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Feldhamster, Nashörner & Co. – Wie sich der Zoo Osnabrück im Artenschutz engagiert

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Er ist eine der Kernkompetenzen zoologischer Gärten, doch viele wissen nicht, wie viele Aufgaben sich dahinter verbergen: der Artenschutz. Im Zoo Osnabrück werden seit neuestem Feldhamster für die Auswilderung großgezogen und weitere Artenschutzorganisationen unterstützt.

„Wenn wir über Artenschutz sprechen, ist zunächst der Unterschied zwischen in situ und ex situ Artenschutz wichtig“, sagt Andreas Wulftange, zoologischer Leiter im Zoo Osnabrück. „In situ bedeutet, dass Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum geschützt werden, ex situ, dass der Schutz außerhalb dieses Raumes stattfindet, zum Beispiel in Zoos.“ Beide Bereiche sind eng miteinander verbunden. Wie eng, beschreibt der Biologe Wulftange am Beispiel von Feldhamstern, die offiziell als vom Aussterben bedroht gelten. „Wir beteiligen uns seit diesem Jahr neu an einem Projekt zur Auswilderung von Feldhamstern in Deutschland. Aktuell haben wir elf Feldhamster aus einer Zucht des Opel-Zoo in Kronberg, die im zurzeit geschlossenen Besucherbereich des Klammeraffenhauses untergebracht sind und die wir hier großziehen“, erklärt Wulftange. „Die Feldhamster sollen zum Frühjahr in einem ausgewiesenen Gebiet in Hessen ausgewildert werden. Dort leitet die Untere Naturschutzbehörde vor Ort das Projekt und weist in enger Absprache unter anderem mit Landwirten entsprechende Auswilderungsräume aus, in denen zuvor genau untersucht wurde, ob sie ein geeigneter Lebensraum für die Tiere sind.“

Die zoologischen Leiter Andreas Wulftange und Tobias Klumpe (v.l.n.r.) stellten die neuen Artenschutzprojekte des Zoo Osnabrück vor. Eines davon beinhaltet die Auswilderung von Feldhamstern in Hessen. Der Zoo Osnabrück hilft die Nachzuchten groß zu ziehen und wird im nächsten Jahr selbst für das Projekt Feldhamster züchten. Darüber hinaus gehen 10.000 Euro an verschiedene Artenschutzprojekte in der Natur. / Foto: Zoo Osnabrück (Lisa Simon)

Im Zoo leben die elf Feldhamster in großen, geräumigen Boxen. Jeder Hamster in seiner eigenen, denn außerhalb der Paarungszeit greifen sich die strikten Einzelgänger gegenseitig an. Die Feldhamster in Osnabrück sind ein Teil des hessischen Auswilderungsprojekts. „Die Zucht wird im Opel-Zoo koordiniert, die Auswilderung von der Naturschutzbehörde. Dort können sie aber nicht alle Tiere großziehen, weshalb wir dauerhaft in das Projekt eingestiegen sind“, erklärt Wulftange. „Zusätzlich werden wir demnächst auch in Osnabrück Feldhamster für die Auswilderung direkt züchten. So entsteht ein weiteres Standbein, falls in Kronberg einmal aufgrund von Krankheiten oder aus anderen Gründen keine Feldhamster geboren werden.“ Dafür wird hinter den Kulissen aktuell umgebaut. Nach den Umbaumaßnamen wird der Besucherbereich im Klammeraffenhaus wieder für Besucher zugänglich sein. „Zusätzlich können unsere Besucher drei Feldhamster im ‚Unterirdischen Zoo‘ entdecken und mehr über sie lernen“, so Wulftange. Gleichzeitig ermöglicht die Haltung der Tiere in Zoos neue Erkenntnisse über ihr artspezifisches Verhalten zu sammeln, was für einen dauerhaften Auswilderungserfolg wichtig ist.

Artenschutz außerhalb des Zoos

„Nicht immer gehen ex situ und in situ so Hand in Hand wie bei den Feldhamstern: Viele Tiere können wir zum Beispiel in Osnabrück halten, aber zurzeit nicht auswildern“, erklärt Tobias Klumpe, ebenfalls zoologischer Leiter im Zoo Osnabrück. Zwar gilt die Zucht gefährdeter Arten in Zoos als besonders wichtig, damit es eine Reservepopulation an sicheren Orten gibt, allerdings ist die Auswilderung vieler Tiere schwierig. „Hauptgrund für den Rückgang der meisten Populationen ist nach wie vor der Mensch mit Nutzungskonflikten wie Urbanisierung und Landwirtschaft oder eben Wilderei. Tiere benötigen geschützte Räume, das ist für viele Arten aber schwieriger als beim Feldhamster, da die Räume deutlich größer sein müssen“, so Klumpe. Bevor die Population wieder steigen kann, muss also zunächst der Lebensraum geschützt werden. „Insgesamt möchten wir hierbei zusammen mit anderen Zoos den ‚One Plan Approach‘ umsetzen, der ex situ und in situ Artenschutz langfristig eng miteinander verknüpft.“ Der Zoo Osnabrück unterstützt darum verschiedene Organisationen, die sich für den Schutz gefährdetet Tiere vor Ort einsetzen. Erstmals stellt der Zoo hierfür nun ein festes Budget von 10.000 Euro zur Verfügung, mit dem weitere Artenschutzorganisationen wie „Save the Rhino“, „WildCats Conservation Alliance“, „Stiftung Artenschutz“ oder ab 2022 dem „Borneo Sintang Orangutan Center“ unterstützt werden. Mittelfristig soll das Budget auch mit verschiedenen Charity-Aktionen ausgeweitet werden. „Auch, wenn für den Start 10.000 Euro jährlich nur ein kleiner Beitrag für die riesige Aufgabe Artenschutz ist, ein festes Budget zu haben ist für uns ein großer Fortschritt, den wir uns erst einmal erarbeiten mussten. Der Zoo Osnabrück finanziert sich nämlich fast vollständig selbst und jeden Euro, den wir ausgeben, müssen wir erst einmal verdienen“, so Klumpe.

Bildung für Artenschutz

Darüber hinaus vermitteln Zoos Artenschutz auch durch Bildungsangebote: In der Zooschule des Zoo Osnabrück wird Kindern bereits seit 45 Jahren beigebracht, warum Natur und Artenschutz wichtig ist und was jeder und jede einzelne dafür tun kann. Gleichzeitig macht der Zoo auch auf dem Gelände Besucher auf Artenschutzprojekte aufmerksam, wie Klumpe sagt: „Am 22. September war zum Beispiel der Weltnashorntag und unsere Besucher konnten am Nashorngehege an einem Aktionsstand Merchandising Produkte von ‚Save the Rhino‘ kaufen oder direkt an die Organisation spenden. Unsere FÖJ-ler haben die Aktion als Teil ihres Freiwilligendienstes organisiert.“ Eine ähnliche Aktion hatte es bereits zum Tag des Drills für „Rettet den Drill e.V.“ gegeben. Zudem stehen im Zoo Osnabrück an einigen Stellen Spendenboxen für verschiedene Artenschutzprojekte. In den kommenden Wochen wird der Zoo auch über seine Social-Media-Kanäle verstärkt auf das Thema Artenschutz aufmerksam machen. Denn obwohl Artenschutz auch im Zoo Osnabrück ein ständiges Thema ist, dringt bislang zu selten nach außen, was dabei eigentlich geschieht.

PM
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