Die Grünen und das Internet, egal ob Robert Habeck auf Bundesebene oder die Osnabrücker Ratsfraktion der Grünen; irgendwie kommt diese Partei mit den neuen Medien nicht zurecht.

Oder es bringt hervor, was sonst verborgen bliebe. Für Erheiterung sorgte zuletzt eine kritisch gemeinte Pressemitteilung der Grünen gegen die „Osnabrücker Mahlzeit“, die allerdings auf der Homepage der Osnabrücker Grünen mit einem Wirsing statt einem Grünkohl illustriert wurde.

Auf lokaler Ebene hat Volker Bajus, Fraktionsvorsitzender der Rathaus-Grünen das neueste Kapitel grüner Entgleisungen in sozialen Medien geschrieben.

Auf Twitter – für hiesige Verhältnisse also weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit – kommentierte der Lokalpolitiker in der Nacht zu Sonntag (01:57 Uhr) einen Beitrag, der auf dem Account des engagierten Osnabrücker Radfahrers und Bloggers Daniel Doerk (Twitter: SecretCoAuthor) erschienen war und wiederum einen bei der linksalternativen Tageszeitung „taz“ erschienenen Artikel behandelte, in dem die taz-Autorin Simone Schnase ihre unfallträchtige Fahrradhistorie in Osnabrück und Bremen aufarbeitete; Tenor: „Osnabrücker hassen Fahrradfahrer“.

Auch in dem Artikel kam der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) bereits nicht gut weg, aber auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert wurde vorgeworfen, selbst zur Eröffnung des Haseuferwegs „fast schon demonstrativ“ mit dem Auto vorgefahren zu sein.

Osnabrück hat BOB statt der AfD?

In der sich über Twitter entwickelnden Konversation verstieg sich Osnabrücks führender Rathaus-Grüner dann zu der Aussage: „Andere Städte haben AFD. Osnabrück hat BOB…“.

Nachgefragt:

Nachdem sich in der Nacht zu Montag zwei Leser bei unserer Redaktion meldeten, haben wir nachgefragt, wie dass denn gemeint gewesen sei. Dazu Volker Bajus:

„Das war ein ironischer Kommentar zu einem über Twitter verbreiteten Zitat aus einem TAZ-Artikel, in dem um es um die unzureichende Radverkehrssicherheit in Osnabrück geht: „Und im Rat sitzt mit dem „Bund Osnabrücker Bürger“ (BOB) eine Fraktion, deren einziger Auftrag darin zu bestehen scheint, den Niedergang des armen motorisierten Individualverkehrs und die unkontrollierte Invasion terroristischer Radfahrer zu beklagen.“ Ohne diesen Zusammenhang ist der Satz nicht zu verstehen. Anders ausgedrückt: andernorts ärgert man sich über die AFD und hier bei uns – verkehrspolitisch – über BOB.

Ob und inwieweit sich ansonsten weitere Vergleiche anbieten, darüber kann sich jeder selber eine Meinung bilden. Z. B. über den Facebook-Auftritt des BOB (https://www.facebook.com/BOB.Osnabrueck/) oder den Twitter-Account des BOB-Vorsitzenden (@DrSGruener).“

BOB-Chef kritisiert grundsätzlich taz und Fahrradpolitik in Osnabrück

Auch der angesprochene Dr. Grüner von BOB meldete sich zu Wort, geht aber auf die Provokation mit der AfD nicht ein:

„Wer Meinungsmache und Haltungsjournalismus mag – der liest die Taz. Die „permanente Angst“, die hier beschrieben wird, halten wir für übertrieben und wird unserer schönen Stadt sicher nicht gerecht. Wir von BOB setzen uns für ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer und für eine sinnvolle Verwendung der Steuereinnahmen ein, ideologiefrei und mit direktem Bürgernutzen. Mit dem neuen Verkehrswegeplan kommen wir hier einen Schritt weiter, mit Demagogie oder Ideologie leider nicht. Wir halten es für sinnvoller, neue Radwege zu bauen, anstatt nur Prestigeobjekte wie die Bike lane für 270 Tsd Euro oder Fahrradstelen zu bedenken, die Fahrräder zur Motivationserhöhung (gleichzeitig ebenso versehentlich Hunde und Jogger) zählen sollen. Anstatt 300.000 Euro für Flyer und Plakate der „Osnabrück sattelt auf“ Kampagne, sollte lieber in Fahrradsicherheit investiert werden.“