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„Kommunikation ist bei mir nicht mehr vorhanden“ – Bedeutung der Maskenpflicht für Gehörlose

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Zur Eindämmung des neuartigen Corona-Virus führt die Stadt Osnabrück ab Samstag, den 25. April 2020, eine „Maskenpflicht“ ein. Doch was bedeutet die neue Regelung für unsere gehörlosen Mitmenschen?

„Durch diese Maske ist das Mundbild komplett verdeckt und ich verstehe niemanden mehr. Aufgrund meiner Hörschädigung bin ich sozusagen verstummt. Kommunikation ist dann bei mir nicht mehr vorhanden“, erklärte die gehörlose Cindy Klink in einem Video auf der Social-Media-App „TikTok“. Und auch, wenn ein Dolmetscher die Maske aufsetzt und gebärdet, sei die Kommunikation problematisch: „Selbst bei der Gebärdensprache ist der Mund ein wichtiger Bestandteil. Fällt dieser weg, kappt die Kommunikation.“

Alltägliches wird zur Herausforderung

„Menschen mit Hörschädigung verstehen die gesprochene Sprache zu etwa 50 Prozent über das Lippenabsehen“, so Jens Elschner, Präsident vom Landesverband für Hörgeschädigte im Gespräch mit dem MDR Thüringen. Mit der neuen Maskenpflicht kann somit schon das alltägliche Einkaufen für Gehörlose zur Herausforderung werden – von Notfallsituationen ganz zu schweigen. „Es würde helfen, wenn vor allem Schlüsselpersonen, wie Ärzte, Polizisten, Rettungssanitäter, also systemrelevante Dienstleister, eine Alternative zu den Schutzmasken finden würden“, findet Cindy Klink.

Kommunikation mit allen Mitteln erleichter

In vielen Situationen können Masken mit durchsichtigem Mundausschnitt Abhilfe schaffen. Dadurch wird das Lippenlesen trotz Maskenpflicht ermöglicht. In der Praxis hat diese Art der Maske jedoch den Nachteil, dass sie schnell beschlägt, was das Lippenabsehen ebenfalls erschwert. „In der Gruppe der Menschen mit Hörbehinderung, von leichtgradig schwerhörig bis zu gehörlos, gibt es unterschiedliche, individuelle kommunikative Bedarfe, und manch eine oder einer profitiert stark vom Mundbild und somit womöglich auch etwas von einer Maske mit Sichtschutz“, schreibt der Deutsche-Gehörlosen-Bund e.V. (DBG) in einer Pressemitteilung. Es gelte jedes mögliche Hilfsmittel zu nutzen, um Menschen mit Hörschädigung die Kommunikation zu erleichtern.

Dolmetscher für wichtige Gespräche

Im Alltag können sich zum Beispiel Spracherkennungsapps für das Smartphone als nützlich erweisen. Der eingesprochene Text ist für die Gehörlosen problemlos ablesbar. „Für essenzielle und wichtige Gespräche, etwa mit medizinischem Personal, fordern wir jedoch, dass Dolmetscher für Deutsche Gebärden Sprache und Deutsch über den Vermittlungsdienst Tess oder über Videotelefonie beziehungsweise Webcam, mit iPad, Smartphone oder Laptop einbezogen werden“, so der DGB.



 

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