„Es ist, was es ist, sagt die Liebe – was es ist, sagt der Verstand“

Die Berliner Band MIA war 2003 mit ihrer Interpretation des Gedichts von Erich Fried eindeutig: Liebe kann mit dem Verstand nicht erfasst werden.
Und „Sünde“ kann die Liebe auch nicht sein, das wußte Zarah Leander schon in den 30er Jahren. Und „selbst wenn sie es wär, wär es egal“, resümierte die Leinwandlegende!

Verwaltung gegen die Liebenden der Stadt

Doch statt für die Liebe zu kämpfen, wie es unzählige Schlager als ehrenwertes Ziel nahelegen, will die Stadtverwaltung den zahlreichen Liebesschlössern an der Hase mit Trennschleifer und Bolzenschneider zu Leibe rücken.
Ein insgesamt 9-seitiges und akkurat mit Beispielbildern versehenes Dokument (Download hier als PDF), das den Antrag ergänzt, der in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstag zur Abstimmung gestellt werden soll, zeigt die angeblich zerstörerische Wirkung der Liebesbeweise auf die Brückenbaukunst der Stadt.

Wir fragen unsere Leser:

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In dem vom Fachbereich Geodaten und Verkehrsanlagen erstellten Antrag heißt es:

„In den vergangen Jahren ist es Mode geworden, an den Brückengeländern sogenannte Liebesschlösser anzubringen. Dies ist in Osnabrück auch an verschiedenen Brücken der Fall, insbesondere an der Angersbrücke, der Conrad-Bäumer-Brücke, der Brücke Öwer de Hase im Bereich Galeria Kaufhof und der Steganlage Haseuferweg zwischen Wittekindstraße und Heinrich-Heine-Straße.

Durch das Anbringen dieser Schlösser treten neben der optischen Beeinträchtigung durch sogenannte Rostfahnen auch Schädigungen der Stahlseile und der Verzinkungen durch Kontaktkorrosion auf. Im Bereich des Haseuferweges führt das Anbringen der Schlösser in Teilen auch zu Beschädigungen der einzelnen Litzen des Geländernetzes. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, die betroffenen Bereiche von den Schlössern zu befreien und die beschädigten Stellen zu reparieren. Aufgrund der unterschiedlichen Geländerkonstruktionen und Schadensbilder sowie der fehlenden Erfahrungen in diesem Bereich ist eine konkrete Kostenangabe kaum möglich. Der Aufwand wird zurzeit auf ca. 20.000 € geschätzt und ist aus der Brückenunterhaltung zu finanzieren.“

Liebesschloss, Öwer de Hase
Bedroht ein wenig Flugrost, hier an der Brücke „Öwer de Hase“, die Standfestigkeit Osnabrücker Brücken?

Die Brückenfachleute aus der Verwaltung machen auch gleich einen Vorschlag an die Politik, wie für Zustimmung bei den Liebenden der Stadt zu sorgen sei:

„Bevor der Abbau der Liebesschlösser erfolgt, wird die Verwaltung unter Beteiligung der Medien auf das Problem hinweisen und die vorgesehene Aktion öffentlich bekannt geben.“

Die Beteiligung der Medien übernehmen wir hiermit dankend.
Was allerdings gänzlich in dem vorliegenden Dokument fehlt, ist eine Berechnung des jährlichen Gesamtaufwands, sollte sich die Stadt für die Liebe und gegen den Bolzenschneider entscheiden.

In Zukunft patrouilliert das OS-Team mit Bolzenschneider?

Auch fehlen Ideen und Kostenschätzungen, wie gegen das erneute Anbringen von Schlössern vorgegangen werden soll.
Wird demnächst womöglich das OS-Team mit einem mitgeführten Bolzenschneider gegen die Liebenden der Stadt vorgehen und tägliche Kontrolltouren über die Brücken der Stadt durchführen? Auch derartige Maßnahmen gegen die Liebe kosten Geld.

Nicht zu Ende geplant und nicht durchgerechnet

Solange die Verwaltung hier nicht wirklich alle Kosten berechnet und sich auch Gedanken gemacht hat, wie denn ein Osnabrück aussieht, in dem die Liebe weniger zählt als gelegentliche Ausbesserungsarbeiten an Brückengeländern, kann man als Beobachter nur verwundert den Kopf schütteln.
Spätestens bei dem Gedanken daran, ob denn in Zukunft das neuerliche Anbringen von Liebesschlössern überhaupt verhindert werden kann, hätte an entsprechender Stelle diese Verwaltungsvorlage gestoppt werden müssen.
Dass diese Instinktlosigkeit aus dem Verantwortungsbereich von Stadtbaurat Frank Otte kommt, zu dessen letzten Höhepunkt seiner Amtstätigkeit vergangene Woche der eilige Abriss des Dreieck-Brunnens am Hauptbahnhof gehört, verwundert allerdings nicht.

Während die Liebesschlösser am von Erich Maria Remarque als Treffpunkt der Liebenden der Stadt mehrfach beschriebenen Herrenteichswall, also schon bald entfernt werden sollen, warten viele Osnabrücker noch auf die Renovierung der „Skateboardrampen“ am Rosenplatz.

Wie werden in dieser Stadt eigentlich Prioritäten gesetzt?

 

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