Osnabrück Gegenstimmen zum "Hans-Calmeyer-Haus" in Osnabrück - Brief an Bundeskanzlerin...

Gegenstimmen zum “Hans-Calmeyer-Haus” in Osnabrück – Brief an Bundeskanzlerin aus den Niederlanden

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In einem am Donnerstag, den 28. Mai 2020, veröffentlichten Brief bitten über 200 Unterzeichner aus den Niederlanden Bundeskanzlerin Angela Merkel darum, von einer finanziellen Unterstützung des geplanten Friedenslabors in Osnabrück abzusehen, sofern dieses, wie geplant, den Namen Hans Calmeyer tragen sollte.

Auf der Grundlage eines einstimmig gefassten Ratsbeschlusses vom 5. Dezember 2017, „ein Konzept für die Villa Schlikker im Sinne eines ‚Hans-Calmeyer-Hauses‘ zu entwickeln“, bereitet die Verwaltung dieses Konzept vor und wird dabei von einem hochrangig besetzten, wissenschaftlichen Beirat begleitet. Außerdem hat der Rat beschlossen, „dass eine Umbenennung der Villa Schlikker in Hans Calmeyer-Haus erfolgt und hier neben einem Café eine neue, moderne interaktive Ausstellung zu Hans Calmeyer entsteht, die dem aktuellen Forschungsstand entspricht und vor allem junge Menschen anspricht. Eine Zusammenarbeit mit den Niederlanden ist anzustreben.“ Die Sanierung der Villa „Die Villa Schlikker – ein Friedenslabor für Osnabrück“ wird mit Mitteln des Bundes finanziert.

Teil des Systems, um es zu destabilisieren?

Ziel ist, in den Räumen der Villa Schlikker in unmittelbarer Nachbarschaft zum Felix-Nussbaum-Haus das Wirken Calmeyers auf angemessene Weise darzustellen und in einen größeren Bezugsrahmen zu stellen. Die Unterzeichner des Briefes mahnen: „Man kann ihn schwerlich ohne Vorbehalt als Helden bezeichnen.“ „Richtig“, betont der für Kultur zuständige Erste Stadtrat Wolfgang Beckermann. „Falsch hingegen ist, dem Osnabrücker Projekt zu unterstellen, Calmeyer solle als ‚Held‘ bezeichnet und dargestellt werden. Das ist schon deswegen falsch, weil Helden verehrt werden wollen.“ Die Osnabrücker Initiative verfolge hingegen nicht dieses Ziel: „Sie möchte Einsichten in das Wirken Calmeyers vermitteln“, ergänzt der Pressesprecher der Stadt, Dr. Sven Jürgensen. „‘Er funktionierte innerhalb des Systems‘ – schreiben die Unterzeichner, was ohne jeden Zweifel richtig ist. Aber nur, weil er als Teil der Besatzungsmacht ‚innerhalb des Systems‘ funktionierte, konnte er gefälschte Abstammungsurkunden akzeptieren und mehreren tausend Menschen das Leben retten. Wäre er nicht Teil dieses Systems gewesen, hätte er eben dieses System nicht sabotieren können – was den Raum öffnet für den Blick in die Geschichte, in die Geschichte dieses absoluten Unrechts, unter dessen Bedingungen Calmeyer einen Aktionsradius der Humanität geschaffen hat.“

Standhalten vor denjenigen, die Calmeyer nicht gerettet hat

Über die kontroverse Frage, „ob Calmeyer vor allem Judenretter oder Judenverfolger“ gewesen sei, bestehe „heute kein völliger Konsens“ schreiben die Unterzeichner, zu denen im Übrigen Personen gehören, deren Reputation zweifellos ist und die auch in Deutschland bekannt und anerkannt sind. „Über diese Frage kann es wohl auch keinen Konsens geben, was zu einer Darstellung nötigt, die frei von allen einseitigen Klischees sein muss. Deswegen liegt diesem Projekt ein eigentlich unmöglicher Maßstab zu Grunde: es muss bestehen können vor denjenigen, die Calmeyer nicht gerettet hat, auch vor Femma Fleijsman-Swaalep, die die Deportation nach Auschwitz durch glückliche Umstände überlebt hat“, sagt Jürgensen. Gerade deswegen sollen die komplexen historischen Zusammenhänge dieses Unrechts aufgezeigt werden, in dessen Mittelpunkt ein Mensch namens Hans Calmeyer gestellt werden soll, um dessen Freiheit und Verstrickung, Mut und notwendige Anpassung zu dokumentieren – nicht einseitig sondern möglichst vielseitig, und das auf der Grundlage der anerkannten Arbeiten von Petra van den Boomgard und Mathias Middelberg, die beide Mitglieder des Beirates sind.

Rat wird Namensgebung nochmal diskutieren

„Weil der Beschluss des Rates, die Villa in ‚Hans-Calmeyer-Haus‘ umzubenennen, auch in der Osnabrücker Öffentlichkeit durchaus kontrovers diskutiert wird“, sagt Beckermann „wird sich auch der Beirat noch mit der Namensgebung beschäftigen und – ohne der Diskussion vorgreifen zu wollen – sicherlich eine Empfehlung aussprechen.“

PM
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