Die Abschaffung der Krippen- und Hortbeiträge in Osnabrück wird aktuell kontrovers diskutiert. Der Kita-Stadtelternrat (Kita-SER) begrüßt die geplante Maßnahme grundsätzlich, mahnt jedoch eine weitergehende Debatte an. Aus Sicht der Elternvertretung ist die Gebührenfreiheit zwar ein starkes Signal für Familien, aber nicht ausreichend. „Wir vermissen in der Debatte aber eine Diskussion zur Qualitätsverbesserung der frühkindlichen Bildung in Osnabrück“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.
Wertschätzung ja – aber was ist mit der Qualität?
Der Kita-SER erkennt die soziale Dimension der Entscheidung des Stadtrats ausdrücklich an: „Die Entscheidung des Osnabrücker Rats ist eine soziale Entscheidung, denn diese trägt zu einer finanziellen Entlastung von Familien bei.“ Gleichzeitig zeigt die Elternvertretung Verständnis für die Sorgen der Stadtverwaltung hinsichtlich steigender Kosten und drohender Platzknappheit – warnt jedoch vor einem einseitigen Blick: „Dennoch wünschen wir uns eine sachliche und wertfreie Debatte, bei der Eltern nicht unter Generalverdacht stehen, Betreuungsplätze über die Maße zu nutzen. Wir möchten zu einem wohlwollenden Blick auf Eltern ermutigen.“
Kinder müssen mitgedacht werden
Ein besonderer Appell richtet sich an die Politik, Kinder stärker in gesellschaftliche Planungen einzubeziehen – gerade im Zeichen des demografischen Wandels. „Das oberste Ziel sollte es daher sein, Kinder in einer alternden Gesellschaft politisch mitzudenken (El-Mafaalani et al. 2025) und gute Lebensorte für die Kinder zu schaffen.“
Der Kita-SER betont zudem, dass es bei der Diskussion um Gebühren nicht nur um Geld gehe, sondern um ein zentrales Kinderrecht: Bildung. „Zudem möchten wir darauf aufmerksam machen, dass es bei dieser Diskussion vorrangig um die Teilhabe der Kinder an frühkindlicher Bildung gehen sollte.“ Seit 2013 haben Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dieser demokratische Gedanke, der auf Friedrich Fröbel zurückgeht, müsse auch heute noch handlungsleitend sein.
Hält das Betreuungsangebot nicht mit dem Bedarf Schritt?
Die Sorge: Wenn das Betreuungsangebot nicht mit dem Bedarf Schritt hält, könnten insbesondere benachteiligte Familien ins Hintertreffen geraten. „Hier schließt sich die Frage an, wie bei einer ungenügenden Angebotsstruktur die Platzvergabe erfolgt und sich der sogenannte ‚Kita-Gap‘, also der ungedeckte Bedarf potentiell benachteiligter Familien (Huebener et al. 2023), nicht weiter verschärft.“
Der Kita-SER zieht ein klares Fazit: „Wir sehen grundsätzlich einen Mehrwert für die Osnabrücker Gesellschaft, wenn allen Kindern Zugang zu frühkindlicher Bildung ermöglicht wird.“