Am Samstag (10. März 2018) feierte „Chaplin – das Musical“ Premiere am Theater Osnabrück. Das von Christopher Curtis inszenierte Stück erzählt die Geschichte des Schauspielers und Produzenten Charles Spencer Chaplin (Mark Hamman), mit all seinen Höhen und Tiefen. Doch wer jetzt schwarz-weiße Bilder und flache Witze erwartet, der irrt. „Chaplin“ nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch ein bewegtes Leben. Es ist traurig und fröhlich, bunt und trist, laut, aber auch mal ganz leise.

Wir alle kennen Charlie Chaplin als erfolgreichen Schauspieler und Produzenten. Die Menschen lachen bis heute über seine Filme und seine bekannteste Rolle – Den „Tramp“. Die Figur mit der Melone, dem Bambusstock und dem schrägen Gang machte ihn weltweit zu einem gefeierten Star. Doch das Leben des Charles Spencer Chaplin beginnt weit weniger glamourös. Er wird Ende des 19. Jahrhunderts in London geboren. Sein Vater verlässt die Familie früh und seine Mutter (Susann Vent-Wunderlich) kann auf Grund einer psychischen Erkrankung kaum noch arbeiten. Immer wieder landet er mit seinem Bruder im Armenhaus. Auch deswegen versuchen sich Charlie und Sydney (Tobias Rusnak) schon früh selbst auf der Bühne. Ihr Leben beginnt sich zu wenden, als die beiden ein Engagement in einer Komiker-Truppe erhalten und als Folge dessen einen Filmvertrag in Hollywood.

Charlie wagt den Sprung über den großen Teich und feierten in den nächsten Jahrzehnten enorme filmische Erfolge. Doch privat findet er sein Glück lange Zeit nicht. Er ist oftmals einsam, und die Totgeburt seines ersten Kindes wirft ihn völlig aus der Bahn. Zudem kommt mit wachsendem Erfolg seiner Filme auch der Neid und die Missgunst. Klatschreporter versuchen mit allen Mitteln seine Karriere anzugreifen, besonders Charlies wechselnden Frauengeschichten bieten ihnen viel Material.

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Foto: Jörg Landsberg; Mark Hamman

Immer öfter wird er auch für sein sozialpolitisches Engagement angegriffen, und schließlich wegen Verdacht auf kommunistische Propaganda denunziert. Damit scheint auch sein Stern am Hollywood-Himmel erloschen. Doch 1972, 20 Jahre nachdem er die USA verlassen hat, erhält er dort den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk und söhnt sich mit seiner langjährigen Heimat aus. Nur fünf Jahre später, 1977, verstirbt Charles Spencer Chaplin in der Schweiz.

Inszenierung mit Liebe und Leidenschaft

Eine bewegtes Leben also, das auf der Osnabrücker Bühne mit viel Liebe und Leidenschaft inszeniert wird. Ausgesprochen gelungen dabei die Verflechtung der Handlung mit der Gestaltung der Kostüme. Die traurigen Phasen in Charlies Lebens erinnern dabei eher an das, was man aus dem Stummfilmen kennt – überwiegend schwarz-weiße Kostüme und Masken, dazu Stummfilmklänge und Balladen. Doch insbesondere mit dem Umzug nach Hollywood ändert sich plötzlich alles. Die Kleidung und Frisuren der Figuren sind schrill und bunt, die Musik macht Spaß. Pinke Anzüge und übergroße Schnurrbärte sind ein echter Hingucker, genauso wie der äußert schräge Gang und Klang mancher Figuren.

Laut wechselt sich hier mit Leise ab, Erfolg mit Misserfolg und privaten Schicksalsschlägen. Charlie Chaplins Leben wird in all seinen Facetten gezeigt. Seine erfolgreichste Figur „Der Tramp“ wird von einem eigene Schauspieler (Verena Hierholzer) dargestellt und steht stellvertretend für seinen großen Erfolg, aber auch für den Druck die Figur zu erhalten und die Menschen zu unterhalten. Da „Der Tramp“ ein Stummfilmcharakter ist, spricht er kein Wort. Doch das muss er auch gar nicht. Seine ständige Präsenz auf der Bühne ist dem Zuschauer immer bewusst, positiv wie negativ. Erst als Charlie die USA verlässt, gelingt es ihm sich von seiner Figur und den damit verbundenen Forderungen und Vorstellungen endgültig zu befreien.

Charlie Chaplin, Osnabrück, Theater Osnabrück
Foto: Jörg Landsberg; Tobias Rusnak, Stefan Mosemann, Mark Hamman, Marlene Jubelius

„Chaplin – das Musical“ ist eine Achterbahn der Gefühle. Man weint, man lacht und manchmal beides gleichzeitig. Viele Besucher sagten nach der Premiere das Stück sei „mal was anderes“ und damit haben sie absolut Recht. Wer nur das „Übliche“ sehen will, der ist in diesem Musical völlig fehl am Platz. Doch wer sich darauf einlässt wird zur Belohnung für einige Stunden Teil des bewegten Lebens von Charles Spencer Chaplin, seinem Bruder, seiner Mutter und all den anderen, die ihn geprägt haben. Egal ob die bunten Kostüme von Sarah Mittenbühler, die vielseitige Musik unter der Leitung von An-Hoon Song oder das tolle Ensemble, „Chaplin“ ist ein total gelungenes Stück – eben herrlich bunt und total unerwartet.