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Ehemalige “Waschkaue” des Industriemuseums am Piesberg bekommt ein neues Dach

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Die Pflege und Erhaltung des historischen Gebäudeensembles der ehemaligen Steinkohlezeche am Piesberg gehört zu den wesentlichen Aufgaben des hier ansässigen Museums Industriekultur Osnabrück. Derzeit wird das Dach des Magazingebäudes saniert. In diesem Gebäudeteil war einst die Waschkaue der Bergleute untergebracht. Heute zeigt das Museum dort seine Sonderausstellungen. Die Dacharbeiten am Magazingebäude unterliegen dem Denkmalschutz und sind ebenso aufwändig wie kostspielig.

Während das Museum Industriekultur Osnabrück aufgrund der Corona-Pandemie von Mitte März bis zum 9. Mai für Besucher geschlossen blieb, ging die Arbeit hinter den Kulissen weiter.

So wurden beispielweise wichtige Sanierungsarbeiten an einem wesentlichen Gebäude des Museums begonnen. „Das Dach des Magazingebäudes musste bereits mehrfach geflickt werden und die Sanierung konnte nicht weiter hinausgeschoben werden. Ein positiver Effekt ist, dass die Wärmedämmung und somit die Energieeffizienz des Gebäudes deutlich verbessert werden können“ sagt Dr. Vera Hierholzer, die neue Direktorin des Museums Industriekultur.

Das alte Tonnendach wird jetzt wärmegedämmt

Das Magazingebäude steht inzwischen seit vier Wochen im Gerüst. Bei dem Dach handelt sich um ein gewölbtes, sogenanntes „Tonnendach“ mit einem Tragwerk aus Stahl-T-Trägern. Um die Wärmedämmung zu verbessern, wurde das vorhandene Tragwerk mit einer hölzernen Unterkonstruktion erhöht, anschließend mit einer diffusionsoffenen Unterspannbahn belegt und mit sogenannten Konterlatten befestigt. Nachdem das Ganze statisch zusätzlich mit Stahlbändern gesichert wurde, kann die Dachfläche im nächsten Schritt mit Aluminiumprofilen eingedeckt werden. Diese Aluminiumprofile wurden eigens für das Dach angefertigt, die entsprechende Rundung wurde aufgenommen. Die Materialwahl des Aluminiums war eine Vorgabe des Denkmalschutzes. Die Profile werden heute angeliefert und mit einem Kran zur Montage auf das Dach gehoben.

Dachdeckermeister Sven Waschke zeigt die Schrauben, die das neue Dach zusammenhalten werden

„Dieses Dach mit dieser Konstruktion ist recht außergewöhnlich und schwierig zu bearbeiten. Die größte Herausforderung lag in der Erhöhung der Stahlträgerkonstruktion zur besseren Wärmedämmung. Trotzdem, es ist immer wieder spannend ein denkmalgeschütztes Objekt nach historischem Vorbild zu bearbeiten“, versichert Dachdeckermeister Sven Waschke.

Das Magazingebäude ist weit über 100 Jahre alt

Das Gebäude wurde Anfang der 1890er Jahre errichtet und ursprünglich als Waschkaue genutzt. Es diente den Bergleuten zur Aufbewahrung ihrer Zivilkleidung und nach der Schicht zur Körperreinigung. Später befand sich in dem Gebäude eine Tischlerei, in der die Holzaufbauten der Förderwagen aus dem Steinbruchbetrieb repariert wurden. Heute gehört dieses Gebäude dem Museum Industriekultur und wird für Sonderausstellungen genutzt.

Ein historisches Foto zeigt das Innenleben der alten Waschkaue am Piesberg
Ein historisches Foto zeigt das Innenleben der alten Waschkaue am Piesberg, Quelle: Museum für Industriekultur, Osnabrück


Im Reprint einer Broschüre über den „Piesberger Anthrazit“ von 1896 findet sich eine anschauliche Beschreibung:
„In neuerer Zeit sind auf der Zeche für die Bergleute und die Beamten Badeeinrichtungen angelegt worden, welche eine wahre Wohltat für die Leute sind […] sehen wir uns die Einrichtung einmal an.
Ein angenehm erwärmter und gut durchlüfteter Raum empfängt uns. Wir sehen in der Mitte die Badezellen – 36 an der Zahl –, die durch Brausen mit frischem warmem Wasser versehen werden. An bewegbaren, mit Haken versehenen Schnüren hängen die Kleider unter der Decke des Raumes, woselbst die Grubenkleider trocknen können. Kommt der Bergmann zur Schicht, so lässt er sie mit die mit seiner Kontrollnummer versehene Schnur herab, nimmt die Grubenkleidung herunter, hängt seinen Straßenanzug nach dem Umkleiden daran und fährt in die Grube. Nach vollbrachter Schicht badet er in einer Zelle, bekleidet sich mit seinem reinen Anzuge, zieht die Grubenkleider an der Schnur wieder in die Höhe und geht erfrischt nach Hause.“


Hasepost
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