verlautbaren: “Die Aktionskunst ist ein Feind des Volkes.“ 2001 stand ich dann mit dem Volk meiner 1.000 Trash People auf der Grossen Mauer vor Peking. Millionen Chinesen kamen und das Bild ging um die Welt. Wenn vor 25 Jahren zehntausende Bürger Osnabrücks zu meinem Friedensspeicher im Hafen strömten, blieb das nicht ohne soziokulturellen Nachhall. Dass ein so kleines Haus, wie die Kunsthalle Osnabrück, gegen viele Widerstände, einem so aktuellen Künstler wie Ibrahim Mahama ein Forum bietet, zeigt wahre Grösse. Mich erinnert es an den Mut des unvergessenen Harald Szeemann, als er 1968 gegen ähnliche Widerstände, die Verhüllung der Kunsthalle Bern durch Christo umsetzte. Der kulturelle Einfluss der beiden ging von da an steil nach oben. Zu meiner Arbeit ist zu sagen, dass ich sie immer selber finanziert habe und immer etwas mehr ausgebe, als ich habe. Getreu dem Motto des Sammlers Peter Ludwigs: “Wer Geld auf dem Konto hat, ist kein echter Kunstsammler.“ Zur Kritik an meiner Arbeit ist zu sagen: “Ohne die wäre ich nicht HA Schult.“ --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück