Fast und für ein kurzes Wochenende sah es so aus, als ob Osnabrück endlich einen Eintrag auf der Streckenkarte des schnellen Fernverkehrs der Deutschen Bahn AG bekommt. Doch die wirklich schnellen Züge fahren weiter an Osnabrück vorbei.

Nachdem bereits im Februar erste Informationen über eine Fahrzeugneubestellung für die Ost/West-Achse Berlin-Osnabrück-Amsterdam bekannt wurden, veröffentlichte die Deutsche Bahn AG Ende vergangener Woche zusätzlich erste Computervisualisierungen des vorerst ECx genannten internationalen Fernverkehrszuges, der auch in Osnabrück Halt machen wird.

Am Montag wurden Pläne bekannt, dass die Bahn für eine andere Strecke, von Bielefeld nach Hannover, viel weitergehende Pläne hat, die auch Auswirkungen auf die Anbindung von Osnabrück an das Schnellzugnetz der Deutschen Bahn haben wird.

Neue Schnellzüge zu langsam für Neubau-Schnellfahrstrecke

Während sich zwischen Bad Bentheim und Löhne bzw. Bad Oeynhausen, wo die Fernverkehrsstrecken zusammengeführt werden, die Bahn weiter mit moderaten 120 bis maximal 160 km/h fortbewegt, soll die Strecke von Bielefeld nach Hannover zukünftig für eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 300 km/h ausgebaut werden.
Allerdings soll der neue internationale Schnellzug ECx lediglich eine Höchstgeschwindigkeit von (nur) 230 km/h erreichen, was ihn zu einem Fremdkörper auf der Höchstgeschwindigkeitsstrecke machen würde, die zukünftig im Halbstundentakt das Ruhrgebiet mit Hannover und weiter nach Berlin verbinden soll.

Ausbau auf 230km/h wäre perfekt für ECx gewesen

Bislang war ein Ausbau der Strecke nach Hannover auf 230 km/h geplant, was perfekt zu den neuen ECx-Zügen gepasst hätte. Nach Medienberichten wird nun von Seiten der Deutschen Bahn darüber nachgedacht, neben der „alten Strecke“, die auch von Nahverkehrszügen und Güterzügen frequentiert wird, eine ganz neue Strecke zu bauen, die ab Bad Oeynhausen dem Verlauf der Autobahn A2 folgen könnte, und die wie die Höchstgeschwindigkeitsstrecke von München nach Berlin „tabu“ für langsame Züge wäre.

Bei Realisierung der Neubauvariante entlang der Autobahn A2 würden also alle Züge, die keine Höchstgeschwindigkeit erreichen, weiter dem Streckenverlauf der alten Strecke der Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft von 1845 folgen. Die Strecke dürfte dann allerdings auch weiterhin nicht schneller als mit maximal 160km/h befahren werden dürfen.

IHK begrüßt Entscheidung für neue Züge nach Berlin

In einem am Montag veröffentlichten Statement äußerte sich IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf , noch ohne Bezug auf die Neubaupläne der Deutschen Bahn für die Strecke zwischen Bielefeld und Hannover, wie folgt „Mit dieser Vergabeentscheidung wird auf der West-Ost-Achse Amsterdam – Berlin demnächst endlich modernes Zugmaterial eingesetzt. Gleichzeitig verkürzt sich die Reisezeit zwischen den beiden Hauptstädten um insgesamt 30 Minuten. Dies macht die Bahn auf dieser Strecke deutlich attraktiver. Positiv ist, dass die Fahrzeitverkürzung ohne den Wegfall von Haltestellen realisiert werden soll. Zusätzliches Potenzial für eine weitere Verkürzung der Fahrzeit sehen wir in einer Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h zwischen Bad Bentheim und Löhne. Im Ergebnis werden die Umstiege im wichtigen Bahnknoten Hannover verlässlicher erreichbar als heute.“