Kallas Kolumne Kallas Kolumne *aktuell*: Warum Geisterspiele auf den Geist gehen...

Kallas Kolumne *aktuell*: Warum Geisterspiele auf den Geist gehen …

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Endzeitgedanken schon vor dem Spiel …

Die Alm ist heute auch ohne Zuschauer ausverkauft und selbst der im Hinspiel durchgezogene Stimmungsboykott der Ultras würde für nahezu prickelnde Stadionatmosphäre sorgen, zumal diese bei einem solchen Derby ja immer etwas ganz Besonderes sein soll, wie auch sämtliche Sky-Reporter zu betonen wissen …
… also früher einmal …
… also bis vor ein paar Tagen jedenfalls …
… also zumindest bis gestern noch …
Doch dieses Mal ist sie, die viel beschworene Atmosphäre, von allen guten Geistern verlassen. Hier regiert heute während des Spiels weder die Arminia noch der VfL, sondern einzig und allein die von Sky und der DFL hervorgerufene Tristesse.
Dieses Spiel hat nicht einmal einen sportlichen Wert, denn das Ergebnis ist letztendlich völlig bedeutungslos, da die Saison ohnehin nicht zu Ende gespielt werden kann.

Die Leere im ausverkauften Stadion wird schier unerträglich sein …

Und wenn man sich schon jetzt nach dem Schmähgesang “Lila-weiße Affenscheiße” der einfallslosen Arminen-Fans vom Hinspiel zurücksehnt, dann ist da etwas völlig aus dem Ruder geraten im deutschen Coronenfußball, und zwar komplett und endgültig.
Kurz:
Hört sofort mit dieser entsetzlichen Affenscheiße auf, bevor sie überhaupt richtig beginnen kann!
Was soll so etwas?
Ach, und noch etwas: Da fehlt schon gar nicht das Salz in der Suppe, wie es immer wieder und überall zu lesen ist! Was für ein saublöder Vergleich, denn das Publikum und der Fußballsport selbst mitsamt seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung und Bedeutung sind gemeinsam die Suppe, von mir aus auch die Hochzeitssuppe, und das Salz liefern die Mannschaften, mal zu schwach, mal genau richtig und mal versalzen.

Alm in Bielefeld
Bielefelder Alm, Foto von “Andy1982”, CC BY-SA 3.0

Geisterspiele sind nur etwas für Sky und die DFL,
denn sie haben diese elenden Geister erst gerufen.

Geisterspiele sind der schleichende Tod der beliebtesten Sportart der Welt, so aufregend wie ein leerer Pappkarton und für die Pflege sozialer Kontakte so nützlich wie eine Teilnahme bei Germany’s next topmodel oder DSDS.
Am liebsten würde ich heute Abend im Stadion aufstehen und laut brüllen: “Hört endlich auf mit dieser unfassbar dämlichen Scheiße, die den Fußball und seine Fans zum widerlichen Nichts degradiert!” Aber das ist vermutlich selbst mir zu peinlich, obwohl es kaum jemand mitkriegen würde.
Warum ich dennoch nach Bielefeld fahre? Weil ich dieses eklige Schauspiel einfach mal am eigenen Leib erfahren möchte.
Es ist dieselbe Faszination vor dem Bösen, vor dem Irrsinnigen und dem Unglaublichen mit der ich das “Dschungelcamp” oder das “Sommerhaus der Stars” bestaune und mir danach sage: So viel Peinlichkeit und Blödheit kann es doch gar nicht geben, aber Sky belehrt mich nun eines Besseren.
Und vielleicht wird es ja doch noch spannend und die Spieler müssen während der Halbzeitpause in der ersten Almprüfung Insekten verschlingen oder zumindest Gras fressen.
Und ich bin dabei!

Und ich wünsche nicht nur mir, sondern allen einen schrecklich-unvergesslichen Abend, Kalla

PS Aktuelle Meldung aus dem Corona-Hauptquartier:
Der VfL wird nun von der DFL und vom DFB gezwungen, die Stadionkapazität der Bremer Brücke bis zum 01.07.2020 auf 1.000 Zuschauer zurückzubauen.
Hier ein erster Planungsentwurf nach der neuen Machbarkeitsstudie von 1934:

Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen, Himmel und im Freien


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Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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