Die vom Oberverwaltungsgericht (OVG) kassierte Bebauungsplan für das Gelände des alten Güterbahnhofs regt offensichtlich die Fantasie an – zumindest bei den Osnabrücker Liberalen. Statt dringend in Osnabrück benötigten Gewerbeflächen und Bauplätzen für Wohnungen, fordert die FDP-Ratsfraktion eine Umwandlung der Fläche, die immerhin halb so groß ist wie der Vatikan, in ein Naherholungsgebiet.

Die Freien Demokraten greifen einen Plan des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Robert Seidler aus dem Jahr 2013 wieder auf. Pikant an der Angelegenheit: Damals gab es Plagiatsvorwürfe einer Studentin, die eine Idee aus ihrer Bachelorarbeit im Studienfach Freiraumplanung an der Hochschule Osnabrück in den Plänen des damaligen Oberbürgermeisterkandidaten Seidler wiedererkannte.

Naherholungsgebiet Güterbahnhof
So sehen die bereits 2013 von Robert Seidler präsentierten Pläne aus (Quelle: FDP)


Während die Eigentümer der Fläche bislang durch einen Bebauungsplan ausgebremst wurden, der ihr Eigentum zu „Vorratsflächen“ degradierte, wollen die bundesweit sonst eher wirtschaftsfreundlich auftretenden Liberalen die Bebauungsplan nun so umstricken, dass eine wirtschaftliche Verwertung der Flächen komplett unmöglich gemacht wird. Dazu Robert Seidler in einer am Donnerstag verschickten Pressemitteilung: „Die Entscheidung des OVG zum Güterbahnhof gibt der Stadt die Möglichkeit, das Thema unter Berücksichtigung der heutigen Sachlage neu anzufassen.“

Der Güterbahnhof als der Rubbenbruchsee des Schinkels?

Seidler erklärt weiter: „Wenn wir das Stadtklima verbessern und gleichzeitig den östlichen Stadtteil Schinkel/Fledder attraktiver machen wollen, dann darf nicht wieder ein Gewerbegebiet als Bebauungsplan aufgestellt werden. Es gibt im östlichen Stadtteil von Osnabrück keine ausreichende >Grüne Lunge<. Im Westen haben wir das Naherholungsgebiet Rubbenbruchsee, im Osten nichts. Gewerbeflächen gehören dagegen an den Rand der Stadt.“

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher Oliver Hasskamp bekräftigt das Vorhaben: „Die Fläche soll als Naherholungsgebiet Schinkel und für ein Kulturzentrum mit Ringlokschuppen als Herzstück dienen. Fördermittel aus dem Projekt Soziale Stadt sind einzuwerben genauso wie der bereits beschlossene neue Stadtteilspielplatz. Die Osnabrücker Kulturszene ist bei dem Planungsprozess mit ihren Ideen für das Kulturzentrum aktiv mit einzubeziehen und Fördergelder sind einzuwerben.“

Seidler will Skater locken, doch der Ex-Trendsport ist inzwischen „out“

Seidler ergänzt: „Für Inline-Skater, die bislang nur einmal im Jahr auf dem Wall fahren dürfen [Anmerkung der Redaktion: Es gab bislang immer zwei Skatenights, doch diese Veranstaltungen wurden in diesem Jahr vom Stadtsportbund mangels Nachfrage aufgegeben], könnte rund um das Gelände eine ganzjährige Bahn geschaffen werden. Die Hase kann zum Teil renaturiert werden. Eine Teilfläche kann tiefergelegt und bei Frost geflutet werden, um dort Schlittschuh laufen zu können. Zahlreiche weitere Möglichkeiten bieten sich an.“

Zum Thema ein vor Bekanntwerden der FDP-Pläne verfasster Kommentar: Kauft endlich den Osnabrücker Güterbahnhof!