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Kein Aprilscherz: Wie in Osnabrück ein Radweg neu angelegt und dann wieder entfernt wurde

von Heiko Pohlmann 1. April 2022
von Heiko Pohlmann 1. April 2022
Pop-Up-Fahrradweg Osnabrück
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Ja, so ein Radweg ist schon eine feine Sache – im Kreuzungsbereich an der Vitischanze fehlte bislang noch geschützter Freiraum für Pedalritter. Doch kaum wurde ein erstklassiger Fahrradweg inklusive rotem Asphalt angelegt, da kamen auch schon die Fräsen und entfernten die frisch gemachte Radelpiste. Warum nur? Und wer bezahlt das?

Nein, es ist kein verfrühter Aprilscherz, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte, was da – nur wenige hundert Meter vom Büro der Bauverwaltung und des obersten städtischen Fahrradfahrers Frank Otte – in den vergangen Tagen passierte.

Irgendwann Ende vergangener Woche wurde mustergültig ein Stück Fahrradweg für die vom Hasetorwall nach rechts Richtung Erich-Maria-Remarque-Ring abbiegenden Fahrradfahrer angelegt. Ein Foto vom 23. März, das unserer Redaktion von einem Leser zugeschickt wurde, belegt, wie strahlend rot Osnabrücks neuester Radweg in der Frühlingssonne glänzt.

Und dann, keine Woche später, am 30. März folgendes Bild: Der wunderschöne neue Radelpfad weggefräst und damit buchstäblich dem Erdboden, oder besser dem Asphalt, gleichgemacht.

Markierungsunternehmer darf selbst über Aufträge entscheiden

Die Erklärung der Stadtverwaltung für diesen seltsamen Pop-Up-Fahrradweg ist folgende: Vom Osnabrücker ServiceBetrieb (OSB) wird regelmäßig im Frühjahr ein Unternehmen losgeschickt, zu malen und zu markieren, wo immer die Mitarbeiter der privaten Firma einen Bedarf sehen. Die Stadt bekommt dafür dann gut markierte Straßen, Zebrastreifen und Radwege und natürlich eine Dokumentation über die geleisteten Arbeiten sowie eine Rechnung dafür.
Auf der Suche nach lohnenden Stellen, wo der Pinsel angesetzt und womöglich auch roter Asphalt verspritzt werden kann, gelangte wohl nun ein Arbeiter besagter – aber von der Verwaltung nicht namentlich benannter – Firma an die Hasetor-Kreuzung und lieferte der Stadt und den örtlichen Radfahrern das ganz große Programm. Schick sah es ja auch aus.

2017 wurde der Fahrradweg durch Frank Otte entfernt

Was die ausführende Firma wohl nicht wusste: Der Abbiegewinkel ist an dieser Kreuzung derart ungünstig, dass größere LKW oder Busse in den scheinbar sicheren Bereich des Radweges hineinragen. Nach Angaben des städtischen Sprechers haben die Mitarbeiter von OSB und Bauverwaltung diese Kreuzung als potentielle Unfallstelle immer im Auge und waren selbst sehr überrascht, dass da vergangene Woche plötzlich wieder ein Fahrradweg entstand, der dort 2017 aufwändig entfernt worden war.

Hasetorwall, Radfahrer, Osnabrück, Schild

Seit 2017 leitet dieses Schild die Radfahrer um. Quelle: Stadt Osnabrück, Matthias Drees

„Um Radfahrern durch die Furtmarkierung keine Sicherheit zu suggerieren, die faktisch nicht vorhanden ist, wird sie entfernt“, erläuterte Stadtbaurat Frank Otte im November 2017. Seinerzeit wurde am Hasetorwall ein Schild aufgestellt, dass die Radfahrer dazu auffordert, über den Vitihof und die Hasestraße zu fahren, um zum Erich-Maria-Remarque-Ring zu gelangen.

Kommentar des Redakteurs

Fehler können passieren und in diesem Fall wurden sie auch schnell wieder korrigiert. Nach Angaben der Stadtverwaltung wird die unnütze Markierung sowie das anschließende Entfernen der Stadt und damit dem Bürger auch nicht in Rechnung gestellt.

Allerdings wirft dieser Fall ein paar Fragen zur Auftragsvergabe der öffentlichen Hand auf. Wie kann es sein, dass ein Privatunternehmen scheinbar nach eigenem Gutdünken in der Osnabrücker Innenstadt herumkurvt und sich selbst den Auftrag für zu erledigende Arbeiten gibt?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – das sollte insbesondere dann immer gelten, wenn das Geld anderer Leute (hier der Steuerzahler) ausgegeben wird. Und diese Kontrolle bitte nicht erst beim Bezahlen der Rechnung, sondern auch bei der Auftragsvergabe.
Gerade im chronisch klammen Osnabrück, vor dem Hintergrund von Corona- und Ukraine-Krise, könnte manch eine Fahrbahnmarkierung vielleicht auch noch eine Saison länger auf einen Refresh warten.
OK, dann müssten in der Bauverwaltung vielleicht andere Projekte wie Fahrradabstellschränke oder Zählanlagen etwas länger auf die Verwirklichung warten.
Aber halt, scheinbar hat ja die Bauverwaltung die Abwicklung von Straßenmarkierungen an das städtische Tochterunternehmen OSB abgegeben. Warum eigentlich? Auch eine Vergabe über mehrere Instanzen hinweg sorgt nur für unnötige Kostensteigerungen und vor allem auch Intransparenz – bezahlen soll das dann wieder der Bürger. So bitte nicht!

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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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