Meinung & Kolumne Kommentar: VfL Osnabrück - Leistung durch Leistungszentrum

Kommentar: VfL Osnabrück – Leistung durch Leistungszentrum

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Am Donnerstag sah es schon düster aus, am Sonntag keimte kurz die Hoffnung, dann folgte die bittere Realität: Der VfL Osnabrück wird ab der kommenden Spielzeit wieder drittklassig spielen. Doch was bedeutet der Abstieg für die Zukunft des Vereins und damit auch für das geplante Leistungszentrum – wo auch immer es am Ende entstehen könnte? Ohne Leistung kein Leistungszentrum? Oder doch Leistung durch ein Leistungszentrum?

Ein Kommentar von Maurice Guss

Am Sonntag, den 30. Mai, gegen 15:20 Uhr stand es fest: Der VfL Osnabrück steigt nach zwei Jahren in der 2. Bundesliga – wieder einmal – ab. Während sich bei den lila-weißen Kickern auf dem Platz Enttäuschung und Leere breit machte, zogen die 2.000 Zuschauer ebenso enttäuscht und teils unter Tränen davon. Weitere hunderte Anhänger vor der leergebliebenen Ostkurve ließen ihrem Frust freien Lauf: „Außer Heider (Marc Heider, VfL-Profi; Anm. d. Red.) könnt ihr alle gehen“ und „Feldhoff (Markus Feldhoff, VfL-Trainer; Anm. d. R.) raus“ skandierten sie lautstark als sich die Mannschaft zögerlich vor das Stadion traute. Damit deuteten die Anhänger vor ihrer eigentlichen Heimat an der Bremer Brücke in aller Härte etwas an, mit dem sich nicht nur der VfL und seine Verantwortlichen selbst sondern auch die Stadt in naher Zukunft auseinander setzen muss: Veränderungen.

Während des Relegationsrückspiels gegen Ingolstadt feuerten hunderte Fans den VfL Osnabrück vor der Ostkurve an. / Foto: Guss

VfL braucht Heider, Taffertshofer & Co

Was wird aus den Spielern, die teils in Tränen den Platz verließen? Dass wirklich, wie von einigen gefordert, alle außer Fanliebling Marc Heider den Verein verlassen werden, ist unwahrscheinlich – und wäre noch dazu auch falsch. Viele der VfL-Profis kennen die 3. Bundesliga vom gemeinsamen Aufstieg aus der Saison 2018/19 und sind eng mit Verein und Stadt verbunden. Diese Spieler – eben jener Marc Heider, ein Uli Taffertshofer, ein David Blacha, Konstantin Engel, Philipp Kühn, Maurice Trapp oder Bashkim Ajdini stünden dem Verein in Liga drei gut zu Gesicht, in erster Linie bedingt durch ihr “VfL-Verständnis“, das dem der Fans stark ähnelt. Leistungsträger wie Sebastian Kerk hingegen wird es vermutlich eher in Liga zwei halten – Angebote sollen vorliegen. Auch das ausgeliehene FC Barcelona-Talent Ludovit Reis wird kaum zu halten sein. Für die Kaderplaner um Sportdirektor Benjamin Schmedes steht hier jede Menge Arbeit an, um eine Truppe zusammenzustellen, die einerseits die Qualität, andererseits den unbedingten Willen mitbringt, um die Ziele in der 3. Liga zu erreichen.

Marc Heider; Torjubel, jubelt nach seinem Treffer zum 3:2 gegen den HSV am 16.05.2021, Foto: Nico Paetzel
Zwei, die dem VfL Osnabrück in Liga 3 gut zu Gesicht stehen würden: Marc Heider und Konstantin Engel im Spiel gegen den HSV. Foto: Nico Paetzel

Auch um den Sportdirektor selbst ranken sich fast durchgehend Wechselgerüchte – Zukunft ungewiss. Ein Abgang des – abgesehen vom vergangenen halben Jahr – sehr erfolgreich arbeitenden Sportdirektors würde schmerzen und den Verein quasi dazu zwingen sich vollständig neu aufzustellen, was wiederum ein immenser Rückschritt wäre. Dann wäre da noch Trainer Markus Feldhoff: Als “Notlösung“ konnte er nur punktuell Akzente setzen. Nicht alles was er änderte war schlecht, es sei an teils sehr ansprechende Leistungen wie gegen den Karlsruher SC, gegen den HSV und nicht zuletzt aus dem Relegation-Rückspiel gegen Ingolstadt erinnert. Doch das was schlecht war, war eben sehr schlecht – die Klatsche gegen Absteiger Braunschweig oder die mauen Auftritte gegen Aue und im Hinspiel gegen Ingolstadt als Beispiele. Mit Konstanz hätte sich Feldhoff zum Kandidaten als Trainer in der kommenden Saison qualifizieren können – mit jener Konstanz dann vielleicht sogar eine Liga höher. Angesichts des Abstieges jedoch, an dem Feldhoff mitnichten die alleinige Schuld trägt, dürfte auch Feldhoffs Zukunft ungewisser denn je sein. Dies liegt auch an seinem Verhältnis zu weiten Teilen der Fans, denen insbesondere die ruhige, fast regungslose Art des ehemaligen VfL-Stürmers an der Seitenlinie ein Dorn im Auge ist. Direkt nach dem Abstiegsrückspiel wollte Feldhoff dann auch keine Worte an die Anhänger richten, lediglich seine Spieler täten ihm Leid. Trotz einiger Erfolge – auf der Trainerposition dürfte ein Neuanfang unumgänglich sein, wenngleich die Möglichkeiten des VfL limitiert sind.

