Kallas Kolumne Kallas Kolumne: Wer schützt mich vor mir selbst?

Kallas Kolumne: Wer schützt mich vor mir selbst?

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Denkt an den Selbstschutz!

Was mir bei all den Ratschlägen und Hinweisen in Bezug auf Vorsichtsmaßnahmen immer wieder auffällt: Niemand berichtet über die grassierende und wachsende Gefahr der Selbstansteckung!
Damit meine ich natürlich nicht so etwas Profanes wie eine Selbstansteckung, um für eine schnellere Durchseuchung zu sorgen, was ja nichts anderes ist, als sich auf freiwilliger Basis mit dem Coronavirus zu infizieren, und verdächtig an spinnerte Masernpartys entrückter Vollblutesoteriker erinnert.

Ich meine die echte Selbstansteckung, die nämlich offenbar völlig unterschätzt wird.
Ich halte deshalb seit drei Wochen immer zwei Meter Abstand zu mir und gebe mir auch so gut wie nie die Hände, die ohnehin rund um die Uhr in hautfarbenen Latexhandschuhen mit langem Schaft stecken.
Zum Glück hatte ich noch eine komplette Zwölferpackung FFP2-Masken* im Haus, die ich mir vor etwa zwei Jahren fürs Fußbodenschleifen im Internet für unter 10,00 € inklusive Porto bestellt hatte. Mittlerweile kostet eine einzige dieser Masken derselben Firma 25,00 € plus Porto.

Zum Schleifen ist es offenbar nie gekommen und nun bin ich heilfroh, mich vor mir selbst schützen zu können. Andere beten, ich stülpe mir lieber Maske und Handschuhe über, um mit den täglichen Bedrohungen des Virenalltags zurechtzukommen.
Das Tragen solch einer Maske hat noch viele andere Vorteile: Sie bewahrt mich in diesen rückfallgefährdenden Zeiten auch davor, nach zwanzig Jahren wieder mit dem Rauchen anzufangen, in der Nase zu bohren oder dem Alkohol zu verfallen.

Foto: Selfie in der Isolationshaft

Um immer einen korrekten Abstand zu mir einzuhalten, gehe ich mit meinem exakt zwei Meter langen Zollstock, von dem ich mir gestern dank wieder geöffneter Baumärkte ein Dutzend als Ersatzabstandshalter gekauft habe, nicht nur durchs Haus und Garten, sondern auch durch den Supermarkt.

Bei Lidl oder Aldi muss ich ihn hin und wieder wie ein Florett einsetzen und habe extra eine Seite etwas angespitzt, was mir bei der allgemeinen Warenbeschaffung im verbotenen Nahkampf zwischen den Regalen enorme Vorteile verschafft. Aber mit der Maske, die ohnehin wie eine altertümliche Fechtmaske wirkt, den überlangen Latexhandschuhen und dem biegsamen Holzflorett möchte ich mir, bei aller Selbstliebe, nicht mal im Dunklen begegnen.

Dass ich dank selbsterteilter Verhaltensregeln Tag und Nacht Abstand zu mir und anderen Bekloppten halten muss, macht mir nichts, denn ich bin ohnehin gern allein und versuche sogar, diese befremdliche Zeit irgendwie zu nutzen und zu genießen. So entschleunigt leben wir doch sonst nur während der Weihnachtstage und deswegen gibt es bei mir nun jeden Tag Bescherung. Und das Schönste daran ist: Ich schalte mich dann per skype selbst zu und freue mich über die mir so vertraute Gesellschaft.
Wenn das zugeschaltete Ich zur Begrüßung sagt: „Ich bin nicht schizophren“, und wir dann aus einem Mund sagen: „Ich auch nicht“, dann fühle ich mich so im engsten und vertrautesten Familienkreis mit meinem Alter Ego und mir und mit dem stets präsenten angespitzten Zollstock, der FFP2-Maske und den überlangen Latexhandschuhen wirklich sicher und geborgen.

Ob mir wegen der Isolationshaft nicht allmählich die Decke auf den Kopf falle, frage ich mich immer wieder am Telefon. Nein, schließe trage ich längst einen Aluhut, und falls doch, werde ich sie einfach weiß streichen, mir völlig zwanglos meine weiße Jacke mit den langen Bändern anlegen und Ich + Ich hören. Außerdem freue ich mich schon so kurz nach Weihnachten auf den nahtlosen Übergang zu Ostern.

Trösterchen: Auch wenn die Zukunft ungewiss ist, so ist sie doch gewiss.

*Bevor hier jemand seine Bedenken bezüglich der FFP2-Masken äußert: Ich habe sämtliche Filtering-Face-Piece-2-Masken bis auf eine der Polizeiwache Winkelhausstraße gespendet.

Kallas Kolumnen aus dem Jahr 2019 gibt es auch als Buch

 

 

 

 

 

 

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Kalla Wefel.


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Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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