Jetzt wird es gemütlich: Endspurt auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt
Noch einmal Glühweinduft und Mandelaroma „tanken“ – Budenzauber läuft noch bis kommenden Freitag – „Bezaubernde“ Premiere in der Wechselstube zum Finale

Wer sich noch einmal vom Lichterglanz auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt verzaubern lassen möchte, muss sich ranhalten: Die Abschlusswoche ist angebrochen, am kommenden Freitag, 22. Dezember, geht der Weihnachtsmarkt bereits zu Ende.

Es wird nochmals richtig voll werden

Bernhard Kracke Jun., der Vorsitzende des Schaustellerverbands Weser-Ems, geht davon aus, dass es zum Finale noch einmal viele Besucher in die Budenstadt zieht. „Am Abschlusswochenende ist der Weihnachtsmarkt immer besonders gut besucht und an den Tagen danach gibt es immer noch eine Art Endspurt, bei dem gerade die Menschen aus der Region noch einmal auf den Weihnachtsmarkt kommen“, so Kracke. „Wenn es auf die Festtage zugeht, kommt bei den Besuchern immer mehr Weihnachtsstimmung auf – das macht die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt noch einmal angenehmer.“ Wie Kracke erklärt, kommen zum Finale viele Stammgäste oder treue Freunde des Weihnachtsmarkts noch einmal an die Stände und Buden. „Ich freue mich sehr darüber, dass uns viele Besucher so verbunden sind und sich hier so wohl fühlen“, meint der Schaustellerchef, der mit seiner Feuerzangenbowle am Marktplatz zu den festen Größen auf dem Weihnachtsmarkt zählt.

Bernhard Kracke Jr.
Bernhard Kracke Jr. bereitet Feuerzangenbowle (Foto: Jens Lintel via OMT)

Der Schaustellerchef ist überzeugt, dass die Zusammensetzung der Beschicker und die große Sortimentsvielfalt an den Ständen ganz entscheidende Pluspunkte sind, die auch überregional zum guten Ruf des Osnabrücker Weihnachtsmarkts beitragen. „Bei uns werden an etwa der Hälfte aller Stände kunsthandwerkliche Erzeugnisse verkauft und dabei ist es gerade die Vielfalt an den Ständen, die von den Besuchern gelobt wird. Auf anderen Weihnachtsmärkten ist der Anteil von Kunsthandwerks-Anbietern viel niedriger – und wenn einer von ihnen aufhört, finden sie keinen Ersatz. Bei uns ist das ganz anders – wir haben reichlich Bewerber und es wollen sich viele Anbieter beteiligen.“

Frischer Wind am Platz des Westfälischen Friedens

Kracke freut sich darüber, dass die von der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT) vorgehaltene Wechselstube die Sortimentsvielfalt noch weiter steigert und dass dadurch auch neue Anbieter Zugang zum Weihnachtsmarkt finden. „Durch die wechselnde Belegung ist unter den Arkaden der Stadtbibliothek immer für Abwechslung gesorgt und es zieht Besucher in diesen Bereich und damit auf den Weihnachtsmarkt. Solch eine Entwicklung begrüße ich sehr“, so Kracke. In der Wechselstube sollen sich junge Geschäfte, Künstler und Kreative in einem für sie überschaubaren Rahmen, beispielsweise hinsichtlich des Personalaufwands, am Weihnachtsmarkt beteiligen können und so die Sortimentsvielfalt bereichern. Die OMT stellt die Wechselstube seit 2014 bereit und vergibt sie eigenständig an die wechselnden Beschicker, meist wochenweise. Zwei ehemalige Wechselstuben-Beschicker betreiben dieses Jahr eigene Stände auf dem Weihnachtsmarkt.

Jetzt in der Abschlusswoche gibt es in der Wechselstube noch einmal eine Premiere. Mit Sarah Baumann zieht eine junge Frau in den Stand ein, die so richtig in keine der Beschicker-Kategorien der Wechselstube passt. Kreativ ist sie natürlich – aber sie hat (bisher, vermutlich) kein eigenes Geschäft und vermarktet ihre Handmade-Erzeugnisse bisher auch nur nebenbei. Baumann ist 25, studiert Gesundheitswissenschaften und Germanistik an der Uni Osnabrück, und sie stellt schön gestaltete Schlüsselbretter und Zierbrettchen zum Hinstellen und Aufhängen her, die jeweils noch beschriftet sind – lustig, beziehungsreich, mit Schlagwörtern, das ganze Programm. „Da ist natürlich viel zu Themen wie Freundschaft oder Liebe dabei, aber auch Sachen für die Familie, Kollegen oder auch, um es sich selbst zu schenken“, erklärt die junge Frau, die aus Hannover stammt und seit zwei Jahren in Osnabrück lebt.

Ihre Schlüssel- und Zierbrettchen sind aus Holz, es gibt sie in mehreren Formaten (u.a. 12×17 cm) und ganz unterschiedlichen Designs. Baumann stellt die Brettchen schon seit einiger Zeit her, in ihrem Umfeld sind sie längst begehrt. Wie die sympathische junge Frau ganz offen berichtet, hat sie ihre Schlüsselbretter und die Wand- und Standbilder erstmals in einem etwas größeren Maßstab auf dem Nachtflohmarkt angeboten. „Das hat so gut geklappt, wie es mir niemals hätte vorstellen können. Dann habe ich mich überzeugen lassen, dass ich sie auf dem Weihnachtsmarkt anbieten sollte und durch einen Zufall hat es geklappt, dass ich noch an den Stand gekommen bin. Also wage ich es nun“, freut sich Baumann.

Sie hat, wie sie berichtet, zuletzt in jeder freien Minute daran gesessen, „fleißig zu basteln“, um sich mit einem reichlichen Vorrat von Schlüssel- und Zierbrettchen einzudecken. „Ich habe jetzt eine ziemlich große Menge, wie ich glaube – aber es ist natürlich schwierig, das einzuschätzen, weil ich ja keinen Vergleich habe“, sagt sie. „Wenn die Nachfrage ganz groß ist, kann ich nötigenfalls auch nachts noch welche nachproduzieren – aber das wollte ich eigentlich vermeiden. Ich habe ja ohnehin viel zu wenig Zeit, weil ich ja auch noch etwas für die Uni tun muss.“ Aber sie hat Unterstützung, auf die sie sich verlassen kann: Baumanns Freund Henry Rautenstrauch hilft im Stand und Samstag zum Einzug rücken auch ihre Eltern an. „Meine Mutter will den Stand dekorieren. Darüber freue ich mich riesig.“

Die OMT-Wechselstube befindet sich gleich am Eingang des Weihnachtsmarkts hinter der Stadtbibliothek. Der Standaufbau ist dort diesmal etwas verändert und es gibt einen neuen Lichtbogen, den nach Angaben von Schaustellerchef Bernhard Kracke Jun. der Weihnachtsmarktbeschicker Jens Hanke aufgestellt hat. „Der Bereich ist nun besser beleuchtet, aber wir haben ihn auch umgestaltet, um die Zu- und Ausgangsmöglichkeiten zu verbessern. Die Krippe, die dort früher stand, befindet sich jetzt am Rathaus“, erklärt Kracke. Auch die Krippe wird seit 2005 jährlich von Jens Hanke aufgestellt und eingerichtet. Er ist der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Osnabrücker Weihnachtsmarkt e.V., Sprecher der Kunsthandwerker und bietet Christbaumschmuck auf dem Rathausplatz an.

Titelfoto: Joachim Viertel, via OMT