Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant zur Entlastung des angespannten Mietmarkts die Gründung einer „Bundesgesellschaft für bezahlbaren Wohnungsbau“. Ein entsprechendes Konzept des Vizekanzlers sieht vor, dass sich der Bund stärker am Wohnungsneubau beteiligt, um bezahlbare Mieten zu ermöglichen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagausgabe) berichtet.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will mit einer neuen bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft die gravierenden Probleme auf dem Mietmarkt eindämmen. Grundlage ist ein dreiseitiges Papier, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagausgabe) zitiert. „Der privatwirtschaftliche Wohnungsbaumarkt allein kann den nötigen Neubau zu bezahlbaren Preisen nicht realisieren“, heißt es in dem Konzept. Deshalb müsse sich der Bund hier stärker engagieren.
Konzept für neue Bundesgesellschaft
Klingbeil will das Konzept in den kommenden Monaten gemeinsam mit Bauministerin Verena Hubertz (SPD) sowie den Koalitionspartnern CDU und CSU umsetzen. Der SPD-Chef hatte die Idee einer bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft in einer Reformrede vor einigen Tagen in Berlin angekündigt.
Die neue Wohnungsbaugesellschaft, für die der Bund als Mehrheitseigner auch private Investoren gewinnen will, soll nach dem Konzept Klingbeils „keine Baufirma und keine Behörde“ sein. Sie soll vielmehr Wohnungsbauprojekte „im bezahlbaren Preissegment“ entwickeln, deren Umsetzung dann öffentlich ausschreiben und Kredite zur Verfügung stellen, die der Staat günstiger aufnehmen kann als private Unternehmen. „Die beauftragten Baufirmen liefern die Wohnungen“, heißt es in dem Papier. Ziel sei es, die reinen Baukosten auf unter 3.000 Euro je Quadratmeter zu senken; derzeit liegen diese Angaben zufolge teils deutlich höher.
Notwendige Grundgesetzänderung
Weil das Wohnungswesen ausschließlich Ländersache ist, wäre für die Errichtung einer Bundesgesellschaft eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich. Dafür müssten Zweidrittel-Mehrheiten sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat erreicht werden. Da die Koalition über diese Mehrheiten nicht verfügt, müsste sie mindestens die Grünen, vielleicht auch die Linkspartei, ins Boot holen.
Aus Sicht des Finanzministeriums ist eine Verfassungsänderung angemessen, weil die Mitwirkung des Bundes am Bau kostengünstiger Wohnungen „der Verbesserung der Lebensverhältnisse“ diene und „damit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ sei.
Wohnungsmangel verschärft Mietpreisdruck
Nach einer Studie des Pestel-Instituts, einer Wirtschafts- und Sozialforschungsgesellschaft mit Sitz in Hannover, fehlen in Deutschland derzeit 1,4 Millionen Wohnungen. Der Mangel trägt maßgeblich dazu bei, dass die Nettokaltmieten, bundesweit betrachtet, allein in den vergangenen fünf Jahren um fast elf Prozent in die Höhe geschnellt sind. In den großen Städten ist der Anstieg der Studie zufolge noch dramatischer, vor allem junge Menschen finden hier oft kaum noch eine bezahlbare Wohnung.
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