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Kallas Kolumne: Wenn Neoliberale nach dem verhassten Staat rufen oder die Ideen des Merz

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Die Corona-Globalisierung

Die Corona-Krise ist ein weltweites Problem und weltweit werden auch Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus’ getroffen. Das Virus ist wider Erwarten keine Erfindung von Angela Merkel! Auch wenn das unglaublich klingen mag.
“Aber man wird doch noch mal sagen dürfen, dass …”
Ja, dann macht es doch! Verbietet euch doch keiner! Sagt doch, was ihr wollt! Eure offenbar unstillbare Sehnsucht nach einer Diktatur, damit sich eure Wahnvorstellungen erfüllen, wird jämmerlich scheitern, damit müsst ihr euch abfinden. Wir leben nämlich, ob ihr es glaubt oder nicht, in einer Demokratie, die selbst Reichsbürger, Xavier Naidoo, KenFM und andere Schwachköpfe ertragen kann.

(c) Guido Kühn – www.guidos-welt.de

Das Corona-Virus ist also kein deutsches Problem, keine deutsche Erfindung und schon gar nicht ein Problem von aufgeblasenen Wichtigtuern wie Kubicki oder Merz, die Angst haben, endgültig in Vergessenheit zu geraten.
Es gibt kaum etwas Gutes an dieser – ich wiederhole mich – immer noch weltweiten Krise, aber kaum ein Land managt sie besser als unseres, auch wenn das ständigen Nörglern nicht in den verschwörerischen Kram passt.
Zur Zeit wird von der Bevölkerung vom Staat in allen Bereichen Unterstützung und umgekehrt viel Solidarität verlangt. Zwei Dinge also, die für die Turboneoliberalen Kubicki, Lindner oder Merz unter “normalen Bedingungen” bereits ein Horrorszenario sondergleichen darstellen dürften.
Nun schreit die Wirtschaft aber wieder einmal an allen Ecken und Enden nach staatlichen Hilfen, die sie doch sonst aus tiefstem Herzen ablehnt oder zumindest so niedrig halten möchte, wie es ihre Geringschätzung gegenüber der Unterschicht gerade noch zulässt.
“Lasst uns den Sozialstaat endgültig abschaffen!”, fordert Friedrich Merz verklausuliert in einem Interview mit der Mittelstands- und Wirtschaftsunion: “Es muss der Bevölkerung vermittelt werden, dass die Eigenverantwortung der Unternehmen, aber auch die eigene Verantwortung der Arbeitnehmer in Deutschland sukzessive wieder im Vordergrund steht. Der Staat kann nicht auf Dauer eine paternalistische Haltung einnehmen. Wir müssen uns damit abfinden, dass viele Dinge nicht mehr selbstverständlich sind. Das geht bis hin in den Bereich der sozialen Leistungen, die man neu justieren muss, damit klar wird, dass man den wirklich Bedürftigen helfen muss, aber eben nicht allen helfen kann.”

Verkehrte Welt

Der Staat soll nun unverhofft mit Riesensummen für die Wirtschaft das tun, was er für das gemeine Volk seit Jahren als lästige Aufgabe stets nur nebenbei erledigt hat.
Von staatlichen Autokaufprämien ist plötzlich die Rede und die gab es ja schon einmal: sozialisierte Verluste, privatisierte Gewinne. Wenn die Gewinne anteilmäßig beim bösen Staat verbleiben würden, der sie dann in die Sozialsysteme fließen ließe, wäre das sicherlich eine überlegenswerte, weil gerechtere Lösung.
In Dänemark sind Unternehmen, die Dividenden auszahlen, eigene Anteile zurückkaufen oder in Steueroasen registriert sind, von Corona-Staatshilfen übrigens komplett ausgenommen. Gute Idee.
Gilt das auch für die aktuellen Staatshilfen für Adidas und all die anderen urplötzlich am Hungertuch nagenden Milliardenkonzerne? Werden diese Staatshilfen abgeschafft und die Konzerne in ihre unternehmerische Freiheit entlassen? Besonders rührend ist es, wenn manche Konzerne Dividenden ausschütten, während sie Staatshilfen beziehen und gleichzeitig etwas von sozialer Verantwortung palavern.

