Kallas Kolumne Kallas Kolumne: Viel Lärm um nichts ...

Kallas Kolumne: Viel Lärm um nichts …

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Viel Lärm um nichts …

Zur Zeit sind ja Streams mit kurz vorm Hungertod stehenden Künstlern sehr beliebt, wenn diese mit letzter Kraft bei youtube ihre Durchhalteparolen ins Netz hauchen. Mittlerweile kommen sogar erste Zweifel an den künstlerischen Ambitionen einer Person auf, wenn sie eine solche Botschaft zur Rettung der Kultur noch nicht verfasst hat. Kurz vor meinem drohenden Ableben als brotloser Künstler bekam ich endlich eine Einladung von dem Online-Giganten “Kattenvenne bei Nacht“. Gage: Ein Sack Kartoffeln “Sieglinde” und sonst nichts

“Also, Kalla, fällt dir noch was ein, was mal nichts mit Corona zu tun hat? Also irgendwas anderes außer deinem ewigen Herumhacken auf Randgruppen? Ich meine, wenn wir was machen, dann bring bloß nichts über Schwule, Lesben, Behinderte, Kampfhunde, Frauen, Skat- und Kegelbrüder, also über Männer als solches, Ausländer oder andere Minderheiten!”
Als ob ich jemals Witze über schwule Lesben gemacht hätte. Na gut, über Kegelbrüder mit Migrationshintergrund und biodeutsche Skabrüder schon, das gebe ich sogar zu, aber ganz harmlose nette Witze, aber ganz bestimmt noch nie welche über schwule, behinderte Kampfhunde. Also, dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein.
“Ach, und deine billigen sexistischen und antiklerikalen Sprüche lass bitte auch weg. Die kann kein Mensch mehr hören.”
“Also nichts gegen Religionen und auch nichts gegen Frauen oder andere Randgruppen?”, erkundigte ich mich zurückhaltend und schon fast besorgt um den Erhalt schlichten Humors.
Nichts!“, antwortete Kattenvenne bei Nacht im barschen Ton.
“Dann habe ich aber nichts“, hätte ich fast geantwortet, bin dann aber coronageläutert in mich gegangen, denn nichts ist unmöglich und immerhin winkte am Ende des Tunnels Sieglinde (auch Kartoffeln kann man sich schönreden).

Ich soll mir also was einfallen lassen, bloß nichts mit Corona.
Tja, und nun steh’ ich vor dem Nichts.
Ich hab’ nichts.
Absolut nichts.
Und wo ich gerade dabei bin: Was ist das eigentlich, das Nichts? Ich meine, schließlich schuf auch Gott die Erde aus dem Nichts. Woran man wieder mal erkennt: Aus Nichts wird Nichts.
Mein humanitäres Motto zwischenmenschlicher Koexistenz lautet schon immer: “Nichts erwarten und dennoch gespannt sein.”
Obwohl Schiller rumposaunte: “Nichts ist unbedeutend”. Doch wie meinte Schiller das nun, dass das Nichts unbedeutend ist oder dass nichts unbedeutend ist?
Sein Kumpel Goethe hingegen sagt in Faust II: “Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.” Na, dann habe ich doch lieber das Nichts, nämlich den Ruhm.
“Wir sind ein Nichts“, meinte Hölderlin, “was wir suchen ist alles.” “Das Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas”, hielt Christian Morgenstern  dagegen. Ja, was denn nun? Alles oder etwas oder nichts?
Nichts ist langweiliger als das ewige Zitieren, nur weil einem selbst partout NICHTS einfällt”, das sagte … na, wer denn wohl …?
Na, ich habe das gesagt. Wenngleich der großartige US-Komödiant Danny Kaye es einst richtig auf den Punkt brachte: “Ein Komiker ist ein Mensch, der nichts ernst nimmt.” Also sollte man nichts endlich mal ernst nehmen.
Und der alte Haudegen Karl Valentin ergänzt: “Sicher ist, dass nichts sicher ist.” Also dann bin ich doch lieber auf der sicheren Seite und schon wieder beim Nichts.
Ach, ich fürchte, das wird mal wieder nichts, denn “der Prophet gilt eben nichts in seinem Vaterlande”, wie bei Matthäus zu lesen ist. Und Lothar weiß zwar nichts, aber das immerhin ganz genau.

Seht ihr, auch wenn ihr von dieser Kolumne nichts verstehen oder behalten werdet, so könnt ihr doch immerhin sagen: “Ich kann mich an nichts erinnern und habe nichts dazugelernt.” Auch daran hätte ich dann nichts auszusetzen, denn wie Sokrates weiß ich, dass ich nichts weiß, und genau das, also nichts, hat er seinem Schüler Platon beigebracht.
Ach, ich lass das jetzt, da kommt eh nichts bei raus, denn wie sagte schon Aristoteles: “Von nichts kommt nichts.”
Also steht der nächsten Hetze im Internet nichts im Wege. Nun, ich will nichts gesagt haben – für Statistiker übrigens – Moment: Nichts, nichts, nichts, nichts, nichts – jetzt mittlerweile schon 50-mal –, und nichts und niemand kann mich davon abhalten.

NICHTS UND NIEMAND?
Nichts ist klar, aber wer ist Niemand? Ich habe mit der Sache nichts zu tun.
Ich habe hier ohnehin nichts verloren, zumal mir nichts in den Schoß gefallen ist.
Nichts hören, nichts sehen und ihr solltet euch heute einfach mal auch nichts sagen lassen: “Nichts. Nichts. Nichts!“ Dreimal hat das nun geklappt, obwohl das jetzt nichts zur Sache tut und ohnehin nichts für fremde Ohren ist.
Ihr habt jedenfalls nichts zu lachen, und wisst ihr was? Ich mach mir nichts daraus, denn nichts ist mir fremd. Ich halte ohnehin nichts davon. Wie sagte schon Moses: “Sechs Tage sollt ihr es sammeln, aber am siebten Tag ist Sabbat, da gibt es nichts.” Also muss ich mich nur noch fünf Tage gedulden, um endlich nichts zu bekommen und einen Sack Kartoffeln “Sieglinde”.
Und wer nichts weiß, muss sowieso alles glauben, denn er steht vor dem Nichts, aber das passiert schon mal, wenn einem nichts einfällt. Macht doch nichts, denn nichts ist mir zu blöd, aber immerhin habe ich von nichts ‘ne Ahnung: Wenn nichts so bleibt, wie es ist, dann ändert sich auch nichts, denn nichts ist so, wie es scheint.
Also nichts für ungut und gebt nie auf, das bringt nämlich nichts, zumal Monty Python die ‚nichtsbewusste‘ Weltformel zur Lösung aller Fragen gefunden hat: „Du kommst aus dem Nichts. Du gehst ins Nichts. Was hast Du zu verlieren? Nichts!“

Eine glückliche Woche ohne Corona, Xavier Naidoo und Verschwörungstheorien wünscht euch Kalla

Kallas Kolumnen aus dem Jahr 2019 gibt es auch als Buch

 

 

 

 

 

 

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Kalla Wefel.


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Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit "Der VfL in der Saison 2019/20" hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Autor sowie als Kabarettist und Musiker.

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