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„innovate!“ Convention versammelt Startups und Größen der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft aus ganz Deutschland in Osnabrück

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Kann man die Zeugungsfähigkeit von Tieren und Menschen per Künstlicher Intelligenz bestimmen? Lässt sich das Bienensterben durch Drohnen verhindern und welche Möglichkeiten gibt es, um den Antibiotikaeinsatz bei Schweinen zu reduzieren?? Die „innovate!“ gibt Startups eine Bühne, um ihre innovativen Ideen in die Welt zu tragen. Gründer treffen auf den etablierten Mittelstand, Startups auf Investoren.

Mit mehr als 1.000 Teilnehmern und über 35 Rednern hat die innovate! in diesem Jahr eine neue Dimension erreicht. Im letzten Jahr verdoppelte sich die Veranstaltung mit dem Fokus auf Food & Agrar bereits, in diesem Jahr ist die innovate! zur zentralen Vernetzungsplattform für Innovationen in der Branche geworden. „Wir haben uns als Startup-Region in Deutschland thematisch fokussiert und sind damit so erfolgreich wie nie. Mit den Themen Food, Agrar und Digitalisierung können wir, und unsere Region, deutschlandweit für Aufmerksamkeit sorgen“, sagt Wolf Goertz, Initiator der innovate!. Mitveranstalter Florian Stöhr sagt: „Der überragende Erfolg unserer Veranstaltung zeigt, dass das Interesse und die Bereitschaft von Startups und Mittelstand da ist, zu kooperieren. Es braucht aber noch mehr Bereitschaft, in tolle Ideen zu investieren. Das notwendige Geld ist vorhanden.“


Startups konnten sich für die innovate! Awards bewerben, die in den drei Kategorien „Digital Innovation Challenge“, „German Agri Startup“ und „German Food Startup“ vergeben werden. Von mehr als 70 Bewerbungen aus ganz Deutschland wählte die Jury die sechs besten Projekte aus, die am Donnerstag im Finale gegeneinander antreten durften. Im Fokus standen dieses Jahr vor allem umweltbewusste und nachhaltige Ideen. Pro Award traten sich zwei Startups gegenüber. Diese hatten jeweils sieben Minuten Bühnenzeit, um das Publikum von ihrer Idee zu überzeugen. Per Smartphone-Live-Abstimmung wählten die Zuschauer dann das aus ihrer Sicht beste Produkt. Als Preis lockten jeweils 5000 Euro.

Wer ist das beste deutsche Food-Startup?

Um den Preis für das beste (deutsche) Food-Startup kämpften die Firmen Wisefood und Zveetz, die umwelt- und gesundheitsbewusste Produkte präsentierten. Wisefood bietet eine Alternative zum Plastik-Trinkhalm, der sich länger als ein Papiertrinkhalm im Getränk hält und essbar ist, ohne dabei einen Eigengeschmack an das Getränk abzugeben. Der Gewinner Zveetz produziert vegane, zuckerfreie Fruchtgummis und Desserts aus dem Zuckerersatzstoff Erythrit, die nicht nur für Diabetiker geeignet sind, sondern auch andere Konsumentengruppen begeistern sollen. „Sugar is the new tobacco – Nur ist Tabak erst ab 18 Jahren erhältlich wohingegen Kinder schon von klein auf dem Zucker ausgesetzt sind“ sagte Christian Krause, der Gründer von Zveetz, und überzeugte das Publikum damit. Zugleich will das Startup Teile der Einnahmen in Ernährungsprogramme bedürftiger Kinder investieren.

Der German Agri Startup Award für Innovationen im landwirtschaftlichen Sektor ging an das junge Osnabrücker Startup Farmerscent. Die Gründer haben einen Zerstäuber entwickelt, welcher u.a. ätherische Öle vernebelt, um den Stress von Nutztieren zu minimieren. Das Team setzte sich gegen die Gründer von SAM durch, die mit drohnengestützter Bodenkartografie den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern möchten.

Preisübergabe Digital Innovation Challenge – v.l.n.r.: Stefan Muhle (Kuratoriumsvorsitzender und Staatssekretär im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium), Siegerin Eva Schobert, Wolfgang Griesert (Oberbürgermeister von Osnabrück) / Foto: Simone Reukauf

Um die niedersächsische Digital Innovation Challenge konkurrierten zwei Medizin-Startups. Die Firma img.ai zählt mithilfe Künstlicher Intelligenz die Spermienanzahl auf Kamerabildern von Mikroskopen. Sie wollen so deutlich schneller die Fruchtbarkeit bestimmen als durch Laborpersonal – fünf statt 45 Minuten. Am Ende setzte sich aber die junge Ärztin Eva Schobert durch, die mit ihrem Team eine App auf Rezept entwickelt hat, die Betroffenen bei orthopädischen Beschwerden individuelle Trainingsanleitungen vermittelt. Bislang mussten solche Ansätze von Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden. Durch eine Gesetzesinitiative von Gesundheitsminister Jens Spahn sind nun auch digitale Hilfsmittel rezeptierbar und damit erstattungsfähig. Hier ist Herodikos ein Pionier im Bereich der Orthopädie.

