Meinung & Kolumne Kommentar: Was nun, VfL Osnabrück?

Kommentar: Was nun, VfL Osnabrück?

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Kaum war der VfL Osnabrück abgestiegen, schon vermeldeten Verein und Medien den Abschied von Sportchef Benjamin Schmedes. Seit Ende 2017 stand der gebürtige Hannoveraner in Diensten des lila-weißen Traditionsvereins. Als Chefscout des HSV hatte er sich an der Elbe profiliert. Anschließend baute er in enger Zusammenarbeit mit Trainer Daniel Thioune beim VfL Osnabrück ein neues Team auf, das innerhalb kurzer Zeit im Jahr 2019 den Aufstieg in die Zweite Bundesliga schaffte und in der folgenden Saison respektable Leistungen zeigte.

Auch die Hinrunde der Saison 2020/2021 verlief so erfolgreich, dass niemand an der Bremer Brücke und darüber hinaus im fußballinteressierten Deutschland auf den Gedanken gekommen wäre, der VfL Osnabrück könnte absteigen.

Ein Kommentar von Hermann Schmidt

Daran wird auch Benjamin Schmedes keinen Gedanken verschwendet haben. Wie sonst konnte er übersehen, dass Vereine in der zweiten Tabellenhälfte der Liga nach der Hin-Spielrunde auf „Teufel komm raus“ aufrüsteten und sich mit neuen Spielern verstärkten?
Der Sportdirektor des VfL Osnabrück und der seinerzeitige Trainer Marco Grote wähnten sich auf der sicheren Seite. Es wurden zwei neue Spieler vor Beginn der Rückrunde geholt, die aus unterschiedlichen Gründen den in sie gesetzten Hoffnungen nicht entsprachen.

Einziger Lichtblick Sebastian Kerk

In der Rückrunde wurden sodann Mängel im Mannschaftsgefüge sichtbar. Der VfL Osnabrück trat in der Regel, ob auswärts oder zuhause, eher defensiv und abwartend auf. Wenn die Gegner drängten und stürmten, wenn sie ihr Offensivspiel über die Außenbahnen aufzogen, dann wurden die Schwächen der VfL-Abwehr schonungslos offengelegt: zu langsam, zu wenig spritzig, häufig schlecht positioniert zeigten sich einzelne Defensivakteure der Lila-Weißen. Die spektakulärsten Aktionen in der VfL- Offensive beruhten meist auf Standards, Freistößen oder Eckbällen, die immer nur ein Akteur auf den Rasen brachte: Sebastian Kerk. Zu spätes Pressing beim Spielaufbau der Gegner, zu zaghaftes Eingreifen in Mittelfeld-Zweikämpfen, und immer wieder Abspielfehler führten dazu, dass der VfL eine Niederlage nach der anderen quittieren musste.

Trainerwechsel kommt zu spät

Der Trainer wurde gewechselt. Für Marco Grote kam Markus Feldhoff. Doch er kam zu spät. Es dauerte, bis er der Mannschaft einen selbstbewussteren, offensiveren und kampfstärkeren Auftritt verlieh, der der Mannschaft insbesondere in den Spielen bei den Würzburger Kickers, gegen den HSV und im Relegations-Heimspiel gegen Ingolstadt noch einmal die alten Tugenden des VfL zurückgab.

Ob Markus Feldhoff alles richtig gemacht hat, im Training, bei der Mannschaftsaufstellung, in seinen Kabinenansprachen und bei Teambesprechungen, das mögen diejenigen beurteilen, die nah am Geschehen waren. Seine ruhige, gelassene und sachliche Art hat diesen Trainer von anderen seiner Zunft unterschieden. Dass er von emotions- und adrenalingeladenen Fans in respektloser Form die alleinige „Schuld“ für den Abstieg zugewiesen bekam, ist falsch und ungerecht. Markus Feldhoff hat sich für den unvoreingenommenen Beobachter als anständiger Kerl erwiesen. Ob ein anderer an seiner Statt den VfL vor dem Abstieg gerettet hätte, lässt sich nicht beweisen.

Schmedes hinterlässt Rumpfkader

Trainer Markus Feldhoff verlässt den Verein. Das mögen viele Fans des VfL begrüßen-aber nicht alle. Mit Benjamin Schmedes geht ein Mann, der an entscheidender Stelle für die Einkaufspolitik des Vereins zu Beginn des Jahres verantwortlich zeichnete. Er hinterlässt Presseinformationen zufolge einen Rumpfkader von acht Spielern, die mit einem Vertrag für die Dritte Liga ausgestattet sind und, daraus folgend, viele offene Fragen, die sich bei einer sorgfältigeren Planung der Vereinsgeschicke hätten vermeiden lassen.´

Wie geht es mit dem VfL Osnabrück in der kommenden Saison weiter? / Foto: Pohlmann



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Hermann Schmidt
Hermann Schmidt beobachtet den Fußball an der Hase von der Elbe aus. In Hamburg war der gebürtige Hesse lange Zeit als Verlagsmanager tätig. Zwanzig Jahre lang hat er selbst gespielt, in der Jugend als Stürmer und danach als Vorstopper in seiner Heimat und beim BFC Südring (Berlin). Schmidt ist Autor zahlreicher Fußballbücher und Biografien. Die Buchveröffentlichungen „Legenden des FC St. Pauli“ und „Männer trinken kein Fanta“ sind im Jahr 2020 erschienen. Zu seinen Lieblingsclubs gehören neben dem VfL auch Holstein Kiel, der FC St. Pauli und der 1.FC Köln.

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