Es machte sich ein wenig Beklommenheit breit, als der Lokalpolitiker Oliver Hasskamp am Dienstagabend im Stadtrat einen eilig als Tischvorlage eingereichten Antrag vortrug und versuchte zu begründen, was für Fassungslosigkeit in allen Fraktionen sorgte.

Hätten die anderen Ratsfraktionen – allen voran die Mitglieder der nur mit einer wackeligen Mehrheit ausgestatteten „Regenbogenkoalition“ – den Antrag vorab zu lesen bekommen, dann hätten sie den jungen Liberalen wohl vor einer Dummheit gewarnt.

Da half es auch nichts, dass das liberale Urgestein, Dr. Thomas Thiele, seinem deutlich unerfahreneren Parteifreund mit einem eigenen Redebeitrag noch zur Hilfe kommen wollte.

Doch mit was für einer Idee wollte Hasskamp im Stadtrat punkten?

Es ging um die mehr als 60, teils alten und ausgewachsenen Alleebäume entlang der Rheiner Landstraße. Der von Hasskamp vorgetragene Antrag forderte: „die Bäume auf der linken Straßenseite stadtauswärts [werden] entfernt“, also gefällt.
Und auch die Bäume auf der rechten Fahrbahnseite wollte der passionierte Fahrradfahrer Hasskamp „entfernt“ wissen – womöglich ginge ja auch ein Umpflanzen. Immerhin, auf der rechten Fahrbahnseite könnten nach dem Ende der ab diesem Sommer geplanten Baumaßnahme wieder neue Bäume gepflanzt werden.

Bäume sollen breiterem Fahrradweg weichen

Während der Bauarbeiten auf der Rheiner Landstraße, die nach neuesten Planungen „nur noch“ 23 statt 30 Monate dauern sollen, könnte durch den gewonnen Platz eine Einbahnstraßenregelung entlang der Baustelle eingerichtet werden.
Danach, wenn die Baustelle fertig ist, solle der durch die umfangreiche Fällaktion gewonnene Platz für einen breiten Radfahrstreifen, analog der „Protected Bike Lane“ genutzt werden. Hasskamp, der sich politisch auch im „Arbeitskreis Radverkehr“ engagiert, argumentierte, dass der bislang dort eingerichtete und auch in Zukunft wieder geplante „Schutzstreifen“ nicht mehr zeitgemäß für die Belange der Fahrradfahrer sei.

Schutzstreifen, Rheiner Landstraße
Der Schutzstreifen ist dem FDP-Politiker nicht breit genug

Selbst Grüne schüttelten bei der Idee mit dem Kopf

Selbst die Grüne Ratsfraktion, zu deren Anträgen und Ansichten Oliver Hasskamp regelmäßig eine deutliche Affinität erkennen lässt und deren prominentes Parteimitglied, der Stadtbaurat Frank Otte, ebenfalls nicht zimperlich ist, wenn es darum geht für einen Fahrradweg oder eine neue Buslinie, die Kettensäge kreisen zu lassen, wollte Hasskamp nicht unterstützen. „Das war nichts“, beschied der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Volker Bajus.

Betrachtet man das Wahlplakat aus dem Jahr 2016, darf man sich wohl fragen, was dieser Politiker unter „Lebensqualität“ versteht.