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Kommentar zum globalen Klimastreik in Osnabrück: Die Klimabewegung wird vielfältiger – und älter

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Wer den Demonstrationszug der Klimaaktivisten am Freitag länger begleitet und genauer unter die Lupe genommen hat, wird spannende Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr festgestellt haben: Die Klimabewegung hat sich entwickelt – und das in gleich zwei verschiedene Richtungen.

Ein Kommentar von Maurice Guss

Am vergangenen Freitag (24. September) war es wieder so weit: Die Klimabewegung Fridays for Future rief zum globalen Klimastreik auf. In Osnabrück zogen nach einem Streik auf dem Willy-Brandt-Platz etwa 2.600 Klimaaktivistinnen und -aktivisten durch die Innenstadt und äußerten lautstark ihren Unmut über die aktuelle Klimapolitik. Trotz mehrheitlicher Befürwortung aus der Bevölkerung, zahlreiche Familien und Außenstehende jubelten den Demonstrantinnen und Demonstranten zu, sahen sich die Aktivistinnen und Aktivisten auch einigen wütenden Gegnern ausgesetzt. Ausgebremste Autofahrer ließen auf dem Wall die Hupen ertönen, ihre Motoren aufheulen, ein Anwohner bewarf den Demonstrationszug am Wall mit Büchern und im Netz brannte die – leider inzwischen gewohnte und teils mal wieder über die Stränge schlagende – Hetze los. Aber nicht jeder geäußerte Kritikpunkt an der jährlichen Demo zieht mehr, denn die Klimabewegung hat sich gewandelt.

Fridays for Future ist nicht mehr allein

Längst ist der jährliche Klimastreik keine reine Fridays for Future-Inszenierung mehr und auch der Altersschnitt steigt zunehmend an wie man in diesem Jahr gut beobachten konnte. Startete die Klimabewegung vor Jahren als eine überwiegende FfF-Bewegung, gesellen sich inzwischen verschiedene weitere Organisationen zu, Amnesty International oder die radikalere Extinction Rebellion als prominente Beispiele.

Mit dieser Erweiterung der FfF-Bewegung zu einer globalen Klimabewegung wächst auch die Power die Aktivisten. „Power to the people“ hörte man auch am Freitag wieder oft aus den Hälsen der Demonstrierenden, eben diese Power wird immer größer. Mit ihr wächst auch die Zahl der nicht-jugendlichen Aktivisten. Längst bemalen auch erwachsene Kohlegegner und FfF-Symphatisanten ihre eigenen Plakate. Es geht bis ins hohe Alter, auch in diesem Jahr zeigte sich auch wieder die „Jede Oma zählt“-Bewegung beim Klimastreik. Reine FfF-Plakate hingegen gab es kaum noch.

Die häufig beschwörten Argumente vieler Kritiker „Die sollen lieber zur Schule gehen und was lernen“ oder „Den Kleinen sollte man das Handy wegnehmen“ treffen so kaum mehr zu. Dazu muss man kein Klimaaktivist sein, es reicht ein Blick in den Demonstrationszug, der längst nicht mehr ausschließlich jugendlich ist wie noch vor Jahren. Und auch die Vorangehenden sind älter geworden, von anfänglich kleinen Teenies hin zu jungen Erwachsenen. Und sie sind immer noch dabei. FfF hat es geschafft mehr zu mobilisieren als nur die Jugendlichen und ist dazu selber erwachsener geworden. Noch dazu kommt weitere Jugend nach.

Viele Erwachsene bis hinein ins Rentneralter sind inzwischen selber den Schritt von der Achtung einer Klimabewegung selber rein in diese Bewegung und auf die Straßen gegangen. Und gemeinsam entfachen die Aktivisten eine Power, die in diesem Jahr deutlich höher war als in den letzten Jahren. Die Klimakrise ist nicht von der Hand zu weisen – und sie scheint inzwischen in den Köpfen aller Generationen angekommen zu sein.

Antikapitalismus passt nicht ins Bild

Die Erweiterung der Klimabewegung hat jedoch auch ihre Kehrseite: Während des Streiks auf dem Willy-Brandt-Platz hat es sich bereits angedeutet, dass auch Organisationen die Aufmerksamkeit des globalen Klimastreiks nutzen, die eigentlich eher wenig mit dem Thema Klima zu tun haben. Nun kann man bei Plakaten der Seebrücke noch ein Auge zudrücken, angesichts von weltweit aufgrund des Klimas flüchtenden Menschen, doch wenn in zweiter Reihe bei der Demonstration antikapitalistische Parolen hochgehalten werden, ist eine Grenze erreicht.

Klimademonstration / Foto: Maurice Guss

Zahlreiche getroffene Aussagen schon während des Klimastreiks deuteten einen Wunsch nach dem Umbruch des ganzen Systems an. Trotz berechtigter Kritik an der aktuellen Umweltpolitik und einem erforderlichen Umdenken der Verantwortlichen, gehen solche antikapitalistischen Forderungen zu weit und schaden der eigentlichen auf das Klima fokussierten Bewegung. Es täte der Bewegung gut, sich davon zu distanzieren. Das ganze System umzustürzen, ist nicht die richtige Lösung und das weiß vermutlich ein Großteil der Klimademonstranten. Hier ist eine klare Abgrenzung notwendig, damit die ansonsten vorbildliche Bewegung (s. auch Masken- und Abstandspflicht) nicht in die falsche Richtung abdriftet. Das wäre nämlich schade, denn längst hat die Klimabewegung eine bisher einmalige Power erreicht und könnte so etwas bewirken.

Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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