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Kommentar: Wer sich verzockt muss nun die Konsequenzen tragen!

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„Das konnte ja keiner absehen, die Entscheidungen wurden an anderer Stelle getroffen. Nicht nachvollziehbare Entscheidung…“ Die Lokalpolitiker, die bis zuletzt am Shoppingcenter-Projekt festgehalten haben, werden nun mit Hochdruck an Erklärungen arbeiten um das Scheitern dieser „größten Einzelinvestition in der Stadtgeschichte“ (Frank Henning, SPD) zu erklären.

Wie soll es weitergehen? Ein Kommentar von HASEPOST-Herausgeber Heiko Pohlmann.


Erklären sollten die für das Desaster am Neumarkt verantwortlichen Lokalpolitiker nun nicht, warum sich der Investor zurückgezogen hat, sondern welche Konsequenzen sie ganz persönlich  daraus ziehen. Denn das Ende der Shoppingcenter-Idee am Neumarkt war absehbar – und das schon bei Beginn der Planung.

Schon zu Beginn war das Scheitern abzusehen

Nicht erst seit ein paar Jahren, sondern spätestens seit Ende der 90er Jahre war abzusehen, dass der Onlinehandel massiv dem lokalen Einzelhandel Marktanteile abnehmen wird. Es war vor allem den niedrigen Zinsen und einer boomenden Weltkonjunktur geschuldet, dass in den ersten Jahren des damals noch neuen Jahrtausends überhaupt noch Shoppingcenter entstanden und neue Handelsketten versuchten ihr eigentlich schon im Auslauf befindliches Geschäftsmodell „auf die Fläche“ zu bringen.
Das alles wurde den Lokalpolitikern immer wieder vorgehalten, von lokalen Einzelhändlern, engagierten Bürgern oder auch der IHK. Doch man entschied sich lieber mit Verträglichkeitsuntersuchungen, die teilweise sogar von den Investoren bezahlt wurden, eine Begründung zu zimmern, warum in Osnabrück funktionieren sollte, was andernorts schon ganze Innenstädte in den Ruin getrieben hatte und was angesichts des fortschreitenden Onlinhandels und geändertem Konsumverhalten schon längst keine Zukunft mehr hatte.


Verfolgt man den Investor, die einstige Firma mfi, die eher mittelständisch geprägt war und dann an einen Großinvestor nach Frankreich verkauft wurde, der sich dann wieder an einen Aktienfonds nach Kanada verkaufte, der dann wieder mit einem Wettbewerber in Australien verschmolzen wurde (aktuelle Firmierung: Unibail-Rodamco-Westfield), hätte auch dem letzten Lokalpolitiker klar sein müssen:

Das hier ist ganz großes Monopoly und Osnabrück ist auf diesem Spielfeld allenfalls die Badstraße.

Lokalpolitiker lebten wohl in einer Parallelgesellschaft

Nun blickt die Stadtgesellschaft auf mehr als acht Jahre Stillstand (nimmt man ursprüngliche Planungen des Investors ECE hinzu: 16) zurück. Es ist Zeit den dafür verantwortlichen Politikern, die offensichtlich in einer Parallelgesellschaft irgendwo zwischen Katharinenviertel und Waldorf-Kindergarten leben, das Vertrauen zu entziehen. Besser ist: Diese Freizeitpolitiker, die sich so gnadenlos verzockt haben, ziehen von selbst die Konsequenzen.

Warum, und das ist für mich eine Kernfrage, haben Vertreter der SPD (die Einladung zu dem Termin soll von Frank Henning erfolgt sein), Grünen, FDP und Linkspartei im Februar – im beginnenden Kommunalwahlkampf 2016 – ein als „Abrissanzeige“ benanntes Formular in die Kamera gehalten, und den Bürgern damit suggeriert, der Baubeginn stünde kurz bevor?
Damit wurde massiv auf die Kommunalwahl eingewirkt, das Signal das ausgesendet wurde war: Wir wissen Bescheid, das Einkaufscenter kommt. Die Wahrheit aber war: Gar nichts wusstet Ihr!

SPD-Fraktionschef Frank Henning diktierte seinerzeit dem einzigen zu diesem seltsamen Termin eingeladenen Kollegen der Papierzeitung NOZ sogar den denkwürdigen Satz in den Block: „Es bleibt bei unserer Aussage: In diesem Jahr fangen wir an.“ Wieso eigentlich „wir“? War es nicht ein privater Investor, zu dem ein Politiker eine gewisse Distanz wahren sollte?

Und nein, dabei blieb es nicht; es wurde nie gebaut oder zumindest abgerissen. Die angebliche Abrissanzeige war sogar fehlerhaft, wie unsere Redaktion später herausfand. Es war lediglich ein PR-Gag, Neudeutsch: Fake News.

Mehr als drei Jahre weiterer Stillstand vergingen, die Stadt steht nun vor einem Scherbenhaufen. Der Investor ECE, der ebenfalls mal in Osnabrück ein Shoppingcenter bauen wollte, sich dann aber zurückzog, baut inzwischen Logistikcenter für Amazon, Zalando und Co – direkt vor der Stadtgrenze von Osnabrück.

Wie sollen die Politiker, die über mehr als acht Jahre eine Durchhalteparole nach der anderen verbreiteten – die sich (siehe oben) teilweise sogar als Fake News herausstellen – nun verantwortungsvoll für einen Plan B einstehen? Konsequent wäre, wenn nach dem Aus des Shoppingcenter-Projekts nun auch ein Aus der dafür verantwortlichen Regenbogen-Koalition folgen würde. 

 

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11


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