Wie geht es weiter?

Keine Ahnung, das weiß niemand genau. Doch ausgerechnet die westlichen Länder, die über ein relativ gut funktionierendes Sozialsystem verfügen, werden voraussichtlich aus dieser Corona-Krise mit den geringsten Schäden hervorgehen: Die skandinavischen Länder, Österreich, Deutschland, Holland und Israel.
Englands jahrzehntelanger Kahlschlag sozialer Errungenschaften bringt die Insel samt ihrem rechtspopulistischen Boris Johnston arg in die Bredouille und eine Bitte um Wiederaufnahme in die EU wäre zwar fast zwingend logisch, aber mit Logik darf man solch einem dumpfbackigen und machtgierigen Trumpverschnitt ohnehin nicht kommen.

Die einst so mächtige USA, wo allein die Erwähnung des Wortes „sozial“ schon fast zur Lynchjustiz oder zumindest zur Einlieferung in die nächste Heilanstalt führt, ist wirtschaftlich kurz vor dem totalen Zusammenbruch. Soziale Unruhen sind vorprogrammiert. Zu verdanken ist das alles dem sozialen Kahlschlag und dem beratungsresistenten und an Unbildung nicht mehr zu übertreffenden Präsidenten, der in seinem Nebenjob als selbst ernanntes medizinisches Genie das Injizieren von Desinfektionsmitteln vorschlug. Dass sich Idioten für Genies halten, ist nichts Ungewöhnliches.

“Die Situation ist voll unter Kontrolle”, behauptete Putin im Trump-Speech per Videobotschaft zum orthodoxen Osterfest. Die russische Gesellschaft sei angesichts der Bedrohung, die alle treffe, geeint. Zuvor hatten die russischen Behörden am Sonntag einen Rekordanstieg neuer Infektionen um 6060 binnen eines Tages auf 42.853 Fälle insgesamt gemeldet – mittlerweile 134.687.

Alles Lüge!

Nun, ihr Hyperinformierten von der Dunning-Kruger-Youtube-Universität: Den Angaben der öffentlich Rechtlichen und der deutschen Lügenpresse kann man ja nicht über den Weg trauen, richtig? Dafür sind die Iswestija, RT Deutschland, Sputnik oder KenFM wenigstens so glaubwürdig wie Fox-News, die Peking Rundschau oder Grimms Märchen.

Einen Vorteil hat diese Corona-Krise vielleicht dennoch: Impfgegner, Homöopathen und die AfD finden zwar nur noch als Irrläufer in den Kommentarspalten von Facebook oder Twitter statt, aber wieso wird bei den ganzen Verschwörungstheoretikern, die sich mit an Schamlosigkeit grenzender Dämlichkeit in den sozialen Medien herumtummeln, eigentlich nicht der wahre Schuldige benannt?
Das ist nämlich der von ihnen so geschätzte Friedrich Merz!
Der ist der Aufsichtsratsvorsitzende des Toilettenpapierherstellers WEPA!
Und dass ein Pharmariese “Merz” heißt, das alles kann doch kein Zufall sein!
Isso!!!2!!1 Das muss man doch wissen!2211111!!!!!

Eine tolle virenfreie Woche wünsche ich allen, Kalla Wefel

 

PS: Anhang nur für aufgeklärte Corona-Leugner! Bitte ausdrucken und ausschneiden!

Kallas Kolumnen aus dem Jahr 2019 gibt es auch als Buch

 

 

 

 

 

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Als Kommentar, Kolumne, Meinungsbeitrag oder Satire gekennzeichnete Beiträge geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

 


Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit "Der VfL in der Saison 2019/20" hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Autor sowie als Kabarettist und Musiker.

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