Unterricht in den Sommerferien? Für manche erst einmal unvorstellbar. Dass das aber nicht nur ganz hilfreich sein kann, sondern auch jede Menge Spaß machen kann, zeigt das Osnabrücker Sommercamp seit 10 Jahren. Auch diesen Sommer findet das Projekt wieder statt – und noch sind Plätze frei.

Bei dem Sommercamp handelt es sich um ein gemeinsames Projekt von Stadt und Land Osnabrück, finanziert durch die Bohnenkamp Stiftung. Es findet an den beiden Standorten Schullandheim Mentrup Hagen und Burg Wittlage statt. Auf dem Programm stehen zum einen Umweltbildungsangebote durch Umweltpädagogen vom Lernstandort Noller Schlucht in Dissen, zum anderen Sprachförderangebote durch den Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien e.V. (VPAK). Wir haben mit Kristina Urbanovic, VPAK-Teamleiterin, über das Projekt gesprochen.

Kristina Urbanovic

Das Sommercamp richtet sich an Drittklässler mit Deutsch als Zweitsprache, die seit mindestens drei Jahren in Deutschland leben oder in Deutschland geboren sind. „Kinder mit Migrationshintergrund sind aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit benachteiligt. Das ist statistisch bewiesen. Sie haben im Kopf mit mehr Sprachen zu tun“, erklärt Urbanovic. „Die Drittklässler unter ihnen wechseln in einem Jahr auf eine weiterführende Schule. Wir wollen sie stärken, dass sie bessere Chancen haben“, führt die Fachberaterin für sprachliche Bildung weiter aus.

Wie das Sommercamp abläuft

Vormittags erhalten die Teilnehmer dazu jeweils eine vierstündige Sprachförderung. Dabei geht es unter anderem um Artikel, aber auch um die Wortschatzerweiterung. Nachmittags geht es dann zum Beispiel in den Wald oder zum Bach, wo sie Bäume und Insekten untersuchen. „Was sie finden, das wird im Sprachunterricht aufgearbeitet. Es wird komplexe Sprache aus dem Bereich Biologie gefördert“, so Urbanovic. „Am Ende haben die Kinder eine Wortschatzkiste mit den neu erlernten Wörtern.“

Sommercamp
Foto: Kristina Urbanovic

Am Wochenende gibt es keinen Unterricht, sondern ein buntes Freizeitangebot, welches sich nach den Interessen der Kinder richtet. Aber auch im Unterricht werden Spiele gespielt und viele Pausen angeboten. So gibt es nach der zweiten Stunde immer eine „Obstpause“, die bei den Kindern besonders gut ankomme, erzählt Urbanovic.

Kein Handy, keine Cola

Verpflegung und Übernachtung sind inklusive. Das Speiseangebot beschreibt Urbanovic als eine „rustikale Küche“. Schweinefleisch gibt es nicht, vegetarische Gerichte hingegen schon. „Da ist nichts Ungesundes, nichts Aufgewärmtes, sondern frisches Essen. Auch Kuchen wird jeden Tag selbst gebacken“, betont die Diplom-Pädagogin. Cola ist tabu. Die Taschen der Teilnehmer werden auf Ungesundes durchsucht. „Es gibt eine Party, da werden die gefundenen Süßigkeiten verteilt“, verrät Urbanovic. Abgesehen davon sind Süßigkeiten aber nicht erlaubt.

Foto: Kristina Urbanovic

Auch auf ihre Handys und andere Medien müssen die Teilnehmer verzichten. „Bis zum dritten Tag meckern die Kinder gerne“, kommentiert Urbanovic schmunzelnd. „Ich brauche meine Playstation!!!“, habe ein Junge beispielsweise geschrien. „Aber dann gewöhnen sich die Kinder an den Medienentzug“, so die Teamleiterin. Beim Sommercamp gehe es nicht zuletzt auch darum, Erfahrungen zu sammeln und Freundschaften zu schließen.

„Kinder sind so offen und anders als Erwachsene“

Auf die Frage, was ihr persönliches Highlight beim Sommercamp ist, muss Urbanovic nicht lange überlegen. „Für mich ist das Schönste die Begegnung mit den Kindern.“ Ein ganz besonderes Highlight ist es für die Lehrerin, wenn die Kinder Postkarten an ihre Eltern schreiben. „Das Camp macht Spaß, aber manchmal auch nicht. Aber was sein muss, muss sein“, hat beispielsweise ein Kind geschrieben, erinnert sich Urbanovic lachend. „Kinder sind so offen und anders als Erwachsene.“

Dieses Jahr findet das Sommercamp zum 10. Mal statt, nämlich vom 7. Juli bis zum 18. Juli. Der Teilnahmebeitrag beträgt für jedes Kind 50 Euro. 48 Plätze sind zu vergeben. Die Anmeldung erfolgt bei der Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAZ). Anmeldeschluss ist der 26. April.

Mehr Informationen gibt es unter http://vpak.de/primarbereich/projekt-sommersprachcamp.html