Start Kommentar Kommentar: Mehr Vorteile für Auszubildende – aber bitte mit Augenmaß

Kommentar: Mehr Vorteile für Auszubildende – aber bitte mit Augenmaß

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Die Schulausbildung ist frisch bestanden und die Suche nach einem passenden Berufsweg beginnt. Viele stehen irgendwann vor der Frage: Ausbildung oder Studium? Die Berufsausbildung lockt mit einer schnelleren Vergütung und einem früheren Einstieg in das Berufsleben. Das Studium hingegen ist eine Chance sein Wissen zu Vertiefen, bedeutet aber auch erst deutlich später ins Berufsleben einzusteigen.

Timo Spreen, Stellvertretender SPD Vorsitzender, erklärt in einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung dass „es [..] mittlerweile attraktiver [sei] zu studieren, statt einer Berufsausbildung nachzugehen.“ Deswegen müsse die Berufsausbildung attraktiver gestaltet werden. Die Mindestausbildungsvergütung beträgt momentan 515 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr. Eine Erhöhung auf 660 Euro erscheint im Hinblick darauf, dass die Auszubildenden einer Vollzeittätigkeit nachgehen auf keinen Fall verkehrt. Eine Lehrmittelfreiheit auch nicht.


Doch wie ist die die Forderung zu verstehen, dass Auszubildende die vermeintlich „gleichen Vorteile wie Studenten“ erhalten sollen, und dass die Einführung eines „Azubi-Tickets“ dabei helfen soll?

Ein Kommentar von Tatjana Rykov

Für Studenten teurer als für Auszubildende?

Das Azubi-Ticket soll, so die Vorstellung der Osnabrücker SPD, dafür sorgen, dass Auszubildende günstiger Bus und Bahn fahren können. Als Preis für dieses günstige Ticket schlagen die Sozialdemokraten einen Euro pro Tag vor. So kommen im Jahr 365 Euro zusammen.

Zum Vergleich: Der Studierendenausweis, der Studenten der Osnabrücker Hochschulen kostenfreies Bus- und Bahnfahren ermöglicht, kostet für das Wintersemester 2019/2020 – also pro Halbjahr – bereits stolze 353,55 Euro (Universität Osnabrück) bzw. 344,75 Euro (Hochschule Osnabrück). Ein Großteil dieser zwangsweise von jedem Studierenden zu entrichtenden Kosten entsteht durch die Nahverkehrskosten in Höhe von 190,05 Euro für freie Fahrt in Osnabrück und Niedersachsen.

Hochgerechnet auf ein Jahr sind das 380,10 Euro nur für das von jedem Studierenden zu erwerbende Semesterticket, also knapp 15 Euro mehr als der Preis, den die SPD Osnabrück für das Azubi-Ticket fordert. Selbst wenn der eine Euro pro Tag nur symbolisch gemeint ist, es wäre schön gewesen, wenn sich die SPD bevor sie diesen Vorschlag veröffentlicht, mal angeschaut hätte, was für Kosten bereits jetzt von den Studierenden zu schultern sind – unabhängig davon, ob sie tatsächlich mit Bus und Bahn fahren.

Es gibt bereits ein günstiges Ticket für Azubis

Für junge Menschen und damit auch für Auszubildende gibt es von den Stadtwerken Osnabrück bereits ein extra Ticket: Das YoungAbo. Das Abonnement kostet monatlich 38,80 Euro, pro Jahr also 465,60 Euro. Das klingt nach viel Geld, und das ist es auch. Allerdings existiert neben Auto und Bus ein weiteres Fortbewegungsmittel, mit dem man sogar noch klimafreundlicher unterwegs ist: Das Fahrrad. Ein Fortbewegungsmittel, das einem großen Teil der Azubis den Weg von zu Hause bis zur Arbeit ermöglichen sollte.

Der größte Vorteil des bereits bestehenden YoungAbos der Stadtwerke: Niemand wird – wie bei den Studierenden – gezwungen dieses Ticket zu kaufen. Wer nicht in der Nähe seines Ausbildungsplatzes wohnt, kann das Abo abschließen – für 1,28 Euro pro Tag – und wer das Glück hat seinen Arbeitsplatz zumindest an trockenen Tagen mit dem Fahrrad zu erreichen, spart richtig Geld.

Lieber Fahrten für alle vergünstigen

Es stimmt – Studenten erhalten viele Vergünstigungen. Allerdings muss man sich auch vor Augen halten, dass sie dafür jedes Semester einen hohen Betrag zahlen. Auch wenn es zum Glück keine Studiengebühren mehr gibt, sind die zwangsweise von jedem Studierenden zu zahlenden Semestergebühren eine hohe Belastung, die oft einen Nebenjob notwendig machen und indirekt das Studium verlängern.

Die Einführung eines „Azubi-Tickets“ sollte man trotzdem nicht von vornherein ablehnen. Aber die Tatsache, dass Auszubildende im Regelfall Geld für ihre Ausbildung erhalten und die SPD noch ein Ticket für ganz Niedersachsen fordert, dass auch noch günstiger als das der Studenten sein soll, empfinde ich als Studentin schlicht und ergreifend ungerecht. Warum liebe Sozialdemokraten, setzt ihr Euch nicht dafür ein, dass die Stadtwerke ihr YoungAbo um freie Fahrt in ganz Niedersachsen ergänzen und billiger machen? Studierende und Azubis könnten es dann ganz nach Bedarf abonnieren – aber bitte freiwillig und nur dann, wenn es auch wirklich benötigt wird.

Tatjana Rykov
Tatjana Rykov verstärkt als Praktikantin das Team der HASEPOST.


 


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