Die Geschichte erinnert ein wenig an die jüngste Vergangenheit der Textilkette Sinn-Leffers. Ab sofort werden viele Lieferanten nur noch gegen Vorkasse an Galeria Kaufhof liefern.

Der führende deutsche Kreditversicherer Euler Hermes hat seine Garantiezusagen für Lieferungen an die Galeria Kaufhof drastisch zurückgefahren, das berichtete am Mittwochnachmittag das Branchenmagazin Textilwirtschaft. Bereits in der vergangenen Woche soll Euler Hermes die Kaufhof-Lieferanten schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt haben.

Soweit bekannt, wurden die Warenkreditversicherungen um 80 Prozent gekürzt. Hintergrund sind schlechte Geschäftszahlen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung verdoppelten sich die Verluste in den ersten fünf Monaten dieses Jahres auf 47 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr (Gewinn vor Steuern). In ähnlichen Fällen folgten auf eine derartige Aktion der Kreditversicherung die Insolvenz, so wie bei Arcandor (Karstadt), Schlecker und jüngst bei Sinn-Leffers, da sich die Warenbeschaffung durch ein schlechtes Kreditrating erheblich verteuert.

Im Frühjahr entledigte sich Kaufhof der Sportarena

Bereits im Mai war zu erkennen, dass es Kaufhof nicht mehr gut geht und drastische Schritte unternommen werden um Kosten zu sparen. Nach Recherchen unserer Redaktion konnte die HASEPOST am 12. Mai exklusiv berichten, dass die Galeria Kaufhof GmbH zum Jahresanfang 2018 ihr Sportarena-Kaufhaus am Neumarkt schliessen wird.
„Für den Standort Osnabrück wurde nach eingehender Prüfung entschieden, dass es hier über den Januar 2018 hinaus keine Möglichkeit für einen Weiterbetrieb gibt“, so ein Kaufhof-Sprecher im Wortlaut.
Osnabrück teilt damit das Schicksal einiger anderer Großstädte, in denen der neue kanadische Eigentümer der Kaufhof-Kette die bisherigen Sportarenen schliessen oder in Filialen der Discountboutique „Saks OFF 5TH“ umwandelt.

Auch Kaufhof-Eigentümer macht dreistellige Millionenverluste

Die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC) trimmt derzeit die ehemalige Metro-Tochter Kaufhof auf einen harten renditeorientierten Kurs. Kaufhausstandorte, die den Vorgaben der Zentrale nicht genügen, werden geschlossen. Hintergrund sind massive Verluste im Nordamerikageschäft, wo Hudson´s Bay im Juni einen Quartalsverlust von 221 Millionen kanadischen Dollar (etwa 145 Millionen Euro) verkraften musste. In Folge verlieren in den USA und Kanada derzeit Tausende Mitarbeiter ihren Job und der Mehrheitseigner drängt darauf, sich womöglich komplett aus dem stationären Einzelhandel zurückzuziehen.

Kaufhof schließt Filialen mit dem Auslauf von Mietverträgen

Offenbar musste auch die deutsche Tochter ihren Beitrag leisten, denn nur kurz nach Bekanntgabe des dreistelligen Millionenverlustes im Heimatmarkt, kündigte die Kaufhof-Zentrale auch für Deutschland Filialschließungen an. Mit dem Auslaufen der Mietverträge im September 2018 und September 2019 werden die Geschäfte im ostdeutschen Gera und im Frankfurter Nordwest-Zentrum geschlossen – 122 Mitarbeiter stehen zur Disposition.

Läuft der Mietvertrag in Osnabrück aus?

Nach Informationen unserer Redaktion steht auch für das Osnabrücker Kaufhof-Gebäude in absehbarer Zeit eine Neuverhandlung des Mietvertrags an. Für den Eigentümer ein kritischer Zeitpunkt, wie er in Gera und Frankfurt genutzt wurde um sich komplett vom Standort zu verabschieden.
Um der Galeria Kaufhof GmbH ein Verbleiben in Osnabrück attraktiv zu machen, soll es allerlei Zugeständnisse des Eigentümers geben. So ist geplant die alte Kachel-Fassade durch eine moderne Fassade zu ersetzen – auf Kosten des Eigentümers und als Gegenleistung für eine Verlängerung des Mietvertrags.

Horten Kacheln
Die künstlerisch wertvollen „Horten-Kacheln“ sind beliebte Tauben-WCs und daher auch in Osnabrück mit einem Netz gesichert.

Lange Zeit war umstritten, ob die vom Designer und Architekten Egon Eiermann entworfene Wabenfassade nicht grundsätzlich dem Denkmalschutz untersteht, aber diese Zweifel sind ausgeräumt. Der Austausch der Aluminium-Kacheln, die ursprünglich ein Markenzeichen der Kaufhauskette Horten waren, dürfte den Eigentümer teuer zu stehen kommen.

Zwei grundsätzliche „Probleme“ der Osnabrücker Immobilie würden aber auch mit neuer Fassade bleiben: Das Kaufhaus ist inzwischen – nicht zuletzt durch die Schliessung der eigenen Sportarena – ein wenig in eine Randlage gerückt. Und das alte Kaufhaus hat nach Einschätzung von Handelsexperten auch zu viel Fläche und zu viele Etagen, die alle mit Personal und Kassen versorgt werden müssen. Unter dem Gesichtspunkt „Quadratmeter-Umsatz“ sind das keine guten Voraussetzungen um nicht Gefahr zu laufen beim laufenden „Streichkonzert“ auf die Liste zu geraten.

Unsere Redaktion hatte bereits im Juni, im Rahmen einer anderen Recherche, auch hinsichtlich der Fassadenrenovierung und des Mietvertrags bei der Galeria Kaufhof GmbH angefragt. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte lediglich, dass Galeria Kaufhof sich zum Standort Osnabrück „bekennt“, an dem es einen „langfristigen Mietvertrag“ gibt. Zu Details bei konkreten Vertragsinhalten wolle man sich aber nicht äußern und Gerüchte nicht kommentieren.