Am Vorabend der Awards trafen sich die 23 nominierten Startups mit Kuratoren und Investoren zur Feedbacknight im Osnabrücker Seedhouse, dem Startup-Accelerator der Agrar- und Ernährungswirtschaft, in dem sich 28 bekannte Größen der Branche und regionalen Wirtschaft engagieren. Die Gründer bekamen die Gelegenheit vor einem exklusiven Publikum ihre Ideen zu präsentieren und konstruktive Kritik zu erhalten. Eine Jury aus Wissenschaftlern, Bankiers, Familienunternehmern und institutionellen Investoren wählten die sechs besten Ideen für das innovate! Pitch-Finale aus. Auch wer nicht gewann, konnte so wertvolle Kontakte knüpfen. Erik Wittkorn, Investor im Seedhouse sagte: „Wir wollten den Investoren und den Startups einen persönlichen Rahmen bieten, um sich zu vernetzen und gegenseitig besser kennenzulernen. Durch das Auswahlverfahren wollten wir die Wertigkeit der Beiträge steigern.“

Mit Technologie aus Niedersachsen die Welt ernähren

Jurymitglied und Niedersächsischer Staatssekretär für Digitalisierung Stefan Muhle, sieht das Potenzial der Neugründungen: „Bereits heute wird mit Technologien aus Niedersachsen die Welt ernährt. Unsere Region braucht sich vor dem Silicon Valley nicht zu verstecken.“ Für Jurymitglied Prof. Dr. Karin Schnitker von der Hochschule Osnabrück erhöhe die innovate! bei motivierten Studenten die Bereitschaft zu gründen: „Viele Studenten widmen sich dem Thema Nachhaltigkeit und wollen mit ihren Ideen die konventionelle Landwirtschaft verändern.“

Beim „Farmhack“, einem kooperativen Entwicklungswettbewerb in Zusammenarbeit mit Fraunhofer Ventures, sollten junge Programmierer und Agrarwissenschaftler innerhalb von rund 30 Stunden konkrete Lösungen für zehn Herausforderungen von Hochschul- und Industriepartnern entwickeln. Insgesamt 7000€ gab es für die Teilnehmer zu gewinnen, dabei entstanden zum Beispiel ein automatisches Bestellsystem für Futtermittelsilos, eine Blockchain für Landwirte zur Verwaltung von Daten aus der Schweinezucht sowie ein sensorgesteuertes Herdenmanagement für Milchkühe.

Neben Preisverleihung und Workshops sprachen auf der innovate! auch bekannte Unternehmer, Experten und Gründer. Der amerikanische Buchautor Jay Tuck machte in seinem Vortrag deutlich, dass Künstliche Intelligenz nicht nur Gefahren birgt, sondern in der Landwirtschaft zum Wohle von Mensch und Umwelt eingesetzt werden kann, beispielsweise durch eine zielgenaue Anwendung von Herbiziden auf einzelne Pflanzen. Der erfolgreiche Unternehmer und Landwirt Michael Horsch appellierte an das Publikum in der Ernährung umzudenken. Nicht allein die Optimierung von Tier und Pflanze dürfe im Mittelpunkt der Landwirtschaft stehen.

Region profitiert von Startups

Auch der ehemalige Nationalspieler und HSV-Präsident Marcell Jansen inspirierte in einem Live Podcast die Zuschauer mit seinen Erfahrungen als Investor und Mitgründer mehrerer Food Startups. Gastredner Nico Lumma betonte, dass die Region von Startups profitiere. Startups sollten Innovationen auch in abgelegene oder abgehängte Regionen bringen, um dort die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Für Finn Hänsel, Gründerikone und Cannabisunternehmer, sei die Konferenz eine „gute Kombination aus innovativen Startups und spannenden Food Themen“ gewesen. „Es war eine tolle Erfahrung und mit der Sanity Group haben wir interessante Kontakte zu Landwirten für unseren Hanfanbau knüpfen können“, sagte Hänsel.

Gründungsmitglieder des neuen Verbandes nach der Gründung am Morgen. / Foto: Simone Reukauf

Bei der diesjährigen innovate! wurde außerdem die “Deutsche Gesellschaft für innovative und zukunftsorientierte Land- und Ernährungswirtschaft” als neuer Dachverband für Startups und Innovation der Branche ins Leben gerufen. Unter den rund 25 Gründungsmitgliedern sind, vom Bauernverband bis zur Rentenbank, über die Metro Gruppe bis hin zur Landwirtschaftszeitung, entscheidende Stimmen der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft vertreten. Aufgabe der neuen Organisation soll es sein, sich für eine nachhaltige und innovative Landwirtschaft einzusetzen. Die frisch gewählte Vorsitzende Dr. Julia Köhn sagte: „Mit über 150 Gründungen von Agrifood Startups seit 2018 ist Deutschland für die Herausforderungen der Zukunft der Ernährung sehr gut aufgestellt. Wir helfen diesen, sich zu vernetzen und mutig voranzugehen.“

Über die „innovate!“

Die innovate! entstand vor neun Jahren als kleine Startup-Tagung mit Workshops und ist heute einer der wichtigsten Treffpunkte der Gründerszene in Niedersachsen. Jungunternehmer und Studenten können Kontakte zu Industrie und Forschung knüpfen und bei einer Preisverleihung mit ihren Produktideen gewinnen. Erfahrene Vertreter aus Forschung, Wirtschaft und Politik bildeten das Kuratorium wählten die sechs besten Geschäftsideen für die nächste Runde aus. Bei der Digital Innovation Challenge sandten Niedersachsens Startup-Zentren ihre Kandidaten und Jurymitglieder. Die beiden ersten Plätze durften sich am am nächsten Abend in siebenminütigen Pitches dem Publikum präsentieren. Die Zuschauer wählten den Gewinner dann per Live-Abstimmung. Als Preis locken jeweils 5000 Euro und die Chance, bekannte Investoren aus dem Publikum auf sich aufmerksam zu machen.

2019 wurde die Innovate GmbH durch den Startup-Accelerator Seedhouse Beteiligungs-GmbH und das Digitalunternehmen Netrocks GmbH gegründet. Geschäftsführer sind Florian Stöhr und Wolf Goertz.

PM
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