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Sonntag, Dezember 15, 2019


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Gute Nachricht des Tages: Die etwas andere WG in einer Sparkassenfiliale in Osnabrück

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Es passieren jeden Tag viele schlimme Dinge – aber auch viele gute. Leider schaffen es die schönen Nachrichten viel zu selten in die Presse. Das wird sich jetzt ändern, denn die HASEPOST berichtet nach Möglichkeit jeden Tag über mindestens eine „Gute Nachricht“ aus der Region und aller Welt.

Ursprünglich war für den Neubau der Sparkassenfiliale am Sedanplatz ein Gebäudekomplex mit Wohnungsmöglichkeiten für Studenten vorgesehen. Entstanden ist ganz nebenbei ein Projekt, welches eine selbstbestimmte Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung bietet.

Seit Oktober 2019 wohnen fünf junge Männer in der WG im Neubau der Sparkassenfiliale in der Nähe zum Hochschulcampus am Westerberg, umgeben von vielen Studierenden-WG’s. Ein sechster Bewohner soll schon bald dazustoßen. Der Unterschied zu den Bewohnern der Studierenden-WG’s: Die jungen Männer im Alter von 22 bis 27 Jahren haben allesamt Pflegegrad drei oder vier, sind teils stark in ihrer Kommunikation eingeschränkt und auf durchgehende Betreuung angewiesen.

Idee der Lebenshilfe Osnabrück trifft bei Sparkasse auf Gefallen

Die Sparkasse Osnabrück freut sich über die neuen Bewohner. „Die WG’s oberhalb der Filiale waren eigentlich ausschließlich für Studenten vorgesehen. Als die Lebenshilfe Osnabrück im Jahr 2016 mit der Idee einer selbstbestimmten WG für Menschen mit Behinderung auf uns zukam, waren wir sofort überzeugt“, erklärt Johannes Hartig, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Osnabrück. „Der Gebäudekomplex lockt zudem mit einer guten Lage in der Stadt.“

Übergangsphase nach Auszug

Knapp eineinhalb Jahre nach Baubeginn zogen im Oktober nun die ersten Bewohner ein, für alle die ersten Erfahrungen außerhalb des Elternhauses. Der Übergang sei jedoch butterweich verlaufen, sagt Manfred Müller von der Elterninitiative innerhalb der Lebenshilfe Osnabrück und selbst Vater eines Kindes mit Behinderung: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so wenig anstrengend wird. Das junge Pflegepersonal war dabei sicher eine Erleichterung. Auch wenn der Auszug des Kindes immer schwer fällt und mit Sorgen verbunden ist, merken die Eltern, dass sie nun mehr Zeit für sich haben. Zudem sind die Kinder in sehr guten Händen und die Eltern sind jederzeit in Kontakt mit ihren Söhnen und dem Personal.“
Um den Auszug für beide Seiten zu erleichtern, befinden sich Eltern und Söhne in einer Übergangsphase. Zur Zeit werden die Söhne am Wochenende von ihren Eltern abgeholt, dies soll sich schon bald ändern. „Ab 2020 soll die WG sieben Tage die Woche betreut werden. Da sich die Jungs als Kollegen größtenteils schon länger kennen und die Eltern dann auch wieder voll ihren eigenen Interessen nachgehen können, ist dieser Schritt im Sinne aller“, so Müller weiter.

Sieben Pfleger für Betreuung rund um die Uhr

Die Unterstützung im Alltag der Bewohner liegt in den Händen der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO), die mit sieben Mitarbeitern die Bereiche der Ambulanten Assistenz, den Pflegedienst und dem Dienst für Haushaltsnahe Dienstleistungen vertritt. „Wir stehen Menschen mit Behinderung und deren Umfeld beratend zur Seite. Dementsprechend begleiten wir die Eltern sehr eng, in der aktuellen Phase“, erklärt Margret Gödecker, stellvertretende Leiterin der HHO Wohnen GmbH. Anders als Pflegeheime ist die WG oberhalb der Sparkassenfiliale kein stationäres Wohnangebot. „Wir haben in dieser selbstbestimmten WG ganz eigene Konzepte der Betreuung einfließen lassen. Auf diese Weise können wir zudem Menschen mit Behinderung und Studenten in Kontakt bringen“, so Gödecker weiter.

Kontakt zwischen Studenten und Menschen mit Behinderung

Dass dieser Kontakt im späteren Berufsleben positive Auswirkungen hat, merkt Thomas Schmidt-Benkowitz, stellvertretender Vositzender der Lebenshilfe Osnabrück: „Auf diese Weise werden zwischenmenschliche Barrieren abgebaut. Man kriegt mit, dass Studenten im späteren Berufsleben eine andere Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung haben.“

Partner hoffen auf Nachahmer

Daher hoffen alle vier Partner – die Sparkasse Osnabrück, die Lebenshilfe Osnabrück, die HHO und das Stephanswerk, welches am Bau des Gebäudes beteiligt war – auf viele Nachahmer. „Der Bedarf an selbstbestimmten Wohnungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung steigt zunehmend. An dieser Einrichtung ist dabei besonders toll, dass sie eine sehr zentrale Lage hat“, sagt Claudia Meyer, Leiterin der EUTB-Beratungsstelle der Lebenshilfe Osnabrück. Doch klar ist auch, dass viel Wohnraum fehlt, um den großen Bedarf wirklich abdecken zu können. „Für die HHO ist diese Form der WG eine tolle Ergänzung zum betreuten Wohnen in Heimen. Mit unserer Erfahrung hoffen wir auf viele Partner und Nachahmer“, so Dr. Peter Langer, Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstandes der HHO. Claudia Meyer ergänzt abschließend: „Das Konzept macht Werbung. Wir betreuen bereits einige Projekte, in denen Elternhäuser von Personen mit Behinderung zu WG’s umgebaut werden. Nachahmer sind gerne gesehen, um dieser ersten selbstbestimmten WG weitere folgen zu lassen.“

Manfred Müller, Johannes Baune (Stephanswerk), Claudia Meyer, Johannes Hartig, Margret Gödecker, Dr. Peter Langer und Thomas Schmidt-Benkowitz (v.l.n.r) im Zimmer von Bewohner Theo.

Maurice Guss
Maurice Guss vervollständigt als Praktikant das Team der Hasepost.

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