Fußball und Osnabrück

Doch auch abseits der Mannschaft wird es Veränderungen geben: Mit dem Abstieg des Zweitligisten VfL Osnabrück verliert die Stadt ein weiteres Merkmal, erhält eine weitere Baustelle. Der VfL hat sich inzwischen bundesweit einen Namen gemacht und hätte als Zweitligist die berüchtigte Bremer Brücke mit eigenen Fans und Fußballbegeisterten aus ganz Deutschland regelmäßig füllen können. Als Drittligist wird das angesichts von Gegnern wie der Zweitvertretung des SC Freiburg anstelle eines FC Schalke 04 schon schwieriger. Abseits von Pandemien füllen die Spiele eines erfolgreichen VfL regelmäßig die Kneipen der Stadt und vereinen Osnabrückerinnen und Osnabrücker wie es kaum sonst etwas tut. Fußball fördert – in Osnabrück wird das besonders deutlich – eben auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch der Osnabrücker Fußball braucht Hilfe, denn ohne finanzielle Unterstützung drohen Traditionsvereinen wie dem VfL der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Das drohte bereits als der VfL 2018 kurz vor dem Abstieg in die Regionalliga stand und sollte mit geeinten Kräften vermieden werden, damit die Stadt schon bald aus freudigen Gründen wieder lila-weiß erstrahlen kann.

Zu jener finanzieller Unterstützung gehört dann auch ein neues Leistungszentrum. Denn ohne Leistungszentrum keine Leistung! Seit Jahren hinkt der VfL hinterher, wenn es um Trainingsmöglichkeiten geht. Die Trainingsplätze sind längst nicht mehr drittligatauglich und zweitligatauglich schon gar nicht. Dass der Verein es dennoch schafft, hier über seinen Möglichkeiten zu agieren, qualifiziert ihn nur für ein neues Leistungszentrum. Wenn ich als Kreisligakicker problemlos drei Sportanlagen in der Region aufzählen kann, die ähnlich gut ausgestattet sind, wie die des VfL – angefangen zum Beispiel mit der des OSC, dann kann etwas nicht stimmen. Es kann nicht sein, dass ein potentieller Zweitligist schlechtere Bedingungen hat als Landes- oder Bezirksligisten. Ein erfolgreicher Sportverein kostet Geld, ja, aber er zahlt es zurück: Finanziell und, und das ist fast wichtiger, gesellschaftlich.

In welche Richtung soll es für den VfL gehen?

Ein gutes Leistungszentrum bringt viele Vorteile: Es dient als Argument bei der Verpflichtung neuer VfL-Spieler, es unterstützt bei der Ausbildung von Talenten für die Zukunft und bietet der Mannschaft ganz neue Möglichkeiten um Grundlagen für sportliche Erfolge zu legen. Wie sich sportliche Erfolge auf die Stadt auswirken, hat sich beim vergangenen Aufstieg gezeigt als (fast) die gesamte Stadt zusammenkam, jubelte und feierte. Spiele in einer Zweiten Liga wie der kommenden, mit Mannschaften aus Bremen, Hannover, Schalke oder Dresden, deren Fans den Fußball ähnlich verehren wie die des VfL, wären weitere Highlights gewesen, die man nun verpasst. Dass sich zunehmend mehr Traditionsvereine mit fußballverrückten Fans in Liga zwei wiederfinden, zeigt jedoch, dass dem VfL Chancen auf weitere Highlights zukommen werden. Um jedoch mithalten zu können, brauchen die Osnabrücker Profifußballer bessere Möglichkeiten – angefangen mit einem neuen Leistungszentrum. Nicht zu vergessen: Um dem VfL vor zwei Jahren die Möglichkeit in Liga zwei zu spielen zu verschaffen, hat die Stadt bereits Gelder für Umbauten an der Bremer Brücke in die Hand genommen. Ohne weitere finanzielle Unterstützung für den Verein wären auch diese für die Katz gewesen.

Marc Heider nach dem Treffer zum 1:1 gegen die Nürnberger, Foto: Imago Images, HMB Media
Marc Heider im Spiel gegen den FC Nürnberg: Nach oben oder weiter nach unten – in welche Richtung soll es zukünftig für den VfL gehen. Foto: Imago Images, HMB Media

Für den VfL ist die kommende Saison wieder einmal eine richtungsweisende. Welche Veränderungen wird es geben? Kann sich der Verein stabilisieren? Die Stadt kann zu letzterem mit finanzieller Unterstützung beitragen und damit mitentscheiden, in welche Richtung sich der VfL entwickelt – nach unten in die Bedeutungslosigkeit oder nach oben zurück in die Zweite Liga. Mein persönlicher Tipp ist ja, dass die Stadt einfach so lange weiter über ob und wie und was diskutiert, dass es am Ende zu spät ist. So a la Neumarkt. Nicht falsch verstehen: Diskussionen sind absolut notwendig, wenn es um Entscheidungen geht. Und sollte sich herausstellen, dass ein Leistungszentrum an der Halle Gartlage der Natur schaden würde, dann geht die Natur vor. Dann müssen jedoch Alternativen untersucht werden, zum Beispiel das Kasernengelände in der Dodesheide. Je länger überlegt und nicht gehandelt wird, desto wahrscheinlicher wird ein weiterer Rückschritt des VfL Osnabrück. Den gilt es zu vermeiden – mit finanzieller Unterstützung der Stadt und einem modernen Trainingszentrum – ,damit unsere Hasestadt schon bald wieder gemeinsam Highlights an der Bremer Brücke erleben und Erfolge bejubeln kann.

Titelbild: Wohin geht es mit dem VfL Osnabrück in der Zukunft? / Foto: Guss



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Maurice Guss
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