Zugegeben, wenn es um den VfL geht, dann finden sich schnell ein paar „Experten“, wie mit bestehendem Kader und vermutlich deutlich weniger Geld der Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft werden könnte. Und auch wenn es um die Zukunft der SPD geht, deren Politik inzwischen von einstigen konservativen und grünen Mitbewerbern erledigt wird, werden sich auch außerhalb der Stammtische schnell Lösungen finden lassen. Flüchtlingskrise, Neumarkt oder die Zukunft des Osnabrücker Güterbahnhofs – eigentlich wissen wir es auch da doch alle besser. Was sind wir doch ein Volk von Experten!

Eine Bombe will zerstören und töten, nicht diskutieren!

Wenn es aber um Bombenräumungen geht, darf es keine Diskussion geben.

Einerseits sollte jedem klar sein, dass er mit einem patzigen „ich geh´ hier nicht weg“ nicht durchkommt, andererseits ist so eine mehrere Zentner schwere Weltkriegsbombe auch einfach keine Gegenstand, der langwierige Diskussionen zulässt.
Selbst wenn so eine Bombe ein Dreivierteljahrhundert im Osnabrücker Boden gesteckt hat, ohne sich ihrem eigentlichen Zweck – Tod und Zerstörung zu verbreiten – zu widmen, beginnt mit dem Moment der Freilegung ein Wettlauf mit der Zeit. Dieser Wettlauf, den die gut ausgebildeten Experten vom Kampfmittelräumdienst in der Regel gewinnen, kann aber auch mal verloren gehen.
2010 opferten drei Polizisten in Göttingen ihr Leben, weil so eine Bombe auch nach Jahrzehnten noch eine tödliche Waffe ist. Und in München sorgte eine Bombe, die bei einer kontrollierten Sprengung nicht wie geplant reagieren wollte, im Jahr 2012 für Schäden in Millionenhöhe.

Auch wenn in den oben genannten Fällen „nur“ Sicherheitspersonal und Material zu Schaden kam, sollte jedem klar sein, dass die Gefahr nicht abstrakt ist. Und dieses „nur“ vor „Sicherheitspersonal“ ist reichlich ekelhaft.
Denn diese Menschen, die in Göttingen sogar mit ihrem Leben bezahlten, sorgten zuvor bei hunderten ähnlichen Einsätzen dafür, dass nicht noch mehr passiert ist. Ihre Kollegen haben nach dem Unfall in Göttingen nicht etwa ihren Beruf aufgegeben, sondern waren am Montag gleich zweimal in Osnabrück im Einsatz, damit wir sicher weiterleben können.
Was steckt da für ein unerträglicher Egoismus hinter, wenn manche Anwohner aus Eversburg und Büren es am Montag für zu unbequem hielten zu Freunden, Verwandten oder in die kurzfristig eingerichteten Aufnahmemöglichkeiten auszuweichen, und es vorzogen sich in ihren Wohnungen und Häusern zu verstecken oder in der Dunkelheit dorthin zurückzuschleichen?

Auch wenn die Sprengung gestern Nacht „nur“ laut war und die Feuerwehr am Ende lediglich ein paar zerborstene Scheiben sichern musste, hätte durchaus mehr passieren können – siehe oben, Beispiel München oder Göttingen.
Aber auch so ist schon eine Menge passiert. Glaubt man den Mitteilungen des Osnabrücker Presseamts, kam es zu stundenlangen Verzögerungen, weil die teils freiwilligen Helfer des THW, der Feuerwehr und der Polizei keine vollständige Räumung des Evakuierungsgebietes melden konnten, sondern immer wieder in Diskussionen mit unwilligen Anwohnern verwickelt wurden.
So wurde die Sprengung nicht nur hinausgezögert, sondern auch die Geduld und die Nerven der Sprengmeister bei Temperaturen deutlich unter Null Grad unnötig strapaziert. Was wäre gewesen, wenn die stundenlange Verzögerung beim zuständigen Sprengmeister, der an diesem Tag sicher deutlich länger als 12 Stunden im Dienst war, zu einer zitterigen Hand oder einer fatalen Fehlentscheidung geführt hätte?

Abneigung gegen Lebensretter findet sich auch in der Lokalpolitik

Ein letzter Gedanke dazu: Dieses egoistische Verhalten, das gestern Nacht in Eversburg und Büren zu beobachten war, ist nicht auf Bewohner von Reihenhaussiedlungen und Mietwohnungen am Stadtrand beschränkt. Wir finden diesen Egoismus und eine seltsame Abneigung gegen Menschen, die sich für unsere Sicherheit einsetzen, auch immer häufiger bei tätlichen Angriffen gegen Lebensretter und selbst in vermeintlichen politischen Eliten.

So viel anders ist es nicht, wenn in Osnabrück ein pensionierter Verwaltungsmitarbeiter – unter Applaus der Grünen Ratsfraktion – das Sicherheitskonzept der Berufsfeuerwehr in Frage stellt und aus Kostengründen fordert die neue Feuerwehrwache im Osten der Stadt nicht zu bauen; verbunden mit dem Hinweis, dass man ja auch Freiwillige mit Motorrädern voraus schicken könnte, wenn es in Voxtrup, Lüstringen oder Schinkel-Ost  brennt und Menschenleben in Gefahr sind.

 

Symbolbild Weltkriegsbombe, Holger Weinandt, CC BY-SA 